Wäre BP beim Betrieb der Bohrplattform Deepwater Horizon genauso penibel vorgegangen wie  bei der Schadensbegrenzung nach der Explosion derselben, dann wäre es womöglich nie zu der Katastrophe gekommen.

Ein schlauer Schachzug wurde jetzt öffentlich: Seit einiger Zeit versucht BP, Wissenschaftler aus der Golfregion mit lukrativen Angeboten  für Forschungsprojekte zu gewinnen. Die wichtigste Bedingung dabei: die Forscher dürfen ihre Studien drei Jahre lang nicht veröffentlichen, nicht daraus zitieren, und nicht mal mit Kollegen darüber reden. Denn da BP der Auftraggeber ist, ist das Unternehmen auch Eigentümer der Forschungsdaten und darf entscheiden was mit den Studien passiert – also ob sie veröffentlicht werden, oder doch lieber in der Schublade landen.

Das Problem dahinter: viele Universitäten haben kaum Geld um ihre Forschungsarbeit zu finanzieren. Die Universitätsmitarbeiter dürfen daher acht Stunden pro Woche als Berater arbeiten und sich so etwas dazu verdienen. Jetzt kommt BP zu ihnen und bietet 250 US-Dollar pro Stunde, das kann sich pro Jahr auf über 100.000 Dollar summieren. Bei diesem Betrag kriegt dann wohl so mancher Wissenschafter weiche Knie…

Die wachsende Bedeutung der Industrie und Privatwirtschaft bei der Finanzierung von Universitäten und Forschungsprojekten wird ohnehin immer mehr zu einem großen Problem. Gefährlich wird es aber, wenn ein Unternehmen, das eine große Katastrophe zu verantworten hat, Wissenschaftler „kauft“, um die wissenschaftliche Berichterstattung zu kontrollieren und zu vermeiden, dass das wahre Ausmaß der Katastrophe bekannt wird.
Das ist keine Finanzierung von freier Forschung, das ist Schweigegeld.

Jurrien Westerhof

Zu diesem Thema gibts übrigens einen empfehlenswerten, ausführlichen Blog des US-Journalisten Ben Raines.