Chance für den Bialowieza-Urwald

EU bringt Polen vor den Europäischen Gerichtshof

Newsartikel - 14 Juli, 2017
Der wertvolle Bialowieza-Urwald in Polen bekam in den letzten Tagen tatkräftige Unterstützung von internationaler Seite. Während die UNESCO ihre Position verstärkt und sich mit einem Beschluss erneut für den Schutz des Bialowieza-Urwaldes ausgesprochen hat, bringt die EU-Kommission Polen nun vor den Europäischen Gerichtshof. Beide Institutionen schließen sich der Forderung von Greenpeace und vielen weiteren Organisationen, WissenschaftlerInnen und Menschen weltweit an: Die polnische Regierung muss die Abholzung im Bialowieza-Urwald sofort beenden.

(c) Adam Lawnik/Greenpeace

Es ist der 25.März 2016: Der polnische Umweltminister Jan Szyszko verabschiedet einen Beschluss über die Änderung des Waldwirtschaftsplans und verdreifacht die Abholzungsrate im Bialowieza-Urwald. Damit hat es die polnische Regierung an die Spitze getrieben. Aus diesem Grund begann eine internationale Protestwelle, die in den letzten Monaten einen Höhepunkt erreichte. Greenpeace-AktivistInnen verbrachten mehrere Wochen im Bialowieza-Urwald, ketteten sich an die Abholzungsmaschinen und protestierten auf den Bäumen.

Auf der politischen Bühne kam es zu einem Tauziehen zwischen nationalen Interessen und europäischen Umweltschutzmaßnahmen. Die EU-Kommission drohte Polen mit einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof, falls die Abholzungen nicht sofort beendet werden würden.  Szyszko zeigte sich davon unbeeindruckt und erklärte die Abholzung mit dem Befall des Borkenkäfers. Doch diese Argumentation lässt die EU-Kommission nicht gelten. WissenschaftlerInnen bestätigen, dass der Borkenkäfer quasi ein natürlicher Bewohner des Waldes ist. Nun lässt die EU-Kommission ihren Worten Taten folgen: Polen muss sich vor dem Europäischen Gerichtshof verantworten. Zusätzlich ging die europäische Institution noch einen Schritt weiter: Sie fordert von dem Europäischen Gerichtshof vor dem Verfahren bereits einstweilige Maßnahmen, damit die polnische Regierung die Abholzungsarbeiten sofort stoppt:  http://bit.ly/2ui2YXl

(c) Grzegorz Broniatowski/Greenpeace

Der Grund für das Einschalten der EU-Kommission: Die Abholzung ist illegal. Denn mit dieser gefährdet die polnische Regierung ein Gebiet des europäischen Natura 2000-Netzwerkes, das besonders wertvolle Schutzgebiete in der Europäischen Union verbindet. Neben dem Natura-2000-Netzwerk ist der Urwald ebenso Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Aus diesem Grund hat sich die UNESCO letzte Woche mit einem Beschluss erneut für den Schutz des Bialowieza-Urwalds in Polen ausgesprochen. Die Entscheidung erfolgte im Zuge einer Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees, die in der polnischen Stadt Krakau stattfand. Konkret fordert die UNESCO die polnische Regierung auf, die Abholzungsarbeiten zu stoppen und einen grenzüberschreitenden Verwaltungsplan für den Urwald einzurichten. Szyszko habe in seiner Entscheidung den außergewöhnlichen universellen Wert des Bialowieza-Urwalds nicht berücksichtigt.

Beide Entscheidungen sind ein herber Rückschlag für den polnischen Umweltminister. Umso mehr zeigen sie, dass Europa hinter dem Bialowieza-Urwald steht. Denn dieser ist einer der Letzten seiner Art. Der Urwald ist nicht nur eine polnische Angelegenheit. Er ist ein europäisches Naturjuwel, für den es sich zu kämpfen lohnt. 

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