Das Wirtschaftsblatt hat die Leistung der Verbund-Aktie analysiert. Das Ergebnis muss für Geschäftsführer Anzengruber sehr ernüchternd sein: der Aktienkurs ist im Keller, die Aussichten sind schlecht und mehrere Analysten empfehlen, die Aktie zu verkaufen.

Eine interessante Bewertung, denn der Verbund besitzt viele Wasserkraftwerke, die heißbegehrten, sauberen und wertvollen Strom produzieren. Die Speicherkraftwerke produzieren dazu teuren Spitzenstrom. Eigentlich müssten also die Kassen klingeln. Was macht Anzengruber nur falsch?

Nach der Katastrophe in Fukushima ist Strom aus Wasserkraft mehr gefragt als je zuvor. Aber Anzengruber hat sich derart ungeschickt verhalten, dass seine Wasserkraftfirma ein Atom-Image bekommen hat. Statt die Anti-Atomkraft-Stimmung zu nutzen und damit die Nachfrage nach sauberen Strom nachhaltig zu verstärken, meint Anzengruber, Ökostrom verschmutze die Leitungen. Obwohl eine breite Mehrheit in der österreichischen Bevölkerung ein Importverbot für Atomstrom will, wehrt sich Anzengruber vehement dagegen und setzt stattdessen alles daran, einen Atomstrom-Import-Stopp zu verhindern.

Damit hat er jetzt eine Kampagne von Greenpeace und Global2000 am Hals, und immer wieder muss Anzengruber erklären, wie das jetzt mit dem Atomstromanteil beim Verbund ist. Auch deshalb dürfte die Stimmung im Unternehmen nicht sehr gut sein - obwohl doch gerade motivierte Mitarbeiter das wichtigste Kapital einer Firma sind.

Gegengesteuert wird mit einer Werbekampagne, die zwar Millionen verschlingt, aber nicht imstande ist das Bild zu ändern - und das ausgerechnet in einer Zeit, in der das Thema Inseratenschaltungen und objektive Berichterstattung vermehrt Aufmerksamkeit bekommen hat.

Was muss Anzengruber jetzt tun? Als Teil einer Imagekorrektur könnte es hilfreich sein, wenn der Verbund sich nicht länger als Atomstromlieferant, sondern als Anti-Atomkonzern positioniert, und die Forderung nach einem Importverbot öffentlich unterstützt. Ob es den Aktienkurs in die Höhe treibt wird man sehen, aber zumindest wäre er damit die andauernden Kritik von Umweltorganisationen los. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten wieder etwas mehr stolz auf ihren Arbeitgeber sein. Das alleine müsste es eigentlich schon wert sein.

Jurrien Westerhof, Anti-Atom-Sprecher bei Greenpeace