„Wäre hier Öl, Shell und Gazprom würden bohren“

Greenpeace-Protest vor dem Parlament in Wien

Newsartikel - 5 August, 2013
Greenpeace-AktivistInnen erklettern die Fahnenmasten vor dem österreichischen Parlament, um mit einem 32 Quadratmeter großen Banner auf die drohenden Ölbohrungen in der Arktis aufmerksam zu machen.

 

Sinnbildlich steht diese Protestaktion für das skrupellose Agieren der Ölkonzerne gegenüber Mensch, Tier und Natur. Gazprom, Shell und Co. wollen in das sensible Ökosystem der Arktis vordringen, um unter riskanten Bedingungen Öl zu fördern. Das durch den Klimawandel abschmelzende Packeis begünstigt die Pläne des Ölkonzerns Gazprom bereits heuer in arktischen Gewässern mit den gefährlichen Bohrungen zu beginnen. Greenpeace protestiert weltweit gegen die Gefährdungen eines der letzten unberührten Ökosystems und fordert die Errichtung eines UN-Schutzgebietes rund um den Nordpol, in dem Ölbohrungen und industrielle Fischerei verboten sein sollen.

Fatale Folgen

„Ein Ölunglück in einem derart sensiblen Ökosystem wie der Arktis wäre noch weitaus katastrophaler, als bisherige Ölunfälle. Es gibt keine wirksame Methode, um eisbedecktes Wasser von Öl zu befreien. Schon ein Unfall geringen Ausmaßes würde das sensible Ökosystem jahrzehntelang beeinträchtigen. Mit den geplanten Ölbohrungen setzen Ölkonzerne für ihren Umsatz den Lebensraum von Mensch, Tier- und Pflanzenwelt aufs Spiel“, so der Arktis-Sprecher von Greenpeace Lukas Meus und erklärt die Symbolik der Greenpeace-Protestaktion: „Wir möchten das skrupellose Vorgehen internationaler Ölkonzerne aufzeigen, das nahe legt, dass wenn es hier unter der Wiener Innenstadt Ölvorkommen gäbe, Gazprom, Shell und Co. wohl bereits Probebohrungen planen würden.“

Vergleichsweise geringes Ölvorkommen

Experten vermuten etwa 90 Milliarden Barrel (ein Barrel=159 Liter) Öl in der Arktis, das meiste davon unter dem Meeresboden. Diese Menge würde gerade einmal reichen, um den derzeitigen Weltverbrauch für etwa drei Jahre zu decken. Das Risiko ist ungleich größer als der Nutzen. Kommt es in den arktischen Gewässern zu einem größeren Ölunfall, ist eine langfristige ökologische Katastrophe unausweichlich. Auf und unter dem Eis kann das Öl nicht entfernt werden. Bei tiefen Temperaturen dauert der Zersetzungsprozess des Öls Jahrzehnte. Tiere und Pflanzen aus der Region werden dauerhaft geschädigt. Bisher gibt es seitens der Ölkonzerne weder einen wirkungsvollen Plan für das Verhalten bei Unfällen, noch genügend Rettungsschiffe oder ausreichend gutes Equipment für Aufräumungsarbeiten. Stationen, von denen aus Hilfsaktionen gestartet werden könnten, sind hunderte Kilometer entfernt, die Wetterbedingungen unvorhersehbar.

„Die Geschichte von weltweiten Ölunfällen und deren Konsequenzen spricht für sich. Auch wenn Ölkonzerne öffentlich behaupten, vorbereitet zu sein, so zeichnet die Realität ein anderes Bild: Die jüngsten Havarien von zwei Shell-Bohrschiffen im vergangenen Jahr in der US-amerikanischen Arktis haben gezeigt, dass Ölkonzerne aufgrund extremer Wetterbedingungen in der Region nicht sicher arbeiten können“, so Meus, der in der kommenden Woche mit Greenpeace-AktivistInnen und einem lebensgroßen Film-Eisbären in österreichischen Landeshauptstädten unterwegs sein wird. Bei den Stopps in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck werden Unterschriften für die Arktis-Petition und Botschaften an Gazprom gesammelt.

Werden wir gemeinsam aktiv

„Wir dürfen das Schicksal dieses einzigartigen Ökosystems am Nordpol nicht einer Handvoll Regierungen und Ölkonzerne überlassen. Gemeinsam können wir als weltweite Bewegung die geplanten Ölbohrungen stoppen“, appelliert Meus abschließend. Unter www.schuetztdiearktis.at kann weiterhin jede/r ihre/seine Stimme abgeben - oder etwa auch bei der "Wäre hier Öl ..."-Fotoaktion mitmachen, und seine eigene Version vom Banner kreativ in Szene setzen.

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