Am 22. Dezember 2010 hat die japanische Fischereiagentur den Korruptionsskandal in der Walfangindustrie zugegeben und sich öffentlich dafür entschuldigt. Ein Beamter der mächtigen Agentur verneigte sich im nationalen Fernsehen und erklärte, dass fünf Beamte dafür bestraft würden, Walfleisch-„Geschenke“ im Wert von ca. $ 3,000 USD angenommen zu haben. Das ist nun Beweis dafür, dass der Walfleischskandal, den Toru und ich 2008 aufgedeckt haben und der vor Gericht durch Zeugenaussagen bestätigt wurde, tatsächlich stattgefunden hat und, dass sich Korruption vom Fabrikschiff bis in die Regierungskreise, die das Walfangprogramm kontrollieren, durchgezogen hat. Was wir aus erster Hand erfahren haben, wurde jetzt im nationalen Fernsehen bestätigt.

Die Verbeugung im Video wirkt wie Getue, doch ich kann Ihnen versichern, dass das etwas sehr Ungewöhnliches in Japan ist – vor allem deshalb, weil es hier um den Walfang geht! Ein hoher Beamter, der sich in Bezug auf den Walfang entschuldigt, war noch vor ein paar Monaten völlig undenkbar. Und doch ist es jetzt passiert.

Die Fischereiagentur bestätigte, dass die fünf beschuldigten Beamten mit einem Disziplinarverfahren zu rechnen haben. Toru und ich haben 2008 eine Schachtel mit unterschlagendem Walfleisch abgefangen und damit den Korruptionsskandal aufgedeckt, den die Fischereiagentur jetzt zugegeben hat. Für den Vorwurf des Diebstahls und Hausfriedensbruchs wurden wir angeklagt und 2010 zu einem Jahr – auf drei Jahren bedingt – verurteilt. Wir wissen nicht, wie die genaue Strafe für Beamten aussieht, aber wir wissen, dass sie weder vor Gericht gestanden sind, noch eine Haftstrafe zu verbüßen haben. Das unterschlagene Fleisch hatte den 6-fachen Wert jener Menge Walfleisch, wofür Toru und ich beschuldigt wurden.

Seit der Entschuldigung im Dezember sind noch mehr Informationen ans Tageslicht gekommen. So hat die Agentur angegeben, dass zwei weitere Beamte offiziell verwarnt worden sind. Einer dieser war Senior Manager Jun Yamashita, der zweithöchste Staatsdiener in der Fischereiagentur und ein prominenter Verhandler bei den IWC (International Whaling Commission) Meetings. Yamashita hat daraufhin die Agentur verlassen.

Das ist eine wichtige Entwicklung und eine sehr positive im Sinne des Endes des japanischen Walfangs. Yamashita war in diversen Walfang Verhandlungen involviert, unter anderem ein Treffen von Pro-Walfang Parteien in Shimonoseki im letzten November.
Die Walfangindustrie kaum noch sichtbar. Die Lager mit