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Fukushima-Opfer kämpfen gegen das Vergessen

Das Leben nach der Katastrophe

Newsartikel - 11 März, 2014
Fukushima – 3 Jahre danach. Wir haben mit Opfern der Atomkatastrophe gesprochen. Sie klagen, die japanische Regierung versuche alles, um vorzugaukeln die Katastrophe sei unter Kontrolle und man könne wieder ein normales Leben führen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die erschütternden Schicksale zeigen, die Menschen werden mit ihren Problemen allein gelassen.

 

Durch die Evakuierung der Präfektur Fukushima wurden mehr als 150.000 Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. In einigen Teilen der Region wurden die Bewohner jedoch erst Wochen nach der Katastrophe über die Evakuierung informiert und waren so der Strahlung über einen langen Zeitraum hinweg direkt ausgesetzt.

Bis heute tut die Regierung so, als wäre die Krise vorbei. Es wird bewusst falsch informiert und den Opfern erzählt, dass sie irgendwann in ihre Häuser zurückkehren können. Das Kalkül dahinter ist klar: So müssen Kompensationszahlungen nicht bereitgestellt werden.

Mit einer Dokumentationsreise möchten wir der Weltöffentlichkeit die Wahrheit über Fukushima zeigen. Die Menschen in der Region leiden heute stärker denn je unter den Folgen der Atomkatastrophe und ihr Schicksal wird von der japanischen Regierung ignoriert.

Kenichi Hasegawa - Milchbauer

Kenichi Hasegawa wurde von Professoren gesagt, nur wenn man sich Sorgen mache, bekomme man Strahlenschäden.

Herr Kenichi Hasegawa. Er war früher Milchbauer in Iitate. Er hatte 50 Kühe und lebte gemeinsam mit vier Generationen in seinem großen Haus. Als die radioaktive Wolke kam, musste er seine gesamte Milch wegschütten. Als er evakuiert wurde, musste er alle seine Kühe schlachten. Seine Familie ist jetzt zerrissen. Seine Söhne mit ihren Kindern leben in anderen Städten.

Sein Land ist zerstört, er ist ein Bauer und kann nicht ernten. Er ist wütend. Bevor er evakuiert wurde sendete die Regierung “Propaganda Professoren”, um die Bevölkerung zu beschwichtigen. Z.B. Prof. Yamashita von der Nagasaki Universität, er hielt Vorträge über Strahlung und sagte, man soll lächeln und kann sein Leben weiter leben wie bisher. Nur wenn man sich Sorgen macht, bekommt man Strahlenschäden. Herr Hasegawa ist wütend, wenn er daran denkt.

 

Katsutaka Idogawa - ehem. Bürgermeister

Katsutaka Idogawa wurde versichert, die Atomanlage sei sicher.

Herr Katsutaka Idogawa. Er ist ehemaliger Bürgermeister von Futaba, in seiner Gemeinde liegt das havarierte Atomkraftwerk Fukushima. Immer wurde versichert, die Atomanlage sei sicher. Er hat das geglaubt und sich keine Gedanken gemacht. Heute sagt er, wir hätten aus Tschernobyl lernen sollen, wir dachten aber, dass ist ein anderes Kraftwerk. Ein solches Schicksal kann uns nicht treffen. Als Futaba evakuiert werden musste, wollte er, dass das komplette Dorf evakuiert wird, damit die Leute zusammen bleiben können. Das war jedoch nicht möglich.

 

Hiroshi Kanno - Gemüsebauer

Hiroshi Kanno, Gemüsebauer, hat keine wirkliche Hoffnung auf eine Rückkehr.

Herr Hiroshi Kanno, ein Gemüsebauer aus Itate. Auch er musste sein Land verlassen. Er hat seinen Boden immer sehr gepflegt, jetzt hat er seine Wurzeln verloren und lebt jetzt im Ungewissen. Er weiß nicht, ob er je zurückkehren wird. Jetzt ist er 66 Jahre alt, echte Hoffnung auf eine Rückkehr hat er nicht.

 

Tatsuko Okawara - Biobäuerin

Tatsuko Okawara hat neu angefangen mit einem Bioladen, der übersetzt “Hoffnung” heißt.

Frau Tatsuko Okawara ist eine Biobäuerin und lebt jetzt in Tamura. Sie besitzt ein Stück Land, das kaum radioaktiv belastet wurde. Sie hat neu angefangen mit einem Bioladen, der übersetzt “Hoffnung” heißt. Sie sagt, selbst wenn es so aussieht, als sei alles wieder in Ordnung, dann ist das nur die Oberfläche. Jeder hier leidet, sagt sie. Neben dem Bioladen unterhält sie auch ein Puppenspiel. Sie spielt die glückliche Zeit vor der Katastrophe und dann die Zeit danach. Sie benutzt Puppen mit weißem Haar, die sich Jahrzehnte später nach einem Leben ohne verstrahlten Boden sehnen.

 

Minako Sugano - Erzieherin

Minako Sugano muss sich mit ihren drei Kindern, ohne finanzielle Unterstützung, ein neues Leben aufbauen.

Frau Minako Sugano, eine Mutter von drei Kindern und Erzieherin. Als die Familie erfahren hat, dass ihr Haus zur Evakuierung empfohlen wird, sind sie gleich weggefahren. Das war eine sehr schwere Entscheidung für sie, die Kinder wollten nicht weg und haben geschrien. Ende 2012 haben sie erfahren, dass der Evakuierungsstatus wieder aufgehoben wurde. Das bedeutet, keine weitere finanzielle Unterstützung. Doch Kontrollmessungen in ihrem Garten ergaben, dass die Dekontaminierung nicht erfolgreich war. Teile des Gartens sind so stark belastet, dass sie als Atommüll gelten können.

Eine Rückkehr mit ihren kleinen Kindern kommt für die Mutter nicht in Frage. Sie müssen sich eine neue Existenz aufbauen, ganz ohne Unterstützung. Sie klagt: „Der Regierung ist die Atomindustrie wichtiger. Sie will die Atomreaktoren wieder hochfahren. Da soll um jeden Preis der Eindruck erweckt werden, die Katastrophe ist vorbei.“

Bis heute leben etwa 100.000 Menschen in temporären Behausungen und wurden bisher nicht angemessen entschädigt. Wie eben bekannt wurde, sind nach einer erneuten Panne im havarierten Atomkraftwerk weitere etwa 100 Tonnen kontaminiertes Wasser ausgetreten. Die fortwährenden Zwischenfälle machen deutlich, dass weder die japanische Regierung noch die Betreiberfirma TEPCO die anhaltende Sicherheitskrise in den Griff bekommen kann.

Obwohl die Situation in Fukushima ständig die Risiken in Erinnerung ruft und nukleare Energie mit enormen Kosten verbunden ist, droht hier in Europa eine Renaissance der Atomkraft. Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer Strategie für die zukünftige Energieaufbringung bis 2030. Länder wie Großbritannien, Tschechien oder Ungarn setzen sich massiv für das Vorantreiben der Atomenergie für den zukünftigen Energiemix in der EU ein. Europa muss aber Lehren aus Fukushima ziehen und jetzt die Weichen für die Energiewende stellen.

Petition gegen AKW in Europa

In Europa bemühen sich Energieunternehmen derzeit um Laufzeitverlängerungen für nicht weniger als 46 alte Atomreaktoren. Die Alterung von Reaktoren ist in fast allen europäischen Ländern mit Atomenergie ein drängendes Problem.

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