Stein aus Kinderarbeit

Kindersklaven in indischen Steinbrüchen

Infoseite - 23 Jänner, 2013
211 Millionen Kinder unter 15 Jahren arbeiten, 186 Millionen dieser Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen. Diese Zahlen nennt die Internationale Arbeitsorganisation in Genf (International Labour Organisation - ILO) in ihrem Bericht "Jedes Kind zählt" im Jahr 2002.

Ausbeuterische Kinderarbeit

Die ILO unterscheidet zwischen verschiedenen Formen der Arbeit: Zwischen leichter und geeigneter Arbeit auf der einen und ausbeuterischer Kinderarbeit auf der anderen Seite. Ausbeuterische Kinderarbeit sind alle Formen von Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft und Sklaverei, Missbrauch von Kindern zum Beispiel bei der Prostitution, Pornografie, beim Drogenhandel und alle anderen Arbeiten, die Gesundheit, Sicherheit oder Moral von Kindern gefährden. Ausbeuterische Kinderarbeit ist international verboten. 160 Staaten haben die neue Konvention der ILO Nr. 182 gegen die schlimmsten Formen der Kinderarbeit ratifiziert. 100 Millionen KinderarbeiterInnen gibt es allein in Indien.

Kinderarbeit gehört in Indien zum Alltag

Obwohl in Indien sowohl Kinderarbeit als auch Schuldknechtschaft nach internationalem und indischem Recht verboten sind, trifft man in indischen Steinbrüchen beides an. Leider sind Gesetze in Indien oft das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben sind. Wie sollten auch Analphabeten auf dem Lande in Indien wissen, was eine Demokratie oder was ein Gesetz ist, wenn sie nicht einmal wissen, dass die Erde rund ist?

Geringe Lebenserwartung

"Ohrenbetäubender Lärm hallt von den Felswänden, der Staub macht das Atmen zur Qual, verklebt die Augen, verstopft die Lungen. Die sengende Hitze im Steinbruch ist kaum auszuhalten. Wer hier arbeitet, leistet Schwerstarbeit. In Lumpen gekleidet, barfuss und ohne Mundschutz bearbeiten auch Kinder die Steine. Es braucht die Kraft von mehreren, um den 45 Kilo schweren Presslufthammer halten und tiefe Löcher ins Gestein bohren zu können. Dann sprengen sie riesige Granitblöcke aus dem Fels. Kinder die den ganzen Tag diesem Lärm, diesem Staub und diesem Durchgeschüttelt werden ausgesetzt sind, haben eine Lebenserwartung von 35 bis 38 Jahren," erinnert sich Kinderarbeitsexperte und XertifiX-Geschäftsführer Benjamin Pütter an einen Besuch in einem indischen Steinbruch im Jahre 2003.

Die Schuldenknechtschaft

Immerhin, in Exportsteinbrüchen verdienen die Kinder häufig umgerechnet bis zu 80 Cent pro Tag. In manch anderem Steinbruch, besonders in denen, die für den indischen Markt produzieren, bekommen sie häufig gar nichts. Ihre Eltern haben sich Geld vom Besitzer geliehen - zu hohen Zinssätzen oder aber der Geldverleiher hat einfach auf dem Schuldschein ein oder zwei Nullen hinzugefügt und die weder lesen noch schreiben könnenden Schuldner unterzeichnen mit ihrem Daumenabdruck die Summe von 1.000.000 statt der erhaltenen 10.000 Rupien. Die Schulden steigen immer weiter, der Lohn der gesamten Familie wird niemals reichen, um sie abzubezahlen. So funktioniert Schuldknechtschaft. Eine Form der modernen Sklaverei.

Hohe Dunkelziffern

Wieviele Kinder in den Exportsteinbrüchen arbeiten, weiß niemand. Es gibt weltweit keinerlei Statistiken oder Untersuchungen darüber - höchste Zeit, dass z.B. die ILO endlich mal eine derartige Studie in Auftrag gibt. Immerhin wurden in allen von Benjamin Pütter ohne Anmeldung besuchten Exportsteinbrüchen Kinder gefunden - in keinem aber, wenn er sich vorher angemeldet hatte oder man wusste, dass er kommen würde. In den von ihm unangekündigt besuchten Exportsteinbrüchen schwankte die Anzahl der KinderarbeiterInnen zwischen 30 und 66 Prozent, der Verband der indischen Steinexporteure spricht von 5 bis 10% verbotener Kinderarbeit. Egal welche Zahl man nimmt - ein nicht hinnehmbarer Skandal!

Quelle: XertifiX

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