Der vielfältige Alltag im Amazonas-Regenwald

Blogpost von Greenpeace-Aktivistin Ina Vallant

Newsartikel - 8 Juli, 2016
Seit meiner Kindheit liegt mir der Amazonas-Regenwald am Herzen. Jetzt bekam ich die Möglichkeit aus Österreich genau dorthin zu reisen. Und somit befinde ich mich derzeit in der Greenpeace-Station im Amazonas. Gemeinsam mit weiteren AktivistInnen aus aller Welt und der indigenen Gemeinschaft der Munduruku setze ich mich gegen geplante Staudämme ein. Denn diese bedrohen nicht nur die Heimat der Indigenen, sondern auch ein Paradies der Artenvielfalt. Ein Einblick in den Alltag der Greenpeace-Station, der trotz Routine nicht spannender sein könnte.

 Ina Vallant in der Greenpeace-Station im brasilianischen Amazonas

Es ist sechs Uhr früh am Morgen, ich liege noch in meiner Hängematte und lausche den Geräuschen aus dem Urwald. Nahezu alles was ich dabei höre ist mir unbekannt. Es fällt mir schwer zu sagen, ob die Geräusche die zu hören sind von einem großen oder kleinen Tier stammen oder zuzuordnen, ob sie von einem Reptil, einem Vogel oder Affen kommen. All diese Geräusche lassen die immense Artenvielfalt des Amazonas nur erahnen, sie in Worte zu fassen ist nahezu unmöglich. Täglich entdecken wir hier in Sawré Muybu, einem Dorf der indigenen Gemeinschaft der Munduruku, neue uns völlig unbekannte Pflanzen oder Tiere. Einige der Laute, die in der Früh zu hören waren, stammen von Brüllaffen wie ich später erfahre. Sie klingen jedoch ähnlich wie jene von Formel 1 Wagen.

Ich bereite mich für die Aufgaben des Tages vor, heute Vormittag bin ich im Putztrupp. Auf meinem Weg zur Küchenhütte komme ich an einer Schaar von Munduruku-Kindern vorbei, die mit dem Halsbandpekari (eine Schweineart, die vor allem am amerikanischen Kontinent vorkommt) des Dorfes in der Sonne spielen. Ihr schallendes Gelächter ist dabei im ganzen Dorf zu hören. Ein kleines Mädchen trägt dabei einen Affen auf dem Kopf, der nie von ihrer Seite weicht.

Munduruku-Kind ( © Markus Mauthe / Greenpeace )

Im Küchenhaus hat das Frühstück bereits begonnen. Ein paar freiwillige AktivistInnen bereiten dabei tagtäglich das Essen vor. In der Hitze Schwerstarbeit und sicherlich einer der anstrengendsten Aufgaben in der Greenpeace-Station.

Im Laufe des Tages finden in dem und rund um das Dorf zahlreiche Aktivitäten gemeinsam mit den Munduruku statt. Darunter die Kartierung ihres Landes, um aufzuzeigen, dass die Munduruku Anspruch auf ihr Land haben oder Workshops zu verschiedenen Themen, wie das Erlernen von Videoproduktion, damit die Munduruku ihr Leben und auch ihren Kampf für ihre Heimat selbst dokumentieren können. Alle Aktivitäten werden dabei immer genau mit dem Oberhaupt des Dorfes abgesprochen,  denn schließlich sind wir als Gäste hier in ihrem Dorf.

Die Menschen hier sind uns gegenüber sehr offen und zeigen uns stolz ihre Kultur und einige ihrer Gebräuche. Sie zeigen uns ihrer Bemalungen und ihren Schmuck, den sie selbst herstellen. Die Munduruku-Kinder beobachten auch neugierig einen Künstler und Aktivisten aus Spanien, der einige Impressionen des Dorfes malt.

Abends, meist kurz bevor die Sonne unter geht und die Brüllaffen wieder zu schreien beginnen, findet jeden Tag im Dorf ein Fußballmatch zwischen den Kindern und Jugendlichen im Dorf statt. Bei diesen Fußballspielen sind wir auch immer gerne als MitspielerInnen gesehen, allerdings meist chancenlos gegen die Munduruku, die uns mit ihrem  täglichen Training weit überlegen sind.

Tapajós-Fluss ( © Marizilda Cruppe / Greenpeace )

Wenn ich so durch Sawré Muybu gehe, ist es unvorstellbar für mich, dass das gesamte Dorf bald für immer verschwinden könnte. Denn dieses und weitere Dörfer sind unmittelbar bedroht durch geplante Staudammprojekte am Tapajós-Fluss. Mit dem ersten und gleichzeitig größten Staudamm – dem São- Luiz-do-Tapajós – würde ein Stausee fast doppelt so groß wie Wien entstehen. Dieses Dorf würde nach dem Bau des Staudammes nicht mehr existieren.

Doch noch wird der Staudamm nicht gebaut. Noch existiert das Dorf Sawré Muybu und der umliegende Regenwald. Und ich werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, dass dies so bleibt.

Ina Vallant befindet sich derzeit gemeinsam mit Greenpeace-Aktivistinnen und  -Aktivisten aus aller Welt am Tapajós-Fluss im brasilianischen Amazonas-Regenwald, um sich gegen einen geplanten Megastaudamm einzusetzen.

 

Schützt das Herz des Amazonas

Mitten im Herzen des Amazonas befindet  sich ein unbeschreibliches Paradies der Artenvielfalt, einer der letzten natürlichen Flüsse des Amazonas sowie die Heimat von über 12.000 MenschenDoch genau dort sollen laut brasilianischer Regierung ein Megastaudammkomplex entstehenDer Amazonas-Regenwald braucht jetzt Ihre Unterstützung!

Bitte werden Sie mit uns aktiv: Unterzeichnen Sie jetzt die Amazonas-Erklärung!

 

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