Dieser Tage trifft sich die Internationale Walfang-Kommission (IWC) zu ihrer 61. Jahreskonferenz auf Madeira (Portugal). Ich bin auch in diesem Jahr in der Delegation dabei und werde euch an dieser Stelle von der Konferenz berichten. Aber erstmal will ich euch schildern, wie es da so zugeht. Denn die IWC ist in jeder Hinsicht „speziell“!

Die IWC sitzt in einer Blockadesituation fest, die sie quasi arbeitsunfähig macht - gespalten in zwei Lager, deren Positionen unterschiedlicher nicht sein könnten: Walfang-Protagonisten (Norwegen, Island, Japan & Konsorten) gegen Walschützer (USA, Australien, Neuseeland, die EU...). Erstere halten am Walfang fest, die anderen halten das Töten von Walen angesichts bedrohter Wal-Populationen für ein Relikt aus dem vorigen Jahrhundert.

Leider arbeitet die IWC immer noch nach ihren Statuten von 1946. Von Walfängern gegründet, wurden damals nur Fangquoten berechnet und aufgeteilt - der Schutz der Wale war kein Thema. Dass seit 1986 ein Walfang-Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft ist, liegt einzig daran, dass immer mehr Walschutzländer diesem „Club der Walfänger“ beitraten, und schließlich eine 2/3-Mehrheit für ein Walfang-Verbot bilden konnten. Aus genau diesem Grund wurde auch Österreich Mitglied. Inzwischen hat Japan allerdings die Stimmverteilung mit etlichen „eingekauften“ Stimmen aus Karibik, Pazifik und Afrika wieder wett gemacht – es herrscht ein Patt, keine Seite hat die nötige 2/3-Mehrheit um Beschlüsse durchzusetzen! Jahrelang konnte ich als Teil der österreichischen Delegation live erleben, welch äußerst rauer Ton vorherrschte: gegenseitigen Beschimpfungen, Vorwürfe und haarsträubenden Brandreden waren normal. Verglichen mit dem Umgangston von Regierungsvertretern auf anderen internationalen Konferenzen: unglaublich, das so was die Welt regiert!

Da die jahrelange zänkerische Arbeitsunfähigkeit der IWC letztendlich doch allen auf den Nerv ging, setzte sich im letzen Jahr der Wunsch nach Konsens durch. So beschloss die IWC, keine Kampfabstimmungen über umstrittene Vorschläge mehr durchzuführen, „respektvoller“ miteinander zu reden und „moderner“ zu werden. Dies erweist sich jedoch als äußerst schwierig. Denn solange Japan ein Schlupfloch in den über 60 Jahre alten Statuten ausnutzt, um per „wissenschaftlichen“ Walfang jedes Jahr mehrere hundert Wale zu töten, sind zumindest die Hardcore-Walschutzländer nicht zu Kompromissen bereit. Sollten sie auch nicht: Erst wenn Japan seinen komerziellen Walfang unter dem Deckmantel der Forschung einstellt, hat auch Japan bewiesen, dass es zu Kompromissen bereit ist. Doch im Moment deutet nichts daraufhin, dass Japan nur einen Zentimeter von seinem Kurs abweicht.

Gestern, bei einer ganztätigen Debatte über die „Zukunft der IWC“, gab es einen Vorgeschmack auf die eigentliche Konferenz ab 22. Juni: Same procedure as every year. Diskutiert die IWC auch in den nächsten Tagen nur über das Schicksal der Wale hin und her oder kommt was dabei heraus? Alles ist offen! So lautet der Wahlspruch der IWC derzeit: “Nothing is agreed until everything is agreed”!

Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin