Anja Freudenberg berichtet von den Klimaverhandlungen in Bonn, Vorverhandlung für die Weltklimakonferenz (COP 17) im südafrikanische Durban im Herbst 2011.

Gestern wurde die Bonner Klimakonferenz wenig glorreich mit den ersten Streitereien eröffnet. Die UN-Körperschaft für Implementierung (SBI) scheint nicht lang genug im vorneherein über die herannahende Klimakonferenz informiert gewesen zu sein; anders lässt sich nicht erklären, warum die Damen und Herren anstatt über Emissionsreduktionsziele, Reduktionsmethoden oder essentiell eine Fortsetzung des Kyoto-Abkommens streiten, sonder darum, über was überhaupt gestritten werden soll. Richtig gelesen, die Abgeordneten können sich nicht einig werden, welche Punkte überhaupt im Plenum diskutiert werden sollten. Daher wurde das Plenum der SBI auf einen Tag später, auf den Dienstag verschoben. Ärgerlich ist das auf jeden Fall einen vollen Verhandlungstag zu verlieren, weil jeder etwas anderes an der vorher festgelegten Agenda auszusetzen hat.

Warum man trotzdem nicht den Glauben und die Hoffnung auf die Klimaverhandlung verlieren sollte? Einfach: Weil, so unglaublich das klingt, die Abgeordneten selbst noch immer so etwas wie Glauben zu haben scheinen. Warum sonst würden sie sich mehrmals jährlich frustrierende Marathonkonferenzen antun, für die es negative Pressemeldungen hagelt? Ein internationales Klimaabkommen ist noch immer das effektivste Instrument um mit vereinten Kräften – eingeschlossen die Industrie, die schon lang auf klare Zeichen wartet, zwecks Investmentplanung – um die Erderwärmung auf max. 2°, wünschenswerterweise auf max. 1,5° zu begrenzen. Das erkennen trotz aller negativer Presse auch viele Delegationen.

Auf dem heutigen Plenum der Arbeitsgruppe zur Fortsetzung des Kyoto- Abkommens (AWG-KP) blieben mir vor allem die Worte des AOSIS-Sprechers (Alliance of Small Island States) in Erinnerung: „rules are commitment“ und deshalb ist es notwendig „to get down to business“. Insgesamt betonten alle sprechenden Gruppen (G77, AOSIS, African Group, Rainforest NAtions, Environment of Integrity Group, Least Developed Countries, ALBA, sogar Arab States) in ihren Eröffnungsstatements die unabkömmliche Voraussetzung einer zweiten Abkommensphase des Kyoto-Protokolls als Vorrausetzung für effektive und effiziente Klimapolitik. Die meisten appellierten außerdem an die Industriestaaten ihre Ziele hochzuschrauben und bereits versprochene Ziele auch tatsächlich einzuhalten und Schlupflöcher in der CO2-Berechnung zu schließen.

Bleibt zu hoffen, dass zögernde Parteien wie die EU, Russland oder die USA diese bereitwillig ausgestreckte Hand ergreifen, und endlich einen Kompromiss aushandeln. Bleibt nur noch zu hoffen, dass alle Seiten, sowohl Entwicklungs- und Schwellen- als auch Industrieländer zu Kompromissen bereit sind, und endlich einen brauchbaren fairen, ambitionierten, bindenden Vertrag fabrizieren. Und ehrlich gesagt, diese Hoffnung sollte nicht unter „Kyotot ist tot“- Rufen begraben werden, sondern mit lauter Stimme eingefordert werden. Je geringer die Erwartungen an unsere Volksvertreter, umso geringer der Druck und die Ambition Erfolge vorzuweisen. Also lasst eure Hoffnungen nicht den Bach runtergehen, sondern macht eure Hoffnungen bemerkbar!

Liebe Grüße aus Bonn, Anja