Nach der Ankündigungen zur kohlefreien iCloud muss Apple jetzt erklären, wie sie dort hingelangen.

Apple hat die mutige Behauptung aufgestellt, dass künftig alle drei Rechenzentren ohne Energie aus Kohlekraft auskommen sollen. Zudem soll das Rechenzentrum in North Carolina mit der doppelten Menge Sonnenenergie versorgt werden. Apple KundInnen werden diesen Mut zweifellos begrüßen.

Als der Apple Finanzvorstand Peter Oppenheimer am letzten Donnerstag:ankündigte, dass das Unternehmen für sein Rechenzentrum in North Carolina (USA) die Versorgung mit Solarenergie verdoppeln würde, sagte er: "Alle unsere drei Rechenzentren werden kohlefrei sein, das ist erste Mal in der Branche für ein Unternehmen in unserer Größe."

Apple hört also eindeutig auf den Appelle seiner 220.000 KundInnen, die sich in einer Petition an das Unternehmen gewandt haben, die iCloud mit Strom aus Erneuerbaren Energieträgern zu versorgen. Apple muss seinen KundInnen nun zeigen, dass diese Worten Taten folgen.

Die aktuellen Pläne von Apple besagen, dass die Investitionen in Solarenergie und Brennstoffzellen rund 60 Prozent des Elektrizitätsbedarfs des Rechenzentrums in der derzeitigen Größe abdecken. Daher müssen die restlichen 40 Prozent Erneuerbarer Energie von regionalen Anbietern stammen. Nachdem Apple den Strom von Duke Energy kaufen muss, weil Duke der einzige Stromanbieter in dieser Region ist und bekanntlich vorwiegend Strom aus umweltbelastender Kohlekraft herstellt, wird es für Apple schwierig werden, seinen eigenen Aussagen gerecht zu werden.

Nachdem Apple seinerzeit angekündigt hat, dass das Rechenzentrum in einer zweiten Phase ausgebaut werden soll, wird das Unternehmen sogar noch mehr Strom benötigen. Ein größeres Rechenzentrum könnte also bedeuten, dass noch mehr Kohle von Duke Energy verbrannt wird.

Apple könnte die Energie aus umweltschädlicher Kohlekraft kompensieren, indem es Herkunftsnachweise von Strom aus Erneuerbaren Energieträgern in North Caroline zukauft. Herkunftsnachweise von Strom aus Erneuerbaren Energieträgern sind eine Methode zur CO2-Kompensation. Firmen zahlen dafür, dass Projekte im Bereich Erneuerbare Energieträger finanziert werden, nutzen jedoch den Strom aus diesen Projekten nicht selbst. In anderen Worten: Wenn Apple Herkunftsnachweise für Erneuerbare Energieträger zukauft, dann würde von Duke Energy nicht ein Stückchen Kohle weniger verbrannt und nicht ein Milliwatt mehr Strom aus Erneuerbaren Energieträgern produziert werden, um Apple's iCloud mit Strom zu versorgen. Diese Methode würde Apple zwar auf dem Papier „kohlefrei“ machen, wäre aber sehr kümmerlich für ein Unternehmen, das stetig auf seine Innovationskraft pocht.

Apple könnte dabei helfen, dass neue Projekte im Bereich Erneuerbarer Energieträger in North Carolina gebaut werden, indem das Unternehmen sich in Form von langfristigen Verträgen dazu verpflichtet, Strom aus diesen Projekten zu beziehen. Ähnlich hat es bereits Google mit einem Windpark anderswo im mittleren Westen der USA vorgezeigt. Apple könnte überdies seine Macht als einer der zehn größten Kunden von Duke Energy nützen, indem das Unternehmen von Duke fordert, mit sauberem Strom beliefert zu werden. Wenn Duke seine Investitionen weg von der Errichtung umweltschädlicher Kohlekraftwerke hin zu klimafreundlichen Projekten im Bereich Erneuerbar Energie verlagert, dann profitiert nicht nur Apple, sondern der ganze US-Bundesstaat North Carolina aufgrund des größeren Angebots an Erneuerbaren Energieträgern davon.

Apple muss überdies bekannt geben, wie das Rechenzentrum in Pineville, Oregon (USA) mit Erneuerbaren Energieträgern versorgt werden soll. Apple behauptet: "... wir haben Zugang zu genügend Strom, der von regional produzierten Erneuerbaren Energieträgern stammt, der völlig ausreicht, den Bedarf des Rechenzentrums zu decken". Apple sollte daher einen genauen Plan präsentieren, wie das Rechenzentrum in Oregon mit Strom aus lokal produzierten Erneuerbaren Energieträgern ohne den Einsatz irgendwelcher Kompensations-Systeme versorgt wird.

Schlussendlich muss sich Apple dazu verpflichten, dass alle künftigen Rechenzentren den mutigen Aussagen des Apple Finanzvorstandes Oppenheimer entsprechen. Denn je mehr Menschen weltweit die iCloud nutzen, desto mehr Rechenzentren wird Apple benötigen. iCloud Kunden wollen Dienste nutzen, die mit umweltfreundlicher Energie und nicht mit Kohlekraft betrieben werden. Daher muss Apple nun Richtlinien festlegen, die sicherstellen, dass gegenwärtige und künftige Rechenzentren des Unternehmens mit klima- und umweltfreundlicher Energie versorgt werden. Bis dies der Fall ist, wird Greenpeace weiter am Ball bleiben und auch die Apple KundInnen über die Fortschritte informieren.

Apple hat nun gezeigt, dass sie auf ihre KundInnen hören. Die spannende Frage ist nun, ob Microsoft oder Amazon einen Schritt weiter als Apple gehen werden.