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Flugblätter-Check

Newsartikel - 7 September, 2011
Handel zwingt Einweggebinde auf

Flugblätter im Lebensmitteleinzelhandel

Das marktcheck.at Team hat Getränke-Angebote in Flugblättern von Supermärkten untersucht. Bier, Limonade, Fruchtsaft oder Wasser in umweltfreundlichen Mehrwegflaschen zu günstigen Preisen sind eher die Seltenheit – es dominieren Angebote für Getränke in umweltbelastenden Wegwerfgebinden.

Von mehr als 1.800 Getränke-Angeboten in Flugblättern der Handelketten Billa, Eurospar, Hofer, Interspar, Lidl, Merkur, Penny,  Spar, Spar Gourmet  und Zielpunkt, die innerhalb eines Jahres in der Region Wien und NÖ gesammelt wurde, waren nur 262 für Getränke in Mehrwegflaschen. Dies entspricht einem Anteil von nicht einmal 15%. 

Die meisten Angebote gab es bei Bier (256). In den untersuchten Flugblättern wurde nur sechs Mal Mineralwasser, ein Mal Fruchtsaft und keine einzige Limonade in der Mehrwegflasche angeboten.

Ergebnisse der Supermarktketten

Der österreichische Marktführer Rewe (Billa, Merkur, Penny) erzielte nur 11%. Die dahinter folgende Spar-Gruppe (Eurospar, Interspar, Spar, Spar Gourmet) kam immerhin auf 21%, das österreichweit drittgrößte Handelsunternehmen Hofer erreichte 0%. Hofer führt bislang kein einziges Getränk in Mehrwegflaschen und hat daher auch in Flugblättern solche nie angeboten. Diese Unternehmen haben in Österreich einen Marktanteil von nahezu 80 Prozent. Zielpunkt kam auf 18,95% und Lidl auf 0%, weil der Diskontsupermarkt ebenso wie Hofer und Penny grundsätzlich keine Mehrwegflaschen anbietet.

Preis- und Sortimentspolitik bestimmt Angebot

Dass die heimischen Supermärkte keine "Fans" von Mehrwegflaschen sind, zeigt sich auch durch deren Gestaltung von Preisen und Angeboten: Vor allem bei Bier kam es öfters vor, dass das gleiche Getränk in der Mehrwegflasche zu höheren Kosten angeboten wurde als in der Dose. In manchen Fällen wurden sogar Einweg-Produkte fälschlich als Mehrwegflaschen gekennzeichnet oder Getränke in Mehrwegflaschen waren gar nicht als solche erkennbar. Das marktcheck.at Team hat einige solcher Flugblätter eingescannt:

Kaum Getränke in Mehrwegflaschen

Greenpeace Untersuchungen haben gezeigt, dass die früher so beliebten Getränke in Mehrwegflaschen immer seltener im Handel zu finden sind. Daher hat Greenpeace die Supermarktketten kontaktiert und diesbezüglich um Stellungnahme gebeten.

  

Wunsch der KundInnen?

Die Supermarktketten haben Greenpeace mitgeteilt, dass vor allem ihre KundInnen dafür die Verantwortung tragen. Denn diese würden "Convenience" bevorzugen.

Das bedeutet, dass diese Firmen der Überzeugung sind, dass die meisten Konsumenten und Konsumentinnen beim Getränkeeinkauf die Umwelt herzlich wenig kümmert. Sie würden lieber ihrer Faulheit frönen und wären auf die eigene Bequemlichkeit bedacht! 

Initiative "Ich will Mehrweg"

Greenpeace teilt diese Ansicht nicht, sondern ist überzeugt, dass dies auf Betreiben der Handelsketten zurück zu führen ist. Daher wurde vor mehr als einem Jahr die Mitmach-Initiative "Ich will Mehrweg!" gestartet. Die Antworten der Supermärkte auf die E-Mails besorgter KonsumentInnen (über obigen Link zur Initiative abrufbar) zeigen, dass die Handelsketten gebetsmühlenartig wiederholen, dass die Verantwortung die KonsumentInnen tragen. 

"Umweltfreundliche" Einweggebinde

In manchen Medien wurden in den letzten Monaten teilweise sehr fragwürdige Aussagen veröffentlicht: Die Auswirkungen von Wegwerfgebinden auf die Umwelt sei optimiert worden - Mehrweg sei gar nicht das umweltfreundlichste Gebinde mehr. Ständig wurde wiederholt, dass KonsumentInnen  angeblich Getränke in Wegwerfverpackungen aus Alu, Tetra Pak, Plastik oder Glas bevorzugen.

