TTIP: Ein Biss in den sauren Apfel?

Strenge EU-Regeln zu Pestizidrückständen gefährdet

Newsartikel - 20 März, 2014
Bei Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit gelten in den USA in vielen Bereichen niedrigere Standards als in der EU. Der geplante Handelspakt „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ (TTIP) könnte dieses geringe Niveau auch nach Europa bringen. Was abstrakt klingt, kann schnell Realität werden: beispielsweise bei unseren Äpfeln.

DPA in Europa

Am 2. März 2014 trat eine strenge EU-Ver­or­d­nung zum Pestizid­­rückstands­­gehalt von Diphenylamin (DPA) bei Äpfel und Birnen in Kraft, die durch TTIP schon bald wieder zurück­genommen werden könnte. DPA reduziert die Entwicklung gewöhnlicher Schalenbräune.

 

Der Einsatz von DPA ist in Europa aufgrund der möglichen Gefährdung für die Gesundheit verboten.

Der Einsatz von DPA ist in Europa, aufgrund der möglichen Gefährdung für die Gesundheit, verboten. Bei chronischer Belastung kann DPA Blut und Nieren schädigen. Als besonders gefährlich wird die Bildung von krebs­erregenden Metaboliten, so­ge­nannten Nitro­saminen, während der Lagerung von Äpfeln oder ihrer Verarbeitung gesehen. Dies betrifft dadurch auch verarbeitete Produkte. Unter­suchungen ergaben, dass Diphenylamin nach der Behandlung der Äpfel auch in ihr Fruchtfleisch eindringt.

Geringe Rückstände finden sich dennoch auch auf europäischen Äpfeln, da eine „Kreuzkontamination“ in der Lagerhaltung und
am Transportweg nicht völlig ausgeschlossen werden kann.

DPA in den USA

In den USA sind Rückstände von DPA, die um den Faktor 100 höher sind als in der EU, erlaubt. Diese unterschiedlichen Standards stellen für Produzenten und Händler, auf beiden Seiten des Atlantiks, Handelsbarrieren dar. Sie setzen sich deshalb im Rahmen der TTIP-Verhandlungen dafür ein, dass EU und USA gemeinsam „neue Ansätze der Risikobewertungen, die geringe Auswirkungen auf den Handel haben“ entwickeln, um die Rückstandshöchstgrenzen (MRL) von Pestiziden anzugleichen.

Die US-Apfelerzeuger konnten bereits neun einflussreiche US-Senatoren davon überzeugen, sich beim zuständigen TTIP-Handelsbeauftragen der USA für ihre Interessen einzusetzen. Die Senatoren klagen in einem Greenpeace vorliegenden Brief an Michael Froman, dass die unterschiedlichen regulatorischen Standards bei Pestiziden und Lebensmittelzusätzen den Export von Äpfeln und Birnen nach Europa behindern. Sie fordern von der US-Regierung, den Abbau dieser "technischen“ Handelshemmnisse im Rahmen der TTIP-Verhandlungen zur Priorität der US-Regierung zu erklären.

Vorsorge- versus Risikoprinzip

In der EU profitieren Bürger aktuell noch vom Vorsorgeprinzip.

EU und USA haben zwei sehr unterschiedliche Prinzipien im Umgang mit Risiken, die von chemischen Stoffen ausgehen können: In der EU herrscht das Vorsorgeprinzip. Das heißt, jedes Produkt muss im Vorhinein überprüft werden. Ein ungeprüftes Produkt kann nicht zum Konsumenten gelangen. Die USA handhaben dies genau umgekehrt, hier herrscht das Risikoprinzip: Ein Stoff ist grundsätzlich erlaubt und wird erst verboten, wenn seine Risiken bewiesen sind.

Österreich kann Veto einlegen

Österreich kann ein Veto bei der Abstimmung über TTIP einlegen und das Abkommen damit stoppen. Ein EU-Gutachten, das 15 Monate unter Verschluss gehalten wurde, macht deutlich: Jedes einzelne Parlament der mittlerweile 28 Mitgliedsstaaten muss dem fertigen Abkommen zwischen EU und USA zustimmen. Österreich kann den Geheimpakt also im Notfall auch im Alleingang aufhalten.

 

Freihandelsabkommen TTIP

Ein Einspruch Österreichs ist möglich. Fordern Sie von unseren politischen Vertretern, die Bedrohung für Umwelt- und Ver­braucher­schutz­standards zu stoppen.

Freihandelsabkommen TTIP
 

 

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