Newsartikel - 10 Mai, 2012
Eine im Auftrag von Greenpeace verfasste Kurzstudie beschäftigt sich mit der Frage, wie viel Spritkosten sich durchschnittliche Autofahrer sparen können, wenn die EU der Autoindustrie effizientere Fahrzeuge vorschreibt.
Abhängig von der Ölpreisentwicklung und politischen Ambitionen kann die Einsparung bereits 2015 mindestens 100 Euro im Jahr betragen und bis 2030 auf 1.349 Euro ansteigen. "Durchschnittliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können ein ganzes Monatsgehalt einsparen, wenn die EU die Autoindustrie zu 2-Liter-Autos verpflichtet", erklärt Greenpeace-Energiesprecher Jurrien Westerhof.
Die Autoindustrie wehrt sich vehement gegen diese ambitionierten Vorschriften, denn die PKW-Hersteller verdienen mit großen, schweren Spritfressern mehr Geld als mit sparsameren Fahrzeugen. Folglich verkaufen sie lieber einen SUV (Sport Utility Vehicle) als ein 3-Liter-Auto. Dabei ist Letzteres mittlerweile technisch umsetzbar und auch 2-Liter-Autos rücken allmählich in erreichbare Nähe. Europas führender Autohersteller, Volkswagen, lobbyiert intensiv gegen strengere Effizienznormen. Für eine rasche weitere Entwicklung von sparsamen Fahrzeugen ist eine ambitionierte Politik notwendig, die klare Effizienz-Ziele vorschreibt. "Zu lange hat die Autoindustrie ihre Entwicklungsabteilungen beispielsweise mit elektrisch verstellbaren Rücksitz-Armlehnen beschäftigt. Jetzt ist es ernsthaft an der Zeit, dass die Ingenieure mal wieder zeigen, was sie wirklich können", so Westerhof.
Druck auf Autohersteller erhöhen
Vergleich der Treibstoffkosten für ein durchschnittliches Auto pro Jahr abhängig von den CO2-Emissionen pro Kilometer.
Die EU hat 2008 Effizienznormen für PKW festgelegt, die vorschreiben, wie hoch die CO2-Emissionen in Gramm pro Kilometer sein dürfen. 2015 sind im Schnitt nur noch 130 g/km zulässig (ca. 5 l/100 km). Für 2020 hat die EU zwar ein Ziel von 95 Gramm pro Kilometer festgehalten, aber bisher wurde nicht entschieden, wie man gewährleisten möchte, dass dieses Ziel auch tatsächlich erreicht wird. Die Gefahr ist akut, dass damit der Druck auf die Autohersteller, sparsamere Fahrzeuge zu entwickeln, ins Stocken gerät. Greenpeace fordert daher von der EU-Kommission, strengere Ziele für 2020 und 2025 zu beschließen, inklusive Maßnahmen wie diese Ziele erreicht werden sollen.
Die aktuelle Greenpeace-Studie zeigt, wie sich bei unterschiedlichen Politikszenarien und Ölpreisen die jährlichen Treibstoffkosten für ein Durchschnittsauto entwickeln. Im ungünstigsten Fall, wenn über 2015 hinaus keine neuen Ziele gesetzt werden, beträgt die Ersparnis in Österreich im Schnitt nur 100 Euro im Jahr gegenüber 2010. Im besten Fall – bei einem ambitionierten Ziel von 60 g CO2 pro km, in etwa einem 2-Liter-Auto entsprechend – spart sich der Besitzer eines neuen Autos im Jahr 2030 beeindruckende 1.349 Euro Treibstoffkosten im Jahr. Das entspricht derzeit einem durchschnittlichen österreichischen Netto-Monatsgehalt. "Die Autoindustrie könnte längst viel sparsamere Autos auf den Markt bringen. Um ihre Gewinne nicht zu gefährden, tut sie es jedoch nicht. Deswegen ist es so wichtig, dass die Politik jetzt klare Zielvorgaben setzt und die Industrie zur Entwicklung sparsamerer Autos verpflichtet. Österreich muss sich bei der EU-Kommission stark machen und darf sich nicht von den Lobbyisten von VW & Co beeindrucken lassen. Sollte die Politik hier nachgeben, müssen jene Menschen, die für ihre Mobilität auf das Auto angewiesen sind, dafür die Zeche zahlen", warnt der Greenpeace-Energiesprecher.
Der Report "Costs of Driving" (in Englisch)