Historischer Klimadeal beschlossen

Eine persönliche Einschätzung und Reflexion

Newsartikel - 13 Dezember, 2015
Als der Zug aus dem Pariser Gare du L’est Bahnhof in Richtung Wien, via Frankfurt, rollt ergreift mich ein Gefühl der Nostalgie. Zweieinhalb Wochen lang habe ich mich 18 Stunden am Tag mit nichts anderem als der Klimakonferenz beschäftigt. Ich war im Mittelpunkt des Geschehens eines weltpolitischen Ereignisses und der Rest der Welt war für diese kurze Zeit wie von der Landkarte verschwunden. In Paris habe ich wunderbare Freundschaften geschlossen mit Greenpeace Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt: Sarah aus Frankreich, Pedro aus Brasilien, Christine und Martin aus Deutschland, Jens aus Dänemark, Klara aus Tschechien, Li Shuo aus China, Naomi aus den USA, Joeri aus Belgien, Joanna aus Großbritannien oder Kumi aus Südafrika. Ein ganz tolles Team, das großartige Arbeit leistet. Nicht nur war die Greenpeace Delegation vor Ort konstant mit vielen nationalen Delegationen in Kontakt – Greenpeace hat die Medienwelt und die Welt der sozialen Medien aus Sicht der NGOs dominiert und die Botschaft, dass die fossile Ära endet und mit 100% Erneuerbarer Energie ersetzt wird, nicht nur verbreitet, sondern auch in den Mainstream überführt.

Adam Pawloff

Greenpeace-Klimaexperte

Das so genannte Paris Agreement ist wahrlich ein historisches Abkommen. Der Deal ist nicht perfekt, aber Perfektion kann es in einer Welt von massiv divergierenden Interessen nicht – oder nur sehr schwer – geben. Da sitzt Saudi Arabien – ein Land, dass vom Verkauf seines Erdöls lebt – mit den Philippinen an einem Tisch, ein Land, dass wie kaum ein zweites die Auswirkungen des Klimawandels in Form von immer häufiger und heftiger auftretenden Extremwetterereignissen, wie Taifunen, zu spüren bekommt. Länder wie die USA oder China sind die derzeit weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen. Die einen haben Angst davor ihre Vorherrschaft – die auf ein System der fossilen Energie basiert – zu verlieren, die anderen wollen ihr Aufstreben zur Welt(wirtschafts)macht nicht gefährden. Das es auch auf Basis erneuerbarer Energie geht ist beiden inzwischen auch klar – nur der Umstieg braucht Zeit und kostet Geld. Tuvalu droht schlicht und ergreifend der Untergang. Diese 5 Beschriebenen, stehen beispielhaft für die 196 Staaten die an einem Tisch sitzen, auf einen gemeinsamen Nenner kommen müssen und verschiedener nicht sein könnten. Vor 23 Jahren wurde die Klimarahmenkonvention in Brasilien gegründet. Gestern wurde der erste global verbindliche Deal in diesem Rahmen verabschiedet. Über die historische Natur dieses Abkommens werden wir nicht streiten.

Wie ist das Abkommen zu bewerten?
Müsste ich eine Schulnote vergeben wäre es ein Befriedigend. Die Klimafinanzierung, von 100 Mrd. US Dollar pro Jahr, wurde für den Zeitraum 2020-2025 beschlossen. Das Thema Loss and Damage, dass die Auswirkungen des Klimawandels behandelt, wurde als eigener Artikel im Vertrag verankert und bekommt damit die gleiche Wichtigkeit wie Klimaschutz oder Anpassung an den Klimawandel zugemessen. Ebenfalls wurde beschlossen, dass die Staaten alle 5 Jahre einen Plan zur Reduktion der Emissionen abgeben müssen. Auch das Ziel die Erderwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf weit unter 2-Grad, nach Möglichkeit unter 1,5-Grad, zu beschränken, wurde festgehalten.

Das waren die guten Nachrichten. Die Schlechten? Die Übersetzung des 2- bzw. 1,5-Grad Ziels in konkrete Handlungen ist unzureichend. Das langfristige Ziel des Abkommens – an dem sich die kurz- und mittelfristigen Ziele orientieren – ist die Erreichung eines Gleichgewichts zwischen Quellen von Treibhausgasemissionen (wie Viehhaltung) und Senken (also Puffer, die Emissionen speichern, wie etwa Wälder) in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Also defacto Null Emissionen zu emittieren. Das wäre allerdings zu spät. In unserer Presseerklärung von gestern habe ich folgenden Vergleich gezogen: „Es wäre als ob man sich jetzt dazu entscheidet die Stromkosten zu senken, aber erst in einem Jahr das brennende Licht in der Wohnung abdreht.“ Ein weiteres Problem ist, dass die aktuell abgegebenen Klimaschutzverpflichtungen der Staaten gemeinsam zwar die globale Erwärmung gegenüber den sogenannten „business as usual“-Prognosen (weitermachen wie bisher) langsamer anwachsen lassen würden, die Welt aber trotzdem auf etwa 2,7-Grad Erwärmung käme. Ein wesentliches Ziel von Greenpeace war es, in dem Vertrag einen Mechanismus zu etablieren, mit dem die Verpflichtungen evaluiert und nachgeschärft werden. Im Abkommen ist nur von Evaluierung die Rede – also keine Verpflichtung die Ambition zu erhöhen.

Dennoch sind wir insgesamt zufrieden, dass überhaupt ein Abkommen erreicht wurde. Die Welt hat ein Signal an die Wirtschaft geschickt: Das Ende der Ära der fossilen Energie wurde eingeleitet. Jetzt geht es darum auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene die Energiewende umzusetzen. Und zwar noch schneller als es das Paris Agreement vorsehen würde.

 

 

Energie-Wende Österreich

Die Zeit der Ausreden, des Ausweichens und des Aussitzens ist vorbei: Wir schließen uns jetzt in der Bewegung „Energie-Wende Österreich“ zusammen und sorgen gemeinsam dafür, dass die Energie-Wende durchgeführt wird: Unterzeichnen Sie jetzt für 100 % saubere Energie!

 

 

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