Denn obwohl sie (laut den Supermarktketten) angeblich zu bequem sind, diese in den Supermarkt zurück zu bringen, würden sie mit Begeisterung Müll sammeln und diese zu den Sammelinseln bringen. Immerhin würden mittlerweile 8 von 10 Einweg-Kunststoffflaschen getrennt gesammelt.

Das "funktionierende" Sammelsystem ...

Laut der Altstoff Recycling Austria (ARA) werden derzeit 8 von 10 Einweg-Kunststoffflaschen aus PET getrennt gesammelt, davon werden aber nur 6 Flaschen stofflich verwertet. Es stellt sich daher die Frage, warum ein Viertel der getrennt gesammelten Flaschen nicht recycelt, sondern verbrannt wird. Insgesamt würde das bedeuten, dass 4 von 10 PET-Flaschen verbrannt werden, also ca. 500 Millionen Flaschen pro Jahr!

... macht aus PET wieder PET?

Aber werden die Flaschen nicht ohnehin aus alten, recycelten Flaschen produziert? Im Jahr 2008 wurden ca. 6.000 Tonnen Granulat aus alten PET-Flaschen für die Erzeugung neuer Flaschen produziert. Insgesamt wurden jedoch im selben Jahr knapp 42.000 Tonnen PET-Flaschen produziert. Das heißt, dass in Summe gerade mal 15% des PET-Materials als Recyclingmaterial wieder für die Produktion neuer Flaschen verwendet wird, während 85% Neumaterial zugeführt werden.

Was wirklich dahinter steckt

Im September 2010 traf sich eine Gruppe von ExpertInnen, die darauf spezialisiert sind, die ökologischen Auswirkungen von Getränkeverpackungen zu berechnen. Sie waren sich einig, dass in regionalen Kreisläufen Mehrwegflaschen weiterhin die ressourcen- und umweltschonendste Getränkeverpackung sind. Die Ergebnisse dieses Workshops wurden - merkwürdigerweise - nie veröffentlicht.

Arbeitsgruppe im Lebensministerium

Die LandesumweltreferentInnenkonferenz hat bereits mehrfach den Umweltminister dazu aufgefordert verbindliche Rahmenbedingungen zu Erhalt und Ausbau von Mehrwegsystemen zu schaffen. Anfang 2010 hat sich Umweltminister DI Berlakovich dazu entschlossen, eine Arbeitsgruppe zur „Sicherung und Optimierung von Mehrweg-Getränkeverpackungssysteme in Österreich“ zu beauftragen. Diese entwickelte das sogenannte "Öko-Bonus-Modell". Es ist ein aufkommensneutrales Bonus-/Malus-System für Getränkeverpackungen für den Lebensmitteleinzelhandel in Österreich.

Widerstände von WKO und IV

Greenpeace begrüßt dieses Modell, denn die Handelsketten würden endlich in die Pflicht genommen. Die Wirtschaftskammer Österreich und die Industriellenvereinigung behaupten, es handle sich um eine neue "Steuer" auf Einweggebinde. Es ist ihnen gelungen, diese Behauptung in vielen Medien zu verbreiten, obwohl sie nicht den Tatsachen entspricht. In Wirklichkeit ist das Öko-Bonus-Modell unternehmensbezogen: Supermärkte, die Getränke in Mehrweg anbieten, werden belohnt, während beispielsweise Diskontsupermärkte (die ausschließlich umweltbelastende Einweggebinde anbieten) endlich Verantwortung für die von ihnen verursachten Abfallberge übernehmen müssten.

Welche Interessen vertreten werden

Man könnte glauben, dass Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung die Interessen der österreichischen regionalen Getränkeabfüller vertritt. Gespräche von Greenpeace mit kleineren und mittelgroßen österreichischen Abfüllern zeigen jedoch ein anderes Bild. Diese Firmen bevorzugen Mehrwegflaschen, weil Einweg für sie hohe Kosten verursacht.

Mehrweg mach ökonomisch und ökologisch Sinn

Bei Einweggebinden ist bei jeder Abfüllung eine neue Flasche oder Dose erforderlich, während beispielsweise bei Mehrwegflaschen aus Glas rund 40 Mal, Mehrwegflaschen aus Kunststoff rund 20 Mal wieder verwendet werden können. 

WKO und IV verbreiten die Falschinformation, dass Mehrweg hohe Kosten verursachen würde - das genaue Gegenteil ist der Fall: Bei Einweg sind die Kosten für die neuen Flaschen um ein Vielfaches höher als Rücktransport und Reinigung der Mehrwegflaschen.

Ebenso verhält es sich mit den Auswirkungen auf die Umwelt: Einweg benötigt wesentlich mehr Rohstoffe, Energie und Transport als Mehrweg (siehe auch nachfolgende Grafiken).

Stoffflüsse bei Einweg. Zum Vergrößern klicken!

Stoffflüsse bei Mehrweg. Zum Vergrößern klicken!

 

Flugblätter werden ernst genommen

Gemäß dem Gallup/Karmasin-Institut ist das Flugblatt die wichtigste und beliebteste Informationsquelle der KonsumentInnen für ihren Einkauf. 71% der ÖsterreicherInnen informieren sich in diesen über Lebensmittel-Angebote und deren Preise. 81% beziehen ihre Flugblätter über ihren Briefkasten.

Die größten Werber des Landes

Dies lassen sich die Handelsketten auch etwas kosten: Rewe (Billa, Merkur, Penny) ist gemäß Media Focus Research Group der größte Werber des Landes. Das Unternehmen gibt jährlich 58,6 Millionen Euro für Werbung aus. Dahinter folgt Spar (Spar, Eurospar, Interspar) mit 54,8 Millionen Euro. Erst danach folgen die Telekom sowie der Konsumgüterkonzern Procter und Gamble. An fünfter Stelle liegt bereits Hofer mit 40,8 Millionen Werbebudget.

Die Ursache des Einweg-Booms

Die Handelsketten geben also sehr große Summen für Werbung aus. Werbung, die ausschließlich dazu dient soll, die KonsumentInnen zu lenken. Gleichzeitig versuchen die Handelsketten der Öffentlichkeit weis zu machen, dass nur und allein die KonsumentInnen die Ursache des Rückgangs von Mehrweg sind. Man muss kein/e Werbe-ExpertIn sein, um zu erkennen, dass die Verantwortung für den Rückgang von Getränken in umweltschonenden Mehrwegflaschen mehrheitlich der Lebensmitteleinzelhandel in Österreich trägt.

Bescheidenes Angebot

Die aktuelle Analyse der bei KonsumentInnen sehr beliebten Flugblätter bestätigt dies. In den meisten Flugblättern dominieren Angebote für  Getränke in Dosen oder Einwegflaschen. Nicht nur in wirtschaftlich schwierigen Zeiten orientieren sich viele Menschen an den Preisen und greifen - mangels Wahlfreiheit - zu Getränken in umweltbelastenden Einweggebinden. 

Dies nutzt der Handel als willkommene Begründung: Nachdem sich eine anonyme Masse nicht zur Wehr setzen, werden KonsumentInnen als Ausrede zur Durchsetzung der eigenen Interessen benutzt. Denn mit Getränken in Mehrweg haben die Handelsketten mehr Arbeit.

Forderungen von Greenpeace

Greenpeace lässt sich selbst von einer übermächtigen Lobbying- und Werbemaschinerie nicht davon abhalten, sich für die umwelt- und ressourcenschonenden Mehrwegflaschen einzusetzen. Die aktuelle Untersuchung der Flugblätter zeigt, dass die Handelsketten offensichtlich kein Interesse daran haben, die von Umweltminister DI Berlakovich im April geforderte Wahlfreiheit für KonsumentInnen zu schaffen und Mehrweggebinde zu ebenso attraktiven Preisen anzubieten wie Einweggebinde.

Daher ist es dringend notwendig, dass gesetzliche Rahmenbedingungen zur Erhaltung und Absicherung von Mehrwegflaschen geschaffen werden.

Was jede/r tun kann

      • Beim Getränke-Einkauf Mehrwegflaschen bevorzugen
      • Die Initiative "Ich will Mehrweg" mitmachen
      • Möglichst viele FreundInnen und Bekannte davon informieren und zum Mitmachen einladen
      • Als FilialleiterIn einer Handelskette: Möglichst viele Getränke in Mehrwegflaschen anbieten und die KundInnen über deren Vorteile informieren

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Quelle: Greenpeace

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