Der erste Schritt zur Lösung der meisten Probleme liegt darin, dass man sich eingesteht, dass man ein solches hat. Apple hat ein zunehmendes Problem mit Kohle. Sobald sich das Unternehmen das eingesteht, kann es ihre vielgerühmte Innovationskraft dazu nützen, es zu lösen. Leider war Apple bislang nicht sehr auskunftsfreudig, wieviel Energie zur Stromversorgung der iCloud benötigt wird und in welcher Form diese erzeugt wird. Nun liegen Greenpeace neue Beweise vor, die Licht ins Dunkel bringen, und zwar ein Antrag für eine Genehmigung sowie einen Genehmigungsbescheid. Sie dokumentieren, dass die Pläne von Apple, auf Energie auf Kohlekraft zu setzen, auf Schiene ist, was bedeutet, dass die Probleme noch viel stärker werden, als das Unternehmen derzeit bereit ist, zuzugeben.

Greenpeace hat Mitte April den dritten Cloud Computing-Report „How Clean is Your Cloud?“ veröffentlicht. Er bewertet die Bemühungen von Apple und 13 andere IT-Unternehmen, um den Einsatz fossiler und nuklarer Energieversorgung zum Betrieb ihrer Rechenzentren zu reduzieren. Einige Unternehmen wie Google und Yahoo bekennen sich zur Verwendung von Erneuerbaren Energieträgern, aber Apple erzielte schlechte Ergebnisse in allen Bewertungskategorien. Dazu gehören Transparenz, Investitionen und die Konstruktion von Rechenzentren. Die Rechenzentren von Apple werden vorwiegend mit Energie aus Kohlekraft versorgt.

Weil Apple und viele andere Unternehmen des Reports nicht die Energiemenge offenlegen, die ihre Rechenzentren benötigen, mussten für den Report Schätzungen vorgenommen werden. Diese beruhen auf konservativen, in der IT-Branche üblichen, Richtwerten. Für das neue iDataCenter in Maiden, North Carolina (USA) wurde geschätzt, dass es 100 MW Energie unter Volllast benötigt. Diese Energie bezieht Apple großteils vom lokalen Energieversorger Duke Energy. Dieses Unternehmen setzt Kohle ein, die auf besonders problematische Weise gewonnen wird, indem in Tagebauweise ganze Berggipfel entfernt werden. Diese Schätzung basierte vorwiegend auf der Zusage von Apple, 1 Milliarde US-Dollar für die neue Anlage investieren zu wollen und teilweise auf die Information, dass das Gebäude rund 150.000 Quadratmeter groß werden soll.

Während der Report ausgearbeitet wurde, wurden Apple die Greenpeace-Schätzungen gezeigt, aber Apple lehnte es ab, Zahlen hinsichtlich seines Energieverbrauchs zur Verfügung zu stellen. Kaum, dass der Report veröffentlicht war, hat Apple sofort versucht, die Energiemenge, die es von Duke Energy bezieht, runterzuspielen, indem es öffentlich Stellung genommen hat, dass die Kapazität des iDataCenter nur 20 Megawatt betragen, also wesentlich weniger als die Greenpeace Schätzungen von 100. Zudem würden 60% des Energiebedarfs durch unmittelbar in der Anlage befindliche Erneuerbare Energieträger gedeckt, was das Rechenzentrum in Maiden zum „grünsten Rechenzentrum, das je gebaut wurde“ machen würde.

Obwohl wir uns wünschen würden, dass dies der Fall ist in Anbetracht der Investitionshöhe, zu der sich Apple öffentlich verpflichtet hat und der geplanten Energiemenge, die Duke Energy Apple anbieten will, hat das iCloud Rechenzentrum ein Problem mit Kohle, das laufend größer wird, solange Apple nicht eine umweltfreundlichere Energieversorgung von Duke Energy fordert.

Welche Entwicklungspläne Apple hat

Öffentliche Dokumente aus den Akten lokaler Behörden zeigen, dass Apple plant, bedeutend mehr als die 20 Megawatt (MW) Energie, die Apple seinen Kundinnen gegenüber zugibt, zu benötigen.

Es liegen neue Informationen der Abteilung für Luftqualität in North Carolina (USA) vor. Sie zeigen, dass Apple die Verwendung von 25 Notstrom-Dieselgeneratoren beantragt und auch genehmigt bekommen hat, die das iDataCenter mit 54 MW Elektrizität versorgen könnten.

