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G-Star muss Greenwashing beenden

Aktion vor einer Filiale des niederländischen Textilherstellers in Wien

Newsartikel - 5 Juni, 2012
AktivistInnen haben die Schaufenster der G-Star-Filiale in der Wiener Neubaugasse mit Totenkopf-Symbolen zugeklebt. Totenköpfe werden bei Chemikalien als Gefahrensymbol für giftige Substanzen verwendet. Damit weisen die Greenpeace-AktivistInnen auf die Gefahr des Einsatzes gefährlicher Substanzen bei der Herstellung von G-Star-Produkten in den Herstellerländern hin.

Greenpeace kritisiert die mangelnde Transparenz des Unternehmens. "G-Star verkauft sich in der Öffentlichkeit als umweltfreundlich. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus", sagt Greenpeace Konsumentensprecherin Claudia Sprinz. "Die Menschen haben ein Recht zu erfahren, welche gefährlichen Chemikalien verwendet werden. Greenpeace fordert von G-Star einen konkreten Zeitplan zum Ausstieg aus der Verwendung umwelt- und gesundheitsschädlicher Substanzen bei der Herstellung ihrer Produkte", so Sprinz.

Chemie in Textilien

Greenpeace hat im August 2011 den Bericht "Schmutzige Wäsche" veröffentlicht: In 18 Ländern wurden insgesamt 78 Textilprodukte von 15 internationalen Herstellern gekauft und im Labor auf gefährliche Chemikalien getestet. Zwei Drittel der Produkte enthielten Nonylphenolethoxylate (NPE), darunter auch Produkte von G-Star. NPE wird bei Wasch- und Färbeprozessen eingesetzt. In der EU ist die Verwendung dieser Chemikalie verboten oder zumindest stark eingeschränkt. In den Produktionsländern der getesteten Textilien ist der Einsatz von NPE hingegen nicht geregelt.

Giftstoffe in heimische Gewässer

Im März 2012 hat Greenpeace in einer erneuten Untersuchung nachgewiesen, dass bis zu 94 Prozent NPE in Import-Textilien nach der ersten Haushaltswäsche freigesetzt werden. Gelangt dieses Substanz in das Abwasser, entsteht das Umweltgift Nonylphenol (NP). Dieser Stoff kann von Kläranlangen nicht vollständig herausgefiltert werden und landet so auch in heimischen Gewässern. NP ist eine giftige, schwer abbaubare und hormonell wirksame Chemikalie. Sie schadet Fischen und anderen Wassertieren bereits in niedrigen Mengen und kann die Entwicklung der Geschlechtsorgane stören.

Wer ist G-Star?

Die Jeans- und Modemarke G-Star wurde von Jos von Tilburg in den Niederlanden gegründet und befindet sich auf einem rasanten weltweiten Expansionskurs. Fast monatlich wird ein neuer Flagship-Store eröffnet. Die Entscheidungen bei G-Star trifft nach wie vor Jos van Tilburg, der immer noch Geschäftsführer und Eigentümer von G-Star ist. Er hat es bislang abgelehnt, sich mit Greenpeace zu treffen und nur seine MitarbeiterInnen geschickt.

Greenwashing von G-Star

Aufgrund der Greenpeace-Kampagne haben Adidas, C&A, H&M, Puma und Nike konkrete Pläne zur "Entgiftung" der Produktion ihrer Textilien vorgelegt. Sie wollen bis 2020 mittels einer Roadmap ihre gesamte Produktionskette giftfrei gestalten. Auch G-Star hat eine Stellungnahme veröffentlicht, doch im Gegensatz zu den konkreten Schritten der anderen Unternehmen gab es von G-Star bislang nur schwammige Bekundungen, wie beispielsweise, dass die Freisetzung gefährlicher Chemikalien „so weit als möglich“ reduziert werden solle. Gleichzeitig stellt sich jedoch das Unternehmen auf der eigenen Website als ökologisch vorbildlich dar.

Zulieferbetriebe verschmutzen Flüsse

Bereits im Juli 2011 hat Greenpeace einen Bericht veröffentlicht, der am Beispiel von China Einblick in die Verschmutzung der Flüsse mit gefährlichen Chemikalien durch die Zulieferbetriebe internationaler Bekleidungshersteller gegeben hat. Sieht man sich Luftbilder von Xintang, der "Jeans-Hauptstadt" der Welt an, so sieht man große Flächen, wo dunkelblaues Abwasser von der Herstellung von Jeans in den Fluss Dong geleitet werden.

Recht auf Wissen

Die Kunden und Kundinnen von G-Star, die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Herstellerländern und die Menschen in den angrenzenden Gemeinden haben das Recht zu erfahren, welche gefährlichen Stoffe eingesetzt werden und womöglich die Gesundheit der Menschen vor Ort als auch die Ökosysteme in den Industrieländern gefährden. Daher muss G-Star dem Beispiel der anderen Unternehmen folgen und darüber Auskunft geben, welche Subtanzen bei der Produktion ihrer Mode eingesetzt und in die Flüsse in den Herstellerländern geleitet werden. Diese Informationen müssen öffentlich zugänglich gemacht werden.

Greenpeace fordert von G-Star

  • Ein Treffen mit dem G-Star Eigentümer und Geschäftsführer Jos von Tilburg, denn nur er ist in der Lage schwammige Aussagen durch konkrete Maßnahmen zu ersetzen.
  • G-Star muss sich öffentlich zum Vorsorgeprinzip und der Verantwortung für seine Produkte verpflichten
  • G-Star muss Informationen darüber veröffentlichen, welche gefährlichen Chemikalien bei der Herstellung seiner Produkte eingesetzt und in die Flüsse in den Herstellerländern geleitet werden.
  • G-Star muss einen konkreten Zeitplan mit dem Ziel eines Komplettausstiegs aus der Verwendung gefährlicher Stoffe wie NPE vorlegen.

Was jeder tun kann

  • Schreiben Sie an G-Star. Fragen Sie das Unternehmen, welche chemischen Substanzen bei der Herstellung der G-Star-Produkte eingesetzt werden und wann das Unternehmen aus der Verwendung gefährlicher Chemikalien aussteigen wird. Senden Sie ein E-Mail oder einen Brief an G-Star, z. H. Carolien van Wersch, Postbus 121777, 1100 AD Amsterdam Zuidoost, Niederlande.
  • Sollte das Unternehmen antworten, senden Sie bitte diese entweder per E-Mail an oder per Post an Greenpeace CEE, z.H. marktcheck.at-Team, Fernkorngasse 10, 1100 Wien

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