Skandalös hohe Palmöl-Anteile in Agrodiesel in Österreich

Agrosprit-Politik von Berlakovich für Verwendung von Treibstoffen aus Urwaldabholzung verantwortlich

Newsartikel - 10 September, 2013
Greenpeace hat Ende August bei sechs verschiedenen Tankstellen in Österreich Diesel-Proben genommen und diese auf den biogenen Anteil testen lassen. Die Ergebnisse sind skandalös: „Alle Testergebnisse weisen einen hohen Anteil an Palmöl auf, teilweise geht dieser bis zu 60 Prozent“, erklärt Markus Hammer, Kampagnenleiter von Greenpeace.

 

Im Vergleich zu Testergebnissen von 2008 habe sich der Palmöl-Anteil im Jahr 2013 von maximal fünf Prozent auf bis zu 60 Prozent vervielfacht. „Das Agrosprit-Debakel von Minister Niki Berlakovich erreicht einen tragischen Höhepunkt. Die von ihm beschlossene Erhöhung des Agrodieselanteils konnte offensichtlich nur mit dem Import von Palmöl aus Urwaldabholzung erreicht werden“, so Hammer weiter. Die Mineralölindustrie würde zur Fahrlässigkeit geradezu ermuntert werden. Es brauche klare Regeln, viel mehr Transparenz und eine Regelung, um die Abholzung des Urwaldes wegen Agrosprit zu verhindern.

Stand 2013 - Palmöl in 6 von 6 Stichproben, mit bis zu 60% Anteil

Greenpeace testete insgesamt sechs OMV-, Shell-, BP, Eni- und Jet-Tankstellen in Klagenfurt, Innsbruck und Wien. In Klagenfurt war der Palmölanteil am höchsten, bei Shell mit 60 Prozent. Bei der Jet-oder der OMV-Tankstelle in Innsbruck konnten 22 bzw. 20 Prozent Palmöl nachgewiesen werden. Der Anteil an Palmöl sei so hoch, dass das Argument der Verwendung von Altspeisefetten kaum noch in Frage komme, heißt es bei Greenpeace. Palmöl wird vor allem in Indonesien und Malaysia produziert. Dazu wird der Regenwald zur Schaffung von Ölpalmenplantagen gerodet, damit CO2 freigesetzt und der Lebensraum von Arten wie dem Orang-Utan oder dem Tiger zerstört.

Stand 2008 - Palmöl in 2 von 9 Stichproben

Ein höherer Agrosprit-Anteil, wie von der Agrarlobby verlangt und von Berlakovich unterstützt, sei klar abzulehnen. Es müssen die Umweltauswirkungen aus der Biosprit-Produktion in die Gesamtumweltbilanz miteingerechnet werden.

Greenpeace fordert

  1. Herkunftsnachweise: Klare Stellungnahmen der Mineralölkonzerne, welche Stoffe zu den Treibstoffen beigemengter "Biodiesel" in Österreich enthält und woher diese Stoffe kommen
  2. Ein Verbot der Beimischung von Palmöl
  3. Europaweite Deckelung des Agrosprit-Anteils und Einbeziehung von iLUC-Faktoren
  4. Die Berücksichtigung der Gesamtumweltbilanz für Agrosprit
  5. Strenge Kontrollen in der Verantwortung des Landwirtschaftsministeriums
  6. Eine entsprechende Positionierung der Bundesregierung im Europäischen Rat

Palmöl-Plantagen in Riau, Indonesien
© Kemal Jufri

 

Am 11.09.2013 stimmt das Europäische Parlament über die vom Umweltausschuss vorgeschlagene Deckelung des Agrosprit-Anteils in Europa und die verbindliche Einbeziehung von iLUC-Faktoren (indirekten Landnutzungsänderungen) ab. Indirekte Landnutzungsänderungen entstehen durch die Rodung von Regenwäldern zum Anbau von Ölpalmen. Der Anbau von Energiepflanzen verdrängt die Nahrungs- und Futtermittelproduktion.