Die Noble Discoverer im Atlantik.

Shells Versuch in der Arktis nach Öl zu bohren, hat einen erneuten Rückschlag erfahren. Die am vergangenen Sonntag an Bord des Bohrschiffes “Noble Discoverer”, einem ehemaligen 46 Jahren alten Massengutfrachter, gestartete erste Bohrung in der Chukchi See, nördlich von Alaska, musste unterbrochen werden.

Nach einem Tag das vorläufige Aus

Nach Angaben des Konzerns bewegt sich eine 50 mal 12 Kilometer große Meereisfläche auf die Bohrstelle zu. Diese Entwicklung zeigt, wie gefährlich es ist in der Arktis nach Öl zu bohren. Schon der Start musste von Juli auf September verschoben werden, da sich dieses Jahr das Meereis in dieser Region sehr spät zurück gezogen hat.

Das ist aber nicht der einzige Grund für die Verzögerungen des 4,5 Milliarden US Dollar teuren Ölabenteuers des Ölgiganten. Ein wesentlicher Baustein im sogenannten Notfallplan für Ölunfälle ist, dass das zur Ölbekämpfung umgebaute Schiff “Arctic Challenger” bis heute nicht die notwendige Erlaubnis durch die US-amerikanische Küstenwache hat, um in der rauen arktischen See agieren zu dürfen. Das Schiff liegt noch immer tausende Kilometer entfernt im US-Bundesstaat Washington.

Shell lässt nichts unversucht

Doch Shell lässt nichts unversucht, um noch in diesem Jahr zum Zuge zu kommen. Ihr abstruser Vorschlag an die zuständigen Behörden: Shell fängt mit den Bohrungen an, stoppt aber rechtzeitig, bevor sie auf ölführende Schichten treffen. Erst wenn die “Arctic Challenger” mit den notwendigen Papieren eintrifft und einer Verlängerung der Bohrerlaubnis über den genehmigten Zeitraum hinaus zugestimmt wurde, dringen die Bohrer tiefer in den arktischen Boden, um an das heiß begehrte Öl zu gelangen. Gefragt, genehmigt, seit Sonntag umgesetzt…

Nun kommt das Meereis auf das Bohrschiff zu und durchkreuzt schon nach wenigen Stunden die Bohrpläne. Ich frage mich, was braucht es noch, um zu zeigen, dass die Arktis kein Ort ist, um nach Öl zu bohren?

Es ist wie ein schlechter Horrorfilm mit einer realen Tragödie als Kern. Shells laufende Fehlschläge sollten endlich alle Beteiligten – Behörden, Investoren und andere Ölkonzerne mit ähnlichen Absichten – wachrütteln. Das Projekt arktische Ölbohrungen muss umgehend beendet werden!

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Jörg Feddern ist Biologe und arbeitet bei Greenpeace Deutschland zurzeit vor allem zum Thema Öl.