Aktuelle Analyseergebnisse zeigen Rotschlamm-Nachwirkungen

Ein Jahr nach der Umweltkatastrophe in Ungarn immer noch hohe Schadstoff-Konzentration im Fluss Torna

Newsartikel - 28 September, 2011
Aktuelle Analyseergebnisse zeigen, dass die Schadstoffkonzentration im durch die ungarische Unglücksregion führenden Fluss Torna auch ein Jahr nach der Rotschlammkatastrophe am 4. Oktober 2010 immer noch überdurchschnittlich hoch ist. Besonders auffällig ist der für Fische hoch giftige Aluminiumgehalt. Auch in Boden- und Mais-Proben wurden nach wie vor Giftstoffe gefunden, die Konzentrationen sind jedoch angesichts der Dimension der Katastrophe verhältnismäßig gering.

Neben der Rotschlammkatastrophe vor fast genau einem Jahr ist vor allem auch die riesige Altlast an Aluminiumabfällen in der Region verantwortlich für die hohe Schadstoffbelastung, die im Fluss Torna festgestellt wurde. Schon eine Menge von 100 Mikrogramm Aluminium pro Liter kann für einige Fischarten problematisch sein, da sich das Aluminium in den Kiemen einlagert. Die vom Wiener Umweltbundesamt durchgeführte Analyse der Greenpeace-Proben ergab eine Aluminium-Konzentration von 670 Mikrogramm pro Liter.

Welche Auswirkungen die Umweltkatastrophe auf das Grundwasser hat, kann aufgrund der von den Behörden verschlossenen Grundwasserbrunnen derzeit nicht abgeschätzt werden. Auch offizielle Informationen über die Grundwassersituation liegen nicht vor. Ausgeschlossen werden kann jedenfalls, dass die öffentliche Trinkwasserversorgung über von der Katastrophe betroffene Entnahmestellen erfolgt.

Der Schadstoffgehalt im Boden ist nach österreichischen Verhältnissen nach wie vor erhöht. Der Chromgehalt einer Bodenprobe, die direkt von einem überfluteten Acker gezogen wurde, ergibt 150 Milligramm pro Kilogramm. Zum Vergleich: Der österreichische Grenzwert liegt bei 100 Milligramm pro Kilogramm. Zieht man den österreichischen Arsen-Grenzwert von 20 Milligramm pro Kilogramm heran, ist auch die in der Bodenprobe gefundene Arsen-Konzentration mit 26 Milligramm pro Kilogramm leicht.

Proben von Maispflanzen ergaben hingegen eine erhöhte Blei-Konzentration, die jedoch mit 0,11 Milligramm pro Kilogramm den EU-Grenzwert nicht überschreitet.
„Insgesamt ist das Ausmaß der Schadstoffbelastungen vor allem der Böden und der Maispflanze geringer als wir aufgrund der sichtbaren Rotschlammspuren befürchtet haben“, zeigt sich Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster erleichtert, fügt jedoch hinzu: „Um die Flüsse wieder in funktionierende Ökosysteme zu verwandeln, wird eine langwierige und teure Altlastensanierung notwendig sein.“ext

Analyse von Bodenprobe, Mais und Wasserprobe Kolontar

Themen