Ungarn und der Frieden, für den ich stehe

Ein Beitrag von Katalin Rodics, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace Ungarn

Newsartikel - 11 April, 2017
Die ungarische Regierung plant derzeit ein Gesetz, das Nichtregierungsorganisationen massiv schaden könnte: Organisationen, die mehr als 7,2 Millionen Forint (23.200 Euro) jährlich von ausländischen Geldgebern erhalten, sollen sich künftig bei Gericht registrieren lassen. Zudem soll bei allen Medienauftritten und Publikationen die Bezeichnung „auslandsunterstütze Organisation“ angeführt werden – diese diskriminierenden Methoden kannte man bis jetzt vor allem aus Russland und Israel. Katalin Rodics, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace Ungarn erklärt, wieso es jetzt so wichtig ist, die Stimme zu erheben.

Protest gegen neue Gesetze, die auf Hochschulen und NGOs abzielen

Im Winter 2017 erhielt ich einen Anruf von einer Kollegin. Sie erzählte mir von einer kleinen Gruppe von Leuten am Land, die weit weg von den chaotischen Straßen Budapests, Hilfe benötigten. Eine lutherische Organisation startete gerade ein Projekt, um Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt zu integrieren. Wir entschlossen uns, das Projekt zu unterstützen.

Und diese Entscheidung haben wir nicht bereut: Gemeinsam mit Greenpeace Ungarn plant die Gruppe jetzt einen zugänglichen ökologischen Garten im Budapester Stadtzentrum. Um Hilfe wurde ein Netzwerk an Biobäuerinnen und Biobauern in Ungarn angefragt, das wir über das ganze Land verteilt aufgebaut haben. Mit biologischen Pflanzen und Materialien werden sie dabei helfen, den Garten blühen zu lassen. Bald werden mehr als 100 Menschen mit Behinderung an diesem Projekt arbeiten, und zeigen, dass nachhaltige Landwirtschaft machbar ist.

Das ist das Ungarn, das ich liebe und auf das ich stolz bin – aufstrebend und integrierend. Ich wünsche mir, dass alle Kinder in einer Gesellschaft aufwachsen können, in der sie den Mut haben, für das einzutreten, an das sie glauben. Das ist das Ziel, das ich anstrebe. Jeden Tag kämpfen zivilgesellschaftliche Organisationen, egal ob groß oder klein, dafür, dass dieses Land sicherer, sauberer und zu einem ökonomisch pulsierenden Ort wird. Doch all das ist in Gefahr, wenn die jetzige Regierung ihren Kurs beibehält.

Ein neues Gesetz wurde erst kürzlich im ungarischen Parlament eingebracht. Dieses bedroht massiv die Arbeit von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), die sich für unsere Rechte und Umwelt einsetzen. Das Gesetz würde jede Gruppe, die eine bestimmte Finanzierungssumme von Personen außerhalb Ungarns erhält, als „ausländischen Agenten“ abstempeln und möglicherweise mit Geldwäschern oder sogar Terroristen in Verbindung bringen.

Protest gegen neue Gesetze, die auf Hochschulen und NGOs abzielen

Greenpeace ist eine Organisation, die bereit ist, Regierungen und Unternehmen herauszufordern, wenn diese unsere Umwelt verschmutzen – sei es die Luft, die Gewässer oder den Boden. Sich für relevante Dinge einzusetzen, ist bedeutend, wenn man in einer freien Gesellschaft lebt. Aber die ungarische Regierung signalisiert, dass sie bestimmte zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich für das Wohl von Mensch und Umwelt einsetzen, schwächen will.

Am vergangenen Wochenende haben sich 70.000 Menschen vor dem ungarischen Parlament versammelt, um für eine freie Gesellschaft und Meinungsfreiheit einzutreten. Mütter, Väter, Schwestern, Brüder, Studenten, Lehrer, Aktivisten - eine Gruppe aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten kam zusammen. Wir werden niemals aufhören unsere Universitäten, Organisationen und unsere freie Gesellschaft zu verteidigen. Gemeinsam stehen wir für eine grünere und friedlichere Welt.        

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