Giftunfall in ungarischer Aluminiumfabrik

Newsartikel - 6 Oktober, 2010
Am Montag ist ein Damm der Aluminiumfabrik Ajkai Timföldgyár nahe der Ortschaft Kolontar in Westungarn geborsten. Dadurch flossen rund eine Million Kubikmeter eines schwer ätzenden und gesundheitsschädlichen Schlamms aus, der sich auf Ortschaften und Feldern verteilte.

Notstand ausgerufen

In drei westungarischen Bezirken (Vas, Veszprém und Gyor-Sopron) wurde der Notstand ausgerufen. Greenpeace-ExpertInnen aus Ungarn, Österreich und der Slowakei sind sofort zum Unglücksort aufgebrochen um das tatsächliche Ausmaß der Schäden und Gefahren zu dokumentieren.

Die vor Ort genommenen Proben werden bis kommenden Freitag auf chemische Stoffe wie Arsen, Quecksilber und Chrom getestet.

Die giftigen Substanzen überschwemmten und zerstörten fruchtbares Ackerland und gefährden die Vegetation und die Trinkwasserversorgung in der Region. Durch Wind kann der getrocknete rote Schlamm in die nahegelegenen Ortschaften transportiert werden.

Ungarische Umweltschutzorganisationen hatten bereits vor Jahren, im Zuge der Privatisierung, auf die schwachen Vereinbarungen zu Unternehmens-Verantwortungen im Falle eines Unfalles hingewiesen.

Keine Notfallspläne vorhanden

Zoltan Illés – Staatssekretär für Umwelt – bestätigte, dass das Unternehmen gar keine Notfallspläne gehabt habe. Sie müssten deshalb die Kosten dieser Katastrophe übernehmen – sollte das nicht möglich sein, werde man sich an den ungarischen Staat und die EU wenden.

Die stark giftige Verschmutzung reicht bis an den Fluss Marcal-  wann die Verschmutzung die Raab erreichen wird ist noch ungewiss. Mit allen Kräften muss versucht werden, die Verschmutzung vorher zu stoppen.

Ungarn ist nun zum zweiten Mal innerhalb von 10 Jahren von einer riesigen Gift-Katastrophe heimgesucht. Im Jahr 2000 brach ein Damm einer australischen Gold-Minen-Gesellschaft und entließ 100 000 Kubikmeter Zyanid-Schlamms in den Fluss Tisza. Die aktuelle Katastrophe ist jedoch zehnmal größer. Bis Dienstag Mittag starben vier Menschen, 70 weitere Menschen müssen in Spitälern behandelt werden. Der „Rotschlamm“ ist ein Nebenprodukt der Aluminiumproduktion. 60 Millionen Tonnen giftigen Schlamms werden in Ungarn gehortet – pro Jahr steigt der Betrag um 1 Million Tonnen.

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