Newsartikel - 6 April, 2012
Vor genau 15 Jahren, in der Woche von 7.-.14. 1997, unterschrieben 1,2 Millionen Menschen das Gentechnik-Volksbegehren – es wurde das bisher zweiterfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte Österreichs.
Greenpeace AktivistInnen begrüßten 1997 die erste Ladung nicht genetisch modifiziertes Soja.
Dieser Einsatz hat sich ausgezahlt: Das Volksbegehren legte den Grundstein dafür, dass Österreich heute als „Anti-Gentechnik-Land“ gilt, immer noch lehnen mehr als 75% der ÖsterreicherInnen Gentechnik im Essen strikt ab. Bis heute gibt es keinen Anbau von Gentech-Pflanzen in Österreich – allerdings fressen unsere Schweine und Mastrinder Gentech-Futtermittel. Österreich importiert jährlich ca. 450.000 Tonnen Gentech-Soja für Futtermittel über den Umweg der Futtertröge auch auf die Teller der Konsumentinnen und Konsumenten. Die Menschen in Österreich, die garantiert Gentechnik-freie Lebensmittel kaufen wollen, können entweder auf Bio-Lebensmittel, oder Lebensmittel mit dem grünen Zeichen "ohne Gentechnik" hergestellt zurückgreifen. Das AMA-Gütesiegel steht im Gegensatz dazu nicht für Gentechnikfreiheit.
Greenpeace Forderungen
Greenpeace Aktion 2001 gegen den Anbau von Gentechnik-Mais vor dem Sozialministerium durch Pioneer.
"Auch 15 Jahre nach dem erfolgreichen Volksbegehren lehnen die österreichichen KonsumentInnen Gentechnik weiterhin vehement ab", freut sich Greenpeace Gentechnik-Sprecherin Dagmar Urban. "Im Bereich der Futtermittel gibt es noch großen Handlungsbedarf – denn die ÖsterreicherInnen wollen auch kein Gentech-Schweinefleisch auf ihrem Teller. Greenpeace fordert die vollständige Umstellung auf 100% gentechnikfreie Futtermittel bis spätestens 2014. Auch die AMA muss den starken Wunsch der ÖsterreicherInnen endlich akzeptieren und Gentechnikfreiheit als Kriterium für das AMA-Gütesiegel aufnehmen", fordert Urban.
Die Bilanz der Forderungen von damals im Detail
Die Forderungen der 1,2 Millionen ÖsterreicherInnen waren eindeutig:
- Keine Freisetzung genmanipulierter Lebewesen in Österreich!
- Kein Essen aus dem Genlabor!
- Kein Patent auf Leben!
Greenpeace informiert im November 2004 KonsumentInnen über Gentechnik im Hühnerfleisch. Aktivisten in Hühnerkostümen protestieren gegen den Einsatz von Gentech-Soja im Tierfutter.
Zu hundert Prozent umgesetzt wurde das Verbot der Freisetzung genmanipulierter Lebewesen - bis heute wachsen in Österreich keine genmanipulierten Pflanzen, Gentech-Tiere spielen in ganz Europa (noch) keine Rolle. Dieser Erfolg war aber nach dem Volksbegehren alleine noch keineswegs gesichert: Der Saatgutkonzern Pioneer ignorierte das "Nein" der Bevölkerung und stellte noch im selben Jahr einen Antrag auf Anbau von Gentech-Mais. Nach spektakulären Greenpeace-Aktionen und dem Protest der Konsumenten zog Pioneer den Antrag zurück. Der Widerstand war so überzeugend, dass seitdem kein Konzern mehr eine solche Zulassung in Österreich beantragt hat.
Selbst für EU-weit zugelassene Gentech-Pflanzen hat Österreich nationale Anbauverbote erlassen. Auch gibt es heute keine als gentechnisch verändert gekennzeichneten Lebensmittel in den heimischen Supermarktregalen.
Protest vor der US-Botschaft in Wien 2008. Die US-Regierung wollte Strafzölle auf österreichische Produkte einheben, sollte Österreich seine Importverbote für die beiden gentechnisch veränderten Maissorten MON 810 und T25 nicht aufheben.
Der Kampf ist damit aber noch nicht gewonnen, denn es gibt einen Wermutstropfen - gentechnikfrei sind die Lebensmittel in Österreich dennoch nicht. Hunderttausende Tonnen Gentech-Soja werden als Tierfuttermittel importiert und landen über diesen Umweg auf unserem Teller - ohne erkennbar zu sein! Hier hat die EU-Kennzeichnungspflicht für Gentechnik eine Lücke: Denn während gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel gekennzeichnet sein muss, gilt dies nicht für tierische Produkte, bei deren Produktion gentechnisch veränderte Futtermittel eingesetzt wurden. Wenn also zum Beispiel ein Schwein mit Gentech-Soja gefüttert wird, muss das daraus produzierte Schweinsschnitzel nicht gekennzeichnet werden. Hier gilt es dranzubleiben, damit endlich alle Futtermittel gentechnikfrei werden und garantiert keine Gentechnik im Schnitzel landen kann!
2009: Protest vor dem Wiener Büro des Pharma-Konzerns BAYER. Dieser plante einen gentechnisch veränderten Reis mit dem Namen ‚LL62’ auf den Lebensmittelmarkt zu bringen.
Erste Fortschritte wurden schon geschafft - so stellte die gesamte österreichische Milchwirtschaft auf gentechnikfreie Fütterung um. Die meisten heimischen Eier- und Geflügelfleischproduzenten folgten dem Beispiel, auch im Schweinefleischbereich gibt es ein erstes Projekt, bei dem auf Gentechnikfreie Futtermittel gesetzt wird. Leider fressen aber immer noch die meisten österreichischen Schweine und Mastrinder Gentech-Futter. Garantiert gentechnikfrei sind weiters alle Bio-Produkte, sowie alle Lebensmittel mit dem grünen "gentechnikfrei erzeugt"-Kennzeichen.
Die dritten Forderung des Volksbegehrens nach einem Verbot für Patente auf Leben konnte bisher nicht durchgesetzt werden. Weiterhin versuchen große Konzerne Patentansprüche über die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung anzumelden. Bei diesem Thema werden in Zukunft kritische KonsumentInnen eine wichtige Rolle spielen, um eine Monopolisierung der Nahrungsproduktion zu verhindern.