Elektroschrott vergiftet
Ärmste in Ghana

Newsartikel - 5 August, 2008
Eine aktuelle Untersuchung von Greenpeace zeigt, dass der mit gefährlichen Chemikalien belastete Elektroschrott in Ghana zu dramatischen Umweltfolgen geführt hat.

Die Analyseergebnisse zweier Proben von Elektroschrottplätzen in Ghana zeigen eine starke Belastung mit Risiko-Chemikalien.

Die stetig wachsende Nachfrage nach dem neuesten Handy, Flachbild-Fernseher oder superschnellen Computer führt zu einer steigenden Zahl von elektronischen Altgeräten, die sehr häufig mit gefährlichen Chemikalien wie Blei, Quecksilber und bromierten Flammschutzmitteln belastet sind. Statt diese Geräte einem sicheren Recycling zuzuführen werden große Mengen an Elektroschrott in Entwicklungsländern "entsorgt". Greenpeace hat bereits in der Vergangenheit auf die Umweltbelastungen durch Elektroschrottplätze in China und Indien hingewiesen. Auch Nigeria wurde als Mülldeponie für alte Elektronikgeräte missbraucht.

Die Greenpeace Ermittlungen deckten weiters illegalen Elektroschrott-Export aus Europa und den USA nach Ghana auf. Ein Team von Experten und Expertinnen war in Ghana, um die Verunreinigung an jenen Plätzen zu untersuchen, wo Elektroschrott recycelt und deponiert wird. Hier zerlegen Arbeiterinnen und Arbeiter, darunter auch viele Kinder, mit einfachem Werkzeug wie Steinen, die Computer und Fernseher.

Sie sind auf der Suche nach Metallen, die sie verkaufen können, und dabei den gefährlichen Chemikalien ungeschützt ausgesetzt. Der wertlose Abfall wie Kunststoffe, Kabel und Gehäuse wird entweder verbrannt oder deponiert, wie das folgende Video (englisch) zeigt:

 

Einige der Proben enthielten gefährliche Chemikalien wie Blei in Mengen, die hundert Mal höher als die Grundbelastung waren. In den meisten untersuchten Proben fanden sich auch andere Chemikalien wie Phthalate (beeinträchtigen die Fortpflanzung). Eine Probe enthielt eine hohe Menge an chloriertem Dioxin.

Der Greenpeace Wissenschaftler Dr. Kevin Bridgen untersuchte Elektroschrottplätze in China, Indien und Ghana: "Viele der freigesetzten Chemikalien sind hochgiftig, einige können die sich in Entwicklung befindlichen Fortpflanzungsorgane der Kinder beeinträchtigen, während andere die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem beeinträchtigen. In Ghana, China und Indien ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass Arbeiter, davon viele Kinder, solchen gefährlichen Substanzen ausgesetzt sind."

Wie gelangt der Elektronikschrott nach Ghana?

Container mit Computern, Monitoren und Fernsehern von Marken wie Philips, Canon, Dell, Microsoft, Nokia, Siemens und Sony, treffen in Ghana unter der Kennzeichnung "Second Hand-Ware" ein. Diese Kennzeichnung ist falsch, da der Großteil der Altgeräte beschädigt ist. Die Container stammen aus Deutschland, Korea, der Schweiz und den Niederlanden.

In Europa ist der Export von Elektronikschrott illegal. Der Export von alten elektronischen Geräten zur Wiederverwendung ist hingegen erlaubt. Diese Regelung ermöglicht ein profitables Geschäft für skrupellose Händler, die Elektronikmüll nach Ghana verkaufen. Der Großteil des Inhalts der Container landet auf Müllplätzen in Ghana, der dort von ungeschützten Arbeitern gepresst und verbrannt wird. Einige Händler erzählen, nur um einige funktionierende Computer zu erhalten, einen ganzen Versandcontainer mit defektem Schrott akzeptieren zu müssen. Diese Container stammen von Exporteuren aus Industrieländern.

Die Lösung?

Funktionierende Computer und Mobiltelefone können in manchen afrikanischen Ländern Nutzen bringen, so sie weiterverwendet werden können. Als Schrott verschmutzen sie die Umwelt in diesen Ländern, da sie eine Reihe von giftigen Chemikalien enthalten. Mit dem vierteljährlich erscheinenden Ratgeber "Grüne Elektronik" übt Greenpeace Druck auf die größten Elektronikhersteller aus. Gefährliche Chemikalien müssen durch ungefährliche ersetzt und globale Recyclingsysteme eingeführt werden. Beide Schritte sind gleichermaßen erforderlich, um die wachsende Menge an problematischen Elektroschrott in Griff zu kriegen.

Das hat zu erfreulichen Entwicklungen geführt, da einige Firmen mittlerweile Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus ihre Produkte übernehmen. Philips und Sharp jedoch verweigern jegliche Verantwortung für ihre Altgeräte. Die Haltung dieser mächtigen multinationalen Konzerne sorgt für eine digitale Kluft, deren Folgen gerne verborgen werden und die dazu führen, dass Menschen in Entwicklungsländern ohne Schutz hoch problematischen Chemikalien ausgesetzt sind.

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