Alle Rechenzentren benötigen vor Ort Dieselgeneratoren für den Fall, dass es einen Stromausfall gibt. Damit ist gewährleistet, dass diese weiter betrieben werden können und manchen Unternehmen rüsten ihr Rechnenzentrum mit redundanten Kapazitäten für weitere Absicherung aus. Als Apple diesen Antrag gestellt hat, wurde von ihnen ein üblicher Strombedarf für diese Anlage von 75% der Kapazität dieser Generatoren bzw. 41 MW berechnet, das ist fast doppelt so viel wie jene Menge, die Apple kurz nach der Veröffentlichung des Reports behauptet hat.

Warum würde Apple die Öffentlichkeit über seinen künftigen Strombedarf in die Irre führen? Indem Apple behauptet, dass der Strombedarf deutlich niedriger ist, können sie den Eindruck vermitteln, dass die größte Menge des Elektrizitätsbedarf durch deren Solarpanele und Brennstoffzellen am Standort des Rechenzentrums und nicht durch Kohle von Duke Energy abgedeckt wird. Aber die Anträge zur Verwendung von Dieselgeneratoren zeigen, dass das Unternehmen den Strombedarf des  iDataCenter ausbauen will, und dieser Ausbau wird mit Energie aus umweltbelastender Kohlekraft von Duke Energy angeheizt.

Wir wissen auch, dass 41 MW nicht die obere Grenze der von Apple geplanten Expansion in North Carolina (USA) ist. Als Apple erstmals bekanntgab, dass iDatacenter in Maiden in den USA zu bauen, wurde berichtet, dass Apple für diesen Standort langfristig gesehen ein zweites baugleiches Rechenzentrum plant. In Wirklichkeit sieht der Vertrag, den Apple mit der Stadt Maiden und dem Catawaba County, NC, abgeschlossen hat, ausdrücklich vor, dass Apple ein Investitionsvolumen von einer weiteren Milliarde US-Dollargestattet ist. Damit verdoppelt sich die ursprüngliche Bekenntnis von Apple inklusive gleicher Steueranreize. Das bedeutet, dass Apple ein völlig anderes Rechenzentrum in errichten könnte und das mit Energie aus Kohlekraft von Duke Energy versorgt wird. Mit der Aussicht auf weitere Investionen von Apple kann Duke Energy wann kaum seine Freude verbergen. Gemäß Duke Energy ist Apple „der Typ Kunde, bei dem die Messgeräte mit großer Geschwindigkeit drehen“. Dieses Zitat und anderes von Duke darüber, wie Apple einer der Top  10-Kunden in North Caroline werden kann, wurde merkwürdigerweise unlängst von der Website von Duke entfernt.

Was Apple tun sollte

Apple sollte mehr Transparenz in Bezug auf seine Pläne in North Carolina bieten und wie sich das Unternehmen sich dem zunehmenden Problemen mit Energie aus Kohlekraft stellt. Erfreulicherweise gibt es bereits Vorbilder, an denen sich Apple orientieren kann. Die Firma Rackspace ist ein US-amerikanisches IT- Unternehmen und veröffentlicht sowohl den aktuellen als auch den künftigen Energiebedarf für alle seine Rechenzentren.

Es gibt zahlreiche Lösungen für Apple. Sobald das Unternehmen bereit ist, Nägel mit Köpfen zu machen, kann-Apple seine Marktmacht dazu nutzen, den Energieversorger Duke Energy dazu aufzufordern, aus der Verwendung von Kohlekraft aus umweltbelastendem Tagebau, bei dem ganze Berggipfel abgetragen werden, auszusteigen und Strom aus Erneuerbaren Energieträgern anzubieten. Apple sollte dem Beispiel Facebooks folgen. Facebook hat sich dazu verpflichtet, bei der Entscheidung über die Standorte für künftige Rechenzentren Richtlinien zu entwicklen. Sie besagen, dass neue Rechenzentren nur dort gebaut werden sollen, wo eine ausreichende Versorgung mit Erneuerbaren Energieträgern möglich ist. Zudem sollte Apple Energieversorger wie Duke Energy davon überzeugen, dass diese eine gute Stromversorgung durch Erneuerbaren Energieträgern ermöglichen.

Apple ist für seine Innovationen bekannt. Das Unternehmen sollte in der Apple-typischen Weise an vorderster Stelle der IT-Branche stehen. Um so weit zu kommen, muss Apple sein Kohle-Problem lösen.

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AppleInc-Facility Permit Application

AppleInc-Air Permit North Carolina