Fast Fashion: Wir brauchen eine Slow Fashion Revolution!

Blogpost von Shuk-Wah Chung von Greenpeace East Asia.

Newsartikel - 22 April, 2016
Vielleicht hast Du gleich gar keine Lust mehr, rastlos durch die Fußgängerzone zu ziehen, um Deinen Schrank neu zu füllen. Vielleicht verlieren die Blusen, Hosen und Kleider ihren Reiz und Glanz, wenn Du die folgenden Fakten im Kopf hast:

Umwelt- und gesundheitsschädliche PFC (per- and poly-fluorinated chemicals) werden vor allem für Outdoor-Kleidung eingesetzt.  Hier zeigen drei Aktivisten aus China, Hong Kong und Taiwan, dass man auch auf fast 4000 Metern Höhe warm und trocken in  PFC-freier Ausrüstung bleiben kann.

Zuerst: Der Wasserverbrauch. Zwei Milliarden Jeans werden jedes Jahr weltweit produziert, im Schnitt 7000 Liter für eine Hose. In die Herstellung eines T-Shirts fließen 2720 Liter Wasser.

Zweitens: Für das Waschen, Färben und Imprägnieren der Textilien werden weltweit jedes Jahr 1, 7 Millionen Tonnen Chemikalien verwendet. Schadstoffe, die Trinkwasser und Lebensmittel in den Herstellungsländern vergiften. In China sind inzwischen über 30 Prozent der Trinkwasserreservoirs unbrauchbar. Es gibt Chemikalien für Bekleidung, wie etwa per- und polyfluorierte Verbindungen, die sich in der Umwelt kaum abbauen. Einmal freigesetzt, verbleiben die krebserregenden Wirkstoffe zumeist für immer in der Welt und gelangen über Luft und Lebensmittel auch in den menschlichen Organismus. 

Und zuletzt: Was passiert mit den Stoffen, die es nicht auf den Markt schaffen? Schätzungen gehen davon aus, dass von 400 Milliarden Quadratmeter Stoff, die jedes Jahr zu Kleidung konfektioniert werden, etwa 60 Milliarden Quadratmeter im Schneideraum liegen bleiben.

Und die Verschwendung geht weiter. Wollt ihr noch mehr Zahlen? Jedes Jahr werden 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Nach ihrer kurzen Lebensspanne landen drei von vier Kleidungsstücken auf Deponien oder in der Müllbverbrennung. Nur ein Viertel der Kleidung wird recycelt.

Einem Report der britischen NGO WRAP zufolge verringern die niedrigeren Preise und die rückgängige Nachfrage die Motivation zur Kleidersammlung – was dazu führen könnte, dass noch mehr Kleidung auf den Deponien dieser Welt landet. Zuzana Čaputová, Gewinnerin des Goldman Umweltpreises, hat gezeigt: Niemand will mehr Deponien in seiner Stadt.

Wie konnte dies alles geschehen? Warum sind wir so besessen von Kleidung?

Ein offensichtlicher Grund ist Fast Fashion: Ständig werden wir mit frischer Ware, mit neuen Looks verführt. Im Zeitalter des Mode-Blog-Diktats und der Nabelschau auf Instagram ist es ein No-Go, zweimal im selben Outfit gesehen zu werden.  In den letzten 5 Jahren haben die führenden Fast-Fashion-Marken 9,7 Prozent Wachstum verzeichnet, traditionelle Hersteller hängen mit 6,8 Prozent hinterher.

So war das natürlich nicht immer: US-Amerikaner konsumieren heutzutage drei Mal so viel Kleidung wie ihre Vorfahren vor 50 Jahren. Sie kaufen doppelt so viele Teile wie noch vor 20 Jahren. 1991 hat jeder Amerikaner im Schnitt 34 Kleidungsstücke pro Jahr gekauft, 2007 waren es schon 67 Teile. Alle vier bis fünf Tage ein neues Kleidungsstück!

Ein Laden im chinesischen Xintang, der “denim capital of the world". Hier hat Greenpeace die katastrophale Umweltverschmutzung durch die Textilindustrie dokumentiert

Wie kommen wir raus aus dem Fast-Fashion-Drama?

Zunächst: Widerstehe den Impulsen und Verlockungen der Modemarken. Das ist nicht leicht, aber es hilft, an die Menschen zu denken, die unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen Textilien herstellen. Denke an die Menschen, die vor drei Jahren beim Zusammenbruch der Rana Plaza Textilfabrik in Bangladesh unter Trümmern und Textilien begraben wurden.

Und lass Dich nicht auf den Arm nehmen von Billiganbietern wie H&M, die jetzt eine Recycling-Week ausloben, die den Namen nicht verdient. Wir nennen sie die „Woche der Illusionen“: 1000 Tonnen Altkleider will H&M seinen Kunden abnehmen, tatsächlich in neuen Textilien wiederverwendet wird aber nur ein Prozent der Kleidungsstücke.

Anstatt deine Kleider zu H&M zu bringen und den frischen Verlockungen nicht widerstehen zu können, sei clever und greif zur Nadel: Ausrangierte Klamotten können fast alle aufgepeppt werden. Repariere Deine Lieblingsstücke und hebe sie auf. Fashiontrends kommen und gehen. In ein paar Jahren sind Deine Kleider vielleicht wieder Instagram-tauglich. Schon die großartige Designerin Vivienne Westwood sagte: 'Buy less, choose well, make it last.'

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