Anja Freudenberg berichtet von den Klimaverhandlungen in Bonn, Vorverhandlung für die Weltklimakonferenz (COP 17) im südafrikanische Durban im Herbst 2011.

Heute habe ich den Diskussionen der Arbeitsgruppe Kyoto Protokoll zum Streitpunkt Verlängerung der vertraglichen Verpflichtungen zugehört. Verschiedene Industriestaaten halten auch weiterhin an ihren Bedingungen fest, nur weitere Verpflichtungen einzugehen, wenn dabei auch alle Schwellenländer eingeschlossen werden. Einige, namentlich Neu Seeland, Australien, Canada, USA und Russland würden es sowieso vorziehen ihre Reduktionsziele im Rahmen freiwilliger bilateraler Abkommen zu erfüllen.

Vor allem Neu Seeland macht eine Verlängerung des Kyoto - Protokolls abhängig von den zur Verfügung stehenden Resultaten und Instrumenten zur Eindämmung des Klimawandels. Diese seien momentan nicht ausreichend um die nötigen Ergebnisse zu erzielen (zum Beispiel Erderwärmung auf 1,5° zu begrenzen). Ich frage mich, wenn ein international bindendes, faires und ambitioniertes Abkommen nicht gut genug ist, wie können es dann ein paar halbherzige, unverbindliche Versprechen einiger einzelner Länder sein? Also bitte!

Nach fast 15 Jahren Investitionen von Geld, Zeit und Mühe in das Kyoto - Protokoll darf die Idee nicht mit ein paar leicht durchschaubaren Ausreden weggeschmissen werden. Ich gebe der Europäischen Union Recht mit ihrer Aussage, das der politische Wille ausschlaggebend ist und nicht durch rechtliche Hindernisse ausgebremst werden sollte. Allerdings sollte die EU ihren eigenen Ratschlag beherzigen, und nicht den Teufel an die Wand malen. Es ist die Sorge der EU, dass sich eine Lücke zwischen Kyoto I und II eventuell nicht vermeiden lässt, und daher Alternativen zumindest in Erwägungen gezogen werden sollte.

Sicher, einen Plan B in der Hosentasche zu haben ist immer von Vorteil, doch Zeit die mit einem Plan B verbracht wird, ist Zeit die NICHT mit einer Verlängerung des Kyoto - Protokolls verbracht werden kann. Und diese Zeit ist ohnehin schon Mangelware. Daher appelliere ich dafür, sämtliche Entschlusskraft auf ein Ziel zu vereinen, und mit dem Erbsenzählen aufzuhören. Länder wie Brasilien, Bolivien, China und Tuvalu haben es auf den Punkt gebracht: Das Kyoto - Packet ist kein wünsch-dir-was, es geht dabei nicht darum welche Elemente Industrieländer zu benutzen wünschen. Kyoto ist eine Wahl zwischen dem gesamten Paket oder gar keinem Paket. Industrieländer können nicht eintragsreiche Strukturen wie die Clean Deveopment Mechanism (Emissionshandel) weiterführen, aber ihre Reduktionsziele, die der einzige Zweck der CDM sind, vernachlässigen. Dieser Punkt geht definitiv an Brasilien, Tuvalu und Co. Was nicht bedeutet, diese Band darf sich einen Heiligenschein aufsetzten, das bei weitem nicht.

Momentan macht jede Partei mangelnde Einsicht mit Starrsinn und Kompromisslosigkeit wett. Etwas mehr Besinnung auf unsere gemeinsame Grundlage - nämlich eine Umwelt, die sich nicht durch Grenzen kontrollieren lässt – würde dem Prozess sicher gut tun.

Liebe Grüße, Anja