Kolontar – 3 Jahre danach

Die Giftschlammlawine und ihre Langzeitfolgen

Newsartikel - 4 Oktober, 2013
Den 4. Oktober 2010 wird man in Kolontar noch lange in schlechter Erinnerung behalten. Der Damm des Schlammbeckens der Aluminiumoxidfabrik MAL war gebrochen. Die Dörfer Kolontar und Devecser wurden von einer zwei Meter hohen, Hunderte Meter breiten und hoch giftigen Schlammwalze überschwemmt. Zehn Menschen starben in der giftigen Flut. Tausende wurden obdachlos.

 

An einem Tag wurden zehn Millionen Quadratmeter Land vernichtet. Städte unter einer Giftschlammlawine begraben. Mit bloßen Händen versuchten Menschen damals ihr Hab und Gut aus dem Gift zu retten.

Greenpeace reiste vor 3 Jahren sofort in die betroffenen Orte und ließ in Wien eine 24-Stunden-Analye machen. Lange vor den ungarischen Behörden konnten wir deshalb die Bevölkerung vor Ort über die Gefahren des Rotschlamms informieren. Die Analayse ergab eine Zusammensetzung von 38 Giftstoffen, darunter auch besonders schädliche wie Arsen, Quecksilber, Kadmium, Antimon und Nickel.

3 Jahre danach werden nun die ersten Langzeitfolgen sichtbar.

Der Arsen- und Aluminiumanteil im Bachwasser ist immer noch extrem hoch. Dieses vergiftete Wasser gelangt über Umwege auch in die Donau. In der letzten Zeit konnte man gut beobachten, dass sich
nach stärkeren Regenfällen das Wasser im Fluss wieder rot färbt und schäumt.

Viele der Bäume beginnen jetzt erst zu sterben. Pflanzen, die auf den Feldern zwischen Kolontar und Devecser wachen, dürfen die nächsten 15 Jahre nur zu energetischer

Nutzung, also zum Heizen, verwendet werden. Die Einwohner der beiden Dörfer leben aber teilweise in ärmlichen Verhältnissen. Es wäre denkbar, dass sich nicht alle an diese Vorgabe halten.

Die Katastrophe wird weiterhin tot geschwiegen, mit dem Ziel sie zu vergessen. Die Bewohner stehen unter Druck, keiner traut sich etwas zu sagen. Die MAL AG, das für die Katastrophe verantwortliche Unternehmen, hat bis heute keine Stellungnahme zu den Ereignissen abgegeben, geschweige denn Entschädigungen an die Menschen gezahlt. Das Unternehmen mittlerweile bankrott. Der Staat hat den Betrieb übernommen.

Das Leben in Kolontar und Devecser ist weiterhin vergiftet, viele Menschen hier sind krank. Das Unglück ist noch nicht überstanden!

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