Check Chipsprodukte

Chips unter der Lupe

Newsartikel - 5 Juni, 2010
Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft hat marktcheck.at Chips und Kartoffelsnacks unter die Lupe genommen. Einige Produkte enthalten Geschmacksverstärker mit unerfreulichen Nebenwirkungen. Bei etlichen verbirgt sich in den Zutaten Palmöl, das zur Zerstörung von Urwäldern in Indonesien beiträgt.

 

Was untersucht wurde

Das Team von marktcheck.at hat Chips nach Ökologie (Inhaltsstoffe, Transport, Gentechnik, Verpackung, Palmöl) und Tierschutz beurteilt.

Geschmacksverstärker enthalten

Neben der klassischen gesalzenen Variante gibt es bei Kartoffelchips zahlreiche Produkte unterschiedlicher Geschmacksrichtungen. Mehrere der überprüften Produkte enthalten als Geschmacksverstärker E 621 also (Mono-)Natriumglutamat.

Glutamate werden zwar vom Körper selbst gebildet und haben auch eine wichtige Funktion für Gehirn und Nervenzellen, doch die festgelegte akzeptable tägliche Menge kann leicht überschritten werden. Glutamate werden vielen Lebensmitteln zugesetzt: Neben Knabberartikeln sind Glutamate häufig auch in Fertiggerichten, Tiefkühlprodukten oder Gewürzmischungen enthalten.

Unerfreuliche Nebenwirkungen

Glutamate fördern den Appetit und können bei empfindlichen Personen krankheitsauslösend wirken. Erhöhter Verzehr kann zu Kopfschmerzen, Nackentaubheit, Gliederschmerzen und Übelkeit (sog. "China-Restaurant-Syndrom") führen. Untersuchungen an Ratten haben gezeigt, dass Glutamat deren Fortpflanzung gestörte und ihr Nachwuchs Lernschwierigkeiten zeigte. Daher ist dieser Stoff in der marktcheck.at Inhaltsstoffdatenbank mit "Rot" (Ungenügend) bewertet. 

Weit gereiste Kartoffel

Bei einigen Produkten, beispielsweise bei machen Eigenmarkenprodukten von Supermärkten, ist das Herstellungsland nicht angegeben. Ebenso wenig ist für KonsumentInnen nachvollziehbar, wo die wichtigsten Hauptzutaten der Chips herkommen. Daher hat das marktcheck.at Team die Hersteller oder Vertreiber dieser Produkte befragt. In vielen Fällen haben die Unternehmen nicht geantwortet, so muss im schlimmsten Fall davon ausgehen, dass weder die Kartoffeln aus Österreich stammen noch die Chips in Österreich produziert wurden.  

Bio-Chips nur "Gut"

Alle bei der Untersuchung überprüften Bio-Chips stammen entweder aus weiter entfernten Regionen und/oder die Hersteller gaben keine Auskunft zur Herkunft der Hauptzutaten, was jeweils Abwertungen beim Transport zur Folge hat. Daher schneiden alle Bio-Chips nicht, wie bei Bioprodukten üblich, mit "Grün!" (Hervorragend), sondern nur "Grün" (Gut) ab.

Lücke bei Gentechnik-Kennzeichnung

Einige der gewürzten Chips enthalten tierische Zutaten, wie beispielsweise Milch-, Molke- oder Käsepulver. Seit April 2004 müssen gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet sein. Es gibt jedoch eine Lücke: Hersteller, deren Kühe, Schweine oder Hühner mit Gentech-Futtermittel ernährt wurden, sind nicht dazu verpflichtet, dies auf ihren Produkten zu vermerken.

Breite Ablehnung von Gentechnik

90 Prozent der ÖsterreicherInnen lehnen Gentechnik in Lebensmitteln strikt ab. Daher ist beispielsweise die österreichische Trinkmilch bereits zu 80% gentechnikfrei.

Tierische Zutaten mit Gentech-Futter

Das marktcheck.at Team hat die Hersteller oder Vertreiber befragt, woher sie ihre tierischen Zutaten beziehen. Nachdem auch diese Anfragen vielfach unbeantwortet blieben ist davon auszugehen, dass die tierischen Zutaten nicht von österreichischen Molkereien stammen, sondern aus Ländern importiert werden, wo den Kühen Gentech-Futter vorgesetzt wird.

Zur Herstellung von Chips wird sehr viel Fett benötigt.

 

Palmöl

Palmöl in Chips

Aufgrund der steigender Nachfrage bei Agrotreibstoffen beziehen einige Hersteller aus Kostengründen anstelle heimischer Öle das deutlich günstigere Palmöl aus Indonesien. Dort rodet die indonesische Firma Sinar Mas wertvolle Regenwälder in Orang-Utan-Gebieten, um dort großflächig Ölpalmenplantagen anzulegen.

Keine Deklarationspflicht

Ob ein Produkt Palmöl enthält ist schwierig zu erkennen, denn es gibt keine Verpflichtung zur Deklaration von Palmöl. Es muss lediglich der Begriff "pflanzliches Öl" oder "pflanzliches Fett" oder ein ähnlicher Begriff angeführt werden. Daher hat das marktcheck.at die Hersteller solcher Produkte kontaktiert und sie nach der Art des Fettes befragt.

Sonnenblumenöl als Alternative

Einige Hersteller deklarieren die Art des verwendeten Fettes sehr genau, vor allem jene, die zur Produktion der Chips das in Europa leicht herzustellende Sonnenblumenöl einsetzen.   

Verpackung

Es wurde die Verpackung des jeweiligen Produkts im Vergleich zu anderen Produkten der gleichen Kategorie beurteilt. Die meisten Chips werden in einem Sackerl verpackt, das aus einem Kunststoff-Alu-Verbund besteht. Andere Produkte sind deutlich aufwändiger in einer mit Alu verkleideten Kartonrolle mit Kunststoffdeckel verpackt und wurden bei Verpackung daher mit "Orange" (Kritisch) bewertet.

Bei Tierschutz durchgefallen

Über die Haltungsbedingungen der Kühe, welche das für die Gewürzmischungen verwendete Milch-, Molke- oder Käsepulver produzieren, gibt es keinerlei Informationen. Keines der Produkte verfügt über eine Tierschutz-Zertifizierung. Es ist daher anzunehmen, dass diese Milch aus Massentierhaltung stammt. Sämtliche der Produkte mit tierischen Zutaten erzielen bei Tierschutz daher nur ein „Ungenügend“.

Kelly's stellt Produkte um

Marktführer Kelly's reagierte als einziger Chipshersteller auf die Anfragen von Greenpeace. Das Unternehmen sicherte Greenpeace schriftlich zu, dass man Palmöl durch Sonnenblumenöl ab Herbst 2010 ersetzen werde. Überdies hat Kelly angekündigt, ab demselben Zeitpunkt auch auf Geschmacksverstärker in seinen Produkten zu verzichten
Kellys kennzeichnet im Gegensatz zu anderen Herstellern auch auf den meisten Produkten sehr deutlich, dass die verarbeiteten Kartoffel aus Österreich stammen:

Niederösterreichische Kartoffeln in Kelly's Chips

Kauftipps

Bewussten KonsumentInnen wird empfohlen, sich an der Produktliste zu orientieren bzw. sich für heimische Chipsprodukte ohne Geschmacksverstärker zu entscheiden.
  
Weiterlesen: 

 
Quelle: Greenpeace

Themen