Wird die Gentechnik zur Falle für die Bayer – Aktie?

Wien, 31. März 2009 Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace protestierten heute vor dem Wiener Büro des deutschen Pharma-Konzerns BAYER. Dieser plant einen gentechnisch veränderten Reis mit dem Namen ‚LL62’ auf den Lebensmittelmarkt zu bringen, der insbesondere für Kleinkinder eine Gesundheitsgefahr darstellen kann. ©Greenpeac/Prinz Kurt

Der deutsche Pharma- und Agrar-Konzern Bayer, bekannt durch Aspirin, wurde jetzt von einem US-amerikanischen Gericht in erster Instanz zu Strafzahlungen von 2 Millionen USD (1,35 Mio. €) verurteilt. Zwei Reisbauern hatten Bayer auf Schadenersatz geklagt, weil ihre Ernte 2006 durch einen gentechnisch veränderten Reis aus dem Labor von Bayer verunreinigt wurde. Nachdem die Verunreinigung viele Jahre später in den Supermarktregalen vieler Länder entdeckt wurde - darunter auch Österreich - brachen die gesamten Reis-Exporte aus den USA zusammen. Dadurch erlitten die US-amerikanischen Reis-Bauern massiven Schaden. Weitere tausend Klagen sind bereits in Vorbereitung. Sollte Bayer auch bei den nächsten Verhandlungen schuldig gesprochen werden, können die Schadenersatzzahlungen die Milliardengrenze überschreiten. Das hätte massive Auswirkungen auch auf den Aktienkurs des Unternehmens.

Was war geschehen?

Bayer testete seinen gentechnisch veränderten Reis, mit dem klingenden Namen LL601, in Feldversuchen unter wissenschaftlicher Bobachtung in den USA in den Jahren 1997 bis 2001. Der Reis wurde nie kommerziell angebaut und dennoch verunreinigte er nach Schätzungen des Anwaltes der klagenden Bauern rund 30 Prozent des weltweiten Reishandels. Der Gesamtschaden für Landwirte und Handel wird je nach Schätzungen auf 0,75 Mrd. bis 1,3 Mrd. USD beziffert. 2006, also viele Jahre nachdem die Versuche eingestellt wurden, tauchte der Reis plötzlich in der Nahrungsmittelkette vieler Länder weltweit auf. Der österreichische Handel reagierte damals erfreulicherweise prompt und lies den Reis entfernen.

Bayer hatte bislang behauptet für die Verunreinigungen keine Verantwortung zu tragen, weil sie alle denkbaren Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hätten. Es sei „höhere Gewalt“ gewesen oder wie es im Englischen so schön heißt „an act of god“. Dass aber Gott mit der ganzen Sache nichts zu tun hat, stellte die Jury des Gerichtes jetzt klar und verurteilte Bayer zu Zahlungen.

Man fragt sich nur, wenn der Anwalt von Bayer wirklich recht hat und alles in ihrer Macht stehende getan wurde, um das Entweichen des Gentech-Saatgutes zu verhindern, dann kann die logische Conclusio nur sein: Gentechnik ist nicht kontrollierbar!

Übrigens: In Europa versucht Bayer gerade die Zulassung für seine Nachfolgesorte LL62 durchzusetzen. Wir rechnen mit einer Entscheidung der Europäischen Kommission im ersten Quartal 2010. Weitere Infos zu unserer Kampagne gegen den Risiko-Reis von Bayer finden Sie hier .

Philipp Strohm, Gentechniksprecher