AKW-Stresstests sind Beruhigungspille für die Bevölkerung

Nur ein abgeschaltetes AKW bringt garantierte Sicherheit

Newsartikel - 3 Oktober, 2012
Am Donnerstag veröffentlicht die Europäische Kommission in Brüssel die Ergebnisse der AKW-Stresstests. Die Tests, die nach der Atomkatastrophe in Fukushima initiiert wurden, werden jedoch geringe Auswirkungen auf den Umgang mit Atomkraft in Europa haben.

"Wir befürchten, dass das Mascherl `Stresstest-geprüft´ den Weiterbetrieb von veralteten Hochrisiko-Reaktoren legitimiert. Einzelne Sicherheitsmaßnahmen sind keine angemessene Antwort auf die Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht", so Herwig Schuster von Greenpeace Österreich. "Die Stresstests dienen nur als Beruhigungspille für die Bevölkerung und verkommen zur Farce. Einige der größten Risiken für die Sicherheit von Atomkraftwerken finden in den Analysen keine Beachtung." Besonders problematisch sind die Gefahren, die von Überflutungen, Erdbeben, Materialermüdung oder Terrorismus ausgehen. Diese werden nicht ausreichend berücksichtigt. Auch ein gleichzeitiges Auftreten von Katastrophen, wie in Fukushima, fehlt gänzlich.

Greenpeace hat daher unabhängige Experten mit einer Analyse der Stresstests in verschiedenen Ländern beauftragt. Der Bericht "Critical Review of the EU stress test performed on Nuclear Power Plants" kommt zu dem Schluss, dass einige der untersuchten Atomkraftwerke sofort abgeschaltet oder zumindest vom Netz genommen werden müssen. Darunter befinden sich auch Anlagen in unmittelbarer Nähe zu Österreich.

AKW Temelin

Der Stresstest blendet technische Probleme am AKW Temelin gänzlich aus.

© Greenpeace / Wartha

Scharfe Kritik wird speziell an der tschechischen Vorgehensweise in Bezug auf das AKW Temelín geübt. Der Stresstest, der die Sicherheit der beiden Reaktoren in Temelín untersuchen soll, hält nicht einmal ein Mindestmaß an Qualität ein, merken die Experten an. Abgesehen von der Ausblendung wesentlicher Krisenszenarien, wie Erdbeben, Überflutungen und Wetterextreme, blendet der Test auch technische Probleme, wie fehlerhafte Reparaturarbeiten am Kühlsystem des Reaktors, völlig aus.

 

AKW Krško

AKW Krsko mit großen Sicherheitsrisiken.

© Waltraud Geier / Greenpeace

Ebenso problematisch sieht der Expertenbericht das AKW Krško in Slowenien. Das 1983 ans Netz gegangene Atomkraftwerk befindet sich in einer seismisch aktiven Region. Wie der Greenpeace-Bericht verdeutlicht, fehlen die Berücksichtigung von Naturkatastrophen und deren Auswirkungen auf das AKW gänzlich. Der Stresstest ignoriert demnach massive Sicherheitsrisiken für den völlig veralteten Reaktor.

 

AKW Mochovce

AKW Mochovce eines der gefährlichsten AKW in Europa.

© Greenpeace / Juraj Rizman

Als eine der gefährlichsten Anlagen in Europa wird das Atomkraftwerk Mochovce in der Slowakei, das sich vor den Toren Wiens befindet, eingestuft. Derzeit sind zwei weitere - neue -Reaktoren in Planung, die auf völlig veraltete Fundamente gebaut werden sollen. Wie aus dem Greenpeace-Bericht hervorgeht, wird das enorme Risiko, das von einer möglichen Unvereinbarkeit beider Technologien ausgeht, im Stresstest gänzlich ausgeklammert.

Die Bewertung durch die Experten verdeutlicht vor allem eines: Die veraltete und ausrangierte Atomenergie wird durch Stresstests nicht sicherer.

Greenpeace fordert

Greenpeace fordert daher, dass Hochrisiko-Reaktoren sofort vom Netz genommen werden und die Nutzung von Atomenergie so rasch wie möglich ausläuft. Nur ein abgeschaltetes AKW bringt garantierte Sicherheit.

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