‚Global Care’ – das schreibt der steirische Industrieanlagen-Hersteller Andritz groß als Motto in seinem Jahresbericht. Die Firma zitiert sogar Hans-Joachim Schellnhuber, einen der weltweit führenden Klimawissenschaftler, mit den Worten: "Wir dürfen mit unserem Planeten nicht länger russisches Roulette spielen."

Von diesem Konzern erwartet man sich auf den ersten Blick nicht, dass er in Projekte, die zu massiver Umweltzerstörung führen, involviert ist. Doch der Blick täuscht: ‚Global Care’ reicht bei der Andritz AG anscheinend nicht weiter als der Horizont. Was dahinter passiert, ist egal – Hauptsache es lässt sich daran verdienen. So ist Andritz nicht nur in ein höchst umstrittenes Projekt in der Türkei verwickelt, wo durch den Ilisu-Staudamm ganze Landstriche unter Wasser verschwinden werden. Jetzt will die Firma auch noch die Anlagen für ein riesiges Zellstoffwerk auf der australischen Insel Tasmanien liefern.

Was aber hier weitgehend unbekannt ist: auf Tasmanien gibt es riesige unberührte Urwälder, wo Bäume wachsen, die über 100 m hoch werden, und Tierarten leben, die nur hier vorkommen, und die bereits jetzt bedroht sind.

Von diesen Wäldern werden 2.000 km² für das umstrittene Zellstoffwerk geopfert werden – eine Fläche, beinahe so groß wie das Bundesland Vorarlberg. Die Treibhausgas-Emissionen durch die Abholzung wären fast so groß wie die der gesamten Steiermark. Die giftigen Abwässer aus der Chlorbleiche werden in eine Meeresbucht eingeleitet und gefährden die Fischerei.

In Tasmanien gibt es gewaltigen Widerstand gegen das Projekt. Eine Mehrheit der Bevölkerung lehnt die Errichtung der Fabrik ab, unter anderem, weil dadurch viele Jobs im Tourismus und in der Fischerei bedroht sind. Darum haben sich viele Banken und Anlagenbauer entschieden, die Finger von diesem Projekt zu lassen. Die Andritz AG hat aber offenbar weniger Skrupel. Sie wissen sich sogar durch die Finanzierungsdeckung der österreichischen Kontrollbank unterstützt – die ebenfalls für ihre Rolle bei der Finanzierung des türkischen Ilisu-Staudammes heftig kritisiert wird.

Bei Andritz scheint es so zu sein, dass Umweltschutz nur dann interessant ist, wenn man daran Geld verdienen kann. Kann das Geld aber mit Naturzerstörung verdient werden, passt es anscheinend auch – Hauptsache die Schweinerei spielt sich hinterm Horizont ab. Ist es das, was man bei Andritz unter ‚Global Care’ versteht?

Jurrien Westerhof, Greenpeace Klimaexperte