Check Schokoladeneis 2012

Newsartikel - 31 Mai, 2012
Der Greenpeace Einkaufsratgeber marktcheck.at hat 18 Schokoladeneis-Produkte in Familienpackung unter die Lupe genommen. Kein einziges Produkt kann uneingeschränkt empfohlen werden.

Die untersuchten Produkte - eine Auswahl

 

Keines wirklich empfehlenswert

Wie immer bei den marktcheck.at-Untersuchungen erfolgte die Bewertung nach Ökologie, Tierschutz und sozialen Aspekten: Die Bestnote „Grün!“ bedeutet „Hervorragend“, für „Gut“ steht „Grün“ , Orange heißt „Kritisch“ und „Rot“  entspricht „Ungenügend“. Kein einziges Produkt erreichte in allen drei Bereichen „Grün!“ oder Grün, sondern entweder nur bei Ökologie und Tierschutz oder nur bei den sozialen Aspekten.Beurteilt wurden dabei nicht nur die Informationen auf der Verpackung. Denn was nicht auf den Produkten steht, ist mindestens genauso aussagekräftig.

Schokoladeneis-Fans brauchen jedoch nicht auf den Genuss zu verzichten, denn ein Bio-Eissalon in Wien bietet Bio-Schokoladeneis mit FAIRTRADE-Bio-Schokolade, siehe auch die Tipps für KonsumentInnen.

 

Ökologische Kriterien

Lebensmittelzusatzstoffe in Eis

Lebensmittelzusatzstoffe (sogenannte E-Nummern) sollen den Produkten bestimmte gewünschte Eigenschaften verleihen, beispielsweise das Eis cremiger machen oder dafür sorgen, dass es nicht so schnell kristallisiert. Während manche Substanzen völlig harmlos sind, werden bei den untersuchten Schokoladeneis-Produkten auch Stoffe eingesetzt, die problematische Auswirkungen auf die Gesundheit (vor allem bei empfindlichen Menschen oder Kindern) haben können.

Dass diese oft nicht wirklich notwendig sind, beweist allein die Tatsache, dass die Anzahl der eingesetzten Zusatzstoffe stark schwankt. Denn zumindest einer findet sich in allen Produkten. Einen guten Überblick bietet die marktcheck.at "Inhaltsstoffsuche". Sie enthält detaillierte Informationen zu allen in Östereich zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffen inklusive der Bewertung durch die marktcheck.at ExpertInnen.

Problematische Auswirkungen

Auch wenn manche Zusatzstoffe aus natürlichen Rohstoffe gewonnen werden, bedeutet das nicht automatisch, dass diese auch völlig unbedenklich sind. Bei Schokoladeneis-Produkten sind dem markcheck.at Team folgende (mit "Orange" (Kritisch) bewertete) Zusatzstoffe aufgefallen:

  • E 407 Carrageen ist ein Gelier- und Verdickungsmittel und wird aus Rotalgen hergestellt. E 407 kann allergieähnliche Reaktionen auslösen. Im Tierversuch wurden eine Beeinflussung des Immunsystems, Entzündungen und Geschwürbildung im Darm festgestellt. E 407 ist für Säuglingsnahrung nicht zugelassen. 
  • E 412 Guarkernmehl ist ein Verdickungs- und Geliermittel und verhindert u. A. das Auskristallisieren. Es wird aus Samen der Guarpflanze hergestellt. E 412 steht im Verdacht, allergische Reaktionen auszulösen, die Verdauung zu beeinträchtigen und in größeren Mengen zu Blähungen und Bauchkrämpfen zu führen. E 412 ist von der FDA (US Food and Drug Administrarion) seit 1990 in "over-the-counter" Schlankheitsmitteln wegen diversen Gesundheitsproblemen verboten.
  • E 476 Polyglycerin-Polyricinoleat ist ein Verdickungsmittel. Im Tierversuch gab es bei größeren Mengen Nieren- und Lebervergrößerungen, endgültige Untersuchungen stehen noch aus. Die erlaubte tägliche Höchstmenge kann beim Genuss von Schokolade leicht erreicht und bei Kindern leicht überschritten werden.

Nur fünf Produkte, die zum Beginn des Rankings zu finden sind, enthalten ausschließlich unbedenkliche Inhaltsstoffe. Der Rest wurde „Kritisch“ bewertet, weil sie zumindest einen Zusatzstoff mit kritischer Bewertung enthalten.

Palmöl aus Urwaldabholzung

Immer öfter wird in verarbeiteten Lebensmitteln dieses pflanzliche Fett eingesetzt. Es ist in großen Mengen verfügbar, leicht zu verarbeiten und offensichtlich (zu) billig. Hauptanbaugebiete von Palmöl sind Indonesien und Malaysia. Um Palmöl-Plantagen anzulegen, werden großflächig Urwälder gerodet. Die Folgen für Klima, Mensch und Tierwelt sind verheerend: Mit der Zerstörung der Urwälder wird nicht nur die Lebensgrundlage der ohnedies bereits vom Aussterben bedrohten Orang-Utans zerstört. Auch für uns Menschen wird es ungemütlich, wenn durch Brandrodung der CO2-Speicher Urwald zerstört und dadurch die Klimaerwärmung weiter vorangetrieben wird.

Keine Deklaration notwendig 

Die Nahrungsmittelproduzenten sind nicht verpflichtet, auf der Verpackung zu deklarieren, welches Fett sie einsetzen. Zumeist wird bei den Zutaten nur "Pflanzenöl" oder "pflanzliches Fett" deklariert. Bei der Schokoladeneis-Untersuchung ist dies bei 7 von 18 Produkten der Fall.

Gentech-Tierfutter

Die meisten Eishersteller setzen bei Eis auf tierische Zutaten wie Milch und Obers. Aufgrund einer Lücke in der Kennzeichnung von Produkten mit tierischen Inhaltsstoffen sind Lebensmittelhersteller jedoch nicht dazu verpflichtet, auf den Produkten zu vermerken, ob die Tiere gentechnisch verändertes Futter erhalten haben.

Bei konventionellen Produkten werden bei der Fütterung der Milchkühe im EU-Raum zu 80% gentechnisch verändertes Soja eingesetzt.  Massiv verbessert hat sich die Situation in den letzten Jahren in der österreichischen Mich- und Geflügelwirtschaft, deren Erzeugnisse sind fast gentechnikfrei.

Daher erhält das Spar Premium Edition Produkt mit österreichischer Heumilch eine gute Bewertung bei Gentechnik. Auszuschließen ist der Einsatz von Gentechnik bei den sechs Bio-Produkten, da in der Bio-Landwirtschaft Gentech-Tierfutter streng verboten ist sowie beim rein pflanzlichen Eis.

Unklare Herkunft

Bei den Transportkilometern wird bewertet, ob im Vergleich zu ähnlichen Produkten ein unverhältnismäßiger Transportaufwand für die Herbeischaffung dieses Produktes und/oder seiner Hauptinhaltsstoffe erforderlich war. Schokolade und Zutaten wie Kakao, die in Österreich gar nicht hergestellt werden können, werden also nicht automatisch schlechter bewertet als heimische Zutaten wie Milch. Gibt jedoch ein Hersteller gar keine Auskunft, wo sein Produkt hergestellt wurde und wo die Zutaten herkommen, so werden die Produkte bei "Transport" abgewertet werden.

Verpackung

Bei der Verpackung sind Becher aus erneuerbaren Rohstoffen wie Papier den Kunststoffbehältern vorzuziehen.

Tierschutz

Problematische Tierhaltung

Viele Kühe werden in Massen gehalten

Die Realität in der Tierhaltung sieht leider sehr schlecht aus: Konventionelle Milch stammen vorwiegend aus industrieller Massentierhaltung, wo die Tiere nur mehr als Produktionsmaschinen gesehen werden. Bio-Produkte haben höhere und kontrollierte Standards in der Tierhaltung und sind demzufolge auch beim Tierschutz mit „Gut“ bewertet worden. Es wäre wünschenswert, wenn es auch bei konventionellen milchhältigen Produkten vergleichbare höhere Tierschutz-Standards gibt wie beispielsweise bei den Freilandeiern.

