Im Zweifel für den Zweifel, heißt es in diesen Tagen so schön. Aber wie geht man um mit Menschen, die sich als unschuldige Zweifler tarnen und dabei gezielte Angriffe gegen wissenschaftliche Institutionen führen, um deren Glaubwürdigkeit zu erschüttern und die fossile Industrie zu unterstützen?

Klimazweifler, der: Von großen Konzernen bezahlter Publizist, der durch bewusste oder unbewusste Desinformation, Gerüchte und nicht belegte Ansichten Zweifel am durch den Menschen verursachten Anteil der globalen Erwärmung anmeldet.

Der neue Greenpeace Report "Koch Industries - Secretly funding the Climate Denial Machine" deckt auf, wie ein Konzern namens Koch Industries Millionen von Dollar an Organisationen und Think Tanks fließen lässt, um den menschlichen Anteil am Klimawandel zu leugnen.

Ihnen sagt Koch Industries nichts? – Kein Wunder, rühmt sich der Vizepräsident des Konzern David Koch doch damit, dass er dem größten Konzern vorsteht, von dem Sie noch nie gehört haben. Immerhin rangiert Koch Industries auf Platz 9 der aktuellen Forbes Liste der reichsten Amerikaner.

Knapp 25 Millionen Dollar wurden von Koch Industries in den Jahren 2005 bis 2008 für Klima-Skeptizismus ausgegeben. Dieselbe Summe wurde in den Jahren davor bereits direkt gespendet oder für kritische Studien verwendet. Aktuell werden 35 Organisationen und 21 US-Abgeordnete von Koch Industries direkt oder über Subunternehmen und Stiftungen bezahlt.

„Koch’s chief political influence tool is a web of interconnected, right-wing think tanks and advocacy groups founded by foundations controlled and supported by the two Koch brothers.”, schreibt beispielsweise das Center of Public Integrity über die Machenschaften der beiden Brüder Charles und David Koch jenseits der Öffentlichkeit. Der Fokus dieses Netzwerks liegt oftmals im Kampf gegen ökologische Mindeststandards und Umweltgesetze, sowie für eine Ausweitung der Verschmutzungsrechte durch die Industrie.

Die Spendenliste von Koch Industries reicht sowohl in den US-Senat wie auch ins Repräsentantenhaus und es stehen sowohl Republikaner als auch Demokraten auf der Liste. Seien Sie also nicht verwundert, wenn Namen wie Henry Cuellar oder Blanche Lincoln in den Medien auftauchen, die Präsident Obama im Umweltschutz die Unterstützung verwehren oder ein US-Klimaschutzgesetz weiter verwässern und damit ein internationales Klimaschutzabkommen gefährden. Unsere KollegInnen in den USA haben zu den Geldströmen rund um Koch Industries auch eine animierte Grafik aufbereitet.

Aber das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Szene der Klimaskeptiker agiert. Dies wurde im Vorfeld der letzten Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen, die so spektakulär gescheitert ist, deutlich. "Climategate" wurde ins Leben gerufen: Der Computer der Universität von East Anglia in Großbritannien wurde gehackt, private E-Mails von Wissenschaftlern kopiert und veröffentlicht.  Dabei wurde suggeriert, dass Daten, die den Klimawandel anzweifeln, von den WissenschafterInnen unterdrückt oder manipuliert wurden. Ein Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments hat die Vorwürfe unter die Lupe genommen und ist zu einem klaren Ergebnis gekommen: Es herrscht kein Zweifel an den wissenschaftlichen Ausführungen und kein Zweifel unter den KlimaforscherInnen, dass der Klimawandel vom Menschen beeinflusst wird.

Niklas Schinerl, Greenpeace Klimaexperte