Giftfreie Mode: Greenpeace prüft Textilsiegel

Neuer Textilratgeber nennt die besten und saubersten Standards

Newsartikel - 12 Mai, 2016
Orientierung beim Kleiderkauf – das bietet der aktualisierte Textilratgeber von Greenpeace. Die Broschüre zeigt, welche der gängigen Textil-Siegel heute wirklich giftfreie Kleidung garantieren. Am besten schneiden dabei (wieder) die Label des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN Best) und der Global Organic Textile Standard (GOTS) ab. Diese verbieten gefährliche Chemikalien bereits in der Produktion und sichern damit eine saubere Herstellung von Beginn an. Andere Siegel haben sich durch die Detox-Kampagne von Greenpeace verbessert. „Für eine einfache und gute Kaufentscheidung muss man nur einige Zeichen kennen", sagt Nunu Kaller, Konsumentensprecherin bei Greenpeace Österreich, „Wer Kleidung mit diesen Siegeln kauft, schützt Mensch und Umwelt.“

Nach IVN Best und GOTS ist Bluesign eingeschränkt empfehlenswert, da der Standard eine umfassende Liste verbotener oder eingeschränkter Substanzen vorgibt - doch es gibt Lücken und zu hohe Grenzwerte. Das Siegel Öko-Tex hat einen neuen Standard („Made in Green“) eingeführt, der deutlich anspruchsvoller ist als „Öko-Tex 100“. Während „Made in Green“ die gesamte Produktion beachtet, wird für „Öko-Tex 100“ lediglich die Kleidung auf Schadstoffe geprüft. Ökotex 100 gehört zu den verbreitetsten Siegeln im Textilbereich. Hersteller können dies leicht als Feigenblatt missbrauchen, um Umweltschutz und verantwortliches Handeln vorzutäuschen.

Textilratgeber

Generell gilt jedoch, dass die empfehlenswerten Siegel noch nicht allzu weit verbreitet sind. Bislang tragen sie vor allem kleine ökologisch und ethisch produzierende Modemarken. Große Mode-Ketten boykottieren diese vernünftigen Siegel und setzen oft auch auf eigene Kennzeichnungen, welche die VerbraucherInnen eher verwirren als Orientierung geben.

Im Textilratgeber stellt Greenpeace außerdem die fünf gängigsten Sozialstandards vor: Etwa die „Fair Wear Foundation“. Sie verbessert die sozialen Bedingungen in Nähfabriken und sorgt für höhere Löhne. Das Fairtrade-Siegel umfasst inzwischen sogar die ganze Lieferkette - bislang gab es nur Fairtrade-zertifizierte Baumwolle.

Greenpeace empfiehlt im Textilratgeber auch: Weniger ist mehr - einzelne gute Kleidungsstücke kaufen statt vieler billiger, tauschen statt kaufen, reparieren statt wegwerfen. „Weg vom Viel&Billig-Schick ist das Gebot der Stunde, denn die Kleiderschränke der ÖsterreicherInnen sind im Durchschnitt eh schon übervoll“, sagt Kaller. Bis zu 40 Prozent der Kleidung endet als Schrankleiche. Trotzdem wird ständig neu gekauft, mit schweren Umweltfolgen: Die herkömmliche Produktion einer einzigen Jeans braucht bis zu 7000 Liter Wasser und vergiftet Gewässer in Ländern wie China und Pakistan.

Mit der Detox-Kampagne hat Greenpeace seit 2011 über 60 Textilhersteller von H&M über Adidas bis zu Tchibo und Aldi überzeugt, bis zum Jahr 2020 auf eine Produktion ohne Risiko-Chemikalien umzustellen. Zuletzt hat sich mit der italienischen Provinz Prato erstmals eine ganze Region der Detox-Kampagne angeschlossen. Prato ist der größte Textilstandort Europas.

Hier gehts zum Ratgeber

Themen