Soziale Aspekte

Unfaire Schokolade

Bei vielen Produkten müssen immer noch Kinder die Kakaobohnen vorwiegend in Westafrika (70 Prozent der weltweit angebauten Bohnen) eingesetzt. Die Kinder schuften dort unter menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und werden wie Sklaven gehalten. Beim Schokoladeneis ist nur in zwei Produkten fair produzierte Schokolade drinnen: Ben & Jerry’s und die Spar Premium Edition Johanna Maier. Letzteres enthält die faire Bio-Schokolade von Zotter.

Wer mit gutem Gewissen Schokolade genießen möchte, kann im Weltladen Schokolade kaufen oder zu Produkten mit entsprechenden Gütesiegeln greifen. Es gibt auch andere Siegel am Markt, die gewisse Bemühungen der Hersteller um menschenwürdige Produktionsbedingungen. An die Standards von Fairtrade reicht diese Zertifikate allerdings nicht heran.

EU Bio-Siegel

Bio ist besser

Bio ist besser für Mensch, Tier und Umwelt. Erkennbar sind die Produkte an den Bio-Gütesiegeln, die von unabhängigen Kontrollinstituten vergeben werden. Mittlerweile ist die Anzahl der Bio-Siegel fast unüberschaubar; nicht alle erfüllen die gleich hohen Kriterien. Detailinfos zu den einzelnen Siegeln bietet die marktcheck.at-Datenbank mit der "Gütesiegelsuche".

Seit 2010 tragen alle Bio-Produkte das grüne EU Bio-Siegel mit den weißen Sternen im Blattmotiv. Weitere Bio-Gütesiegel - zB. von Verbänden und Eigenmarkten von Supermärkten - sind zusätzlich auf der Packung aufgedruckt.

Bio heißt nicht fair

Die sechs Bio-Produkte im Check konnten sich aufgrund ihrer guten Bewertung bei Ökologie und Tierschutz die vorderen Plätze sichern. Leider haben auch die Bio-Produkte in der Untersuchung keinen Hinweis, geschweige denn ein Prüfsiegel, die belegen, dass die Schokolade aus fairer Produktion stammt.

Faires Bio-Eis im Eissalon

Der Eis-Greissler (Link zur Website) ist ein Bio-Eisgeschäft in der Rotenturmstraße 14 in Wien, das FAIRTRADE-zertifiziertes Bio-Schokoladeneis anbietet. Solltest du weitere Eissalons kennen, die faires Bio-Eis anbieten, dann sende uns bitte ein E-Mail an info(at)marktcheck.at.

Tipps für KonsumentInnen

  • Wer Eis mit Schokoladengeschmack mit gutem Gewissen schlemmen möchte, sollte entweder den Eis-Greissler in der Wiener Innenstadt aufsuchen (Adresse s. oben) oder sich an den Eissalon seines Vertrauens wenden und vor Ort fragen, ob Bio-Zutaten aus fairer Produktion eingesetzt werden.
  • Variante für "Schokoholics": Bio-Eis mit Vanille-Geschmack mit selbstgemachten Schokoladenraspeln verfeinern. Für die Schokoladenraspeln Bio-Schokolade mit FAIRTRADE-Gütesiegel (mittlerweile in vielen Supermärkten erhältlich) kurz in den Tiefkühler legen und mit der Handreibe oder einem scharfen Messer zerkleinern. Variante: Vor dem Tiefkühlen in kleine Stücke brechen und danach mit einem mechanischen Gerät (das auch zum Nüsse hacken verwendet wird) zerkleinern.
  • Kontaktiere den Hersteller deines Lieblingseisproduktes und fordere ihn dazu auf, sein Produkt mit Zutaten aus ökologischer, tiergerechter und fairer Produktion herzustellen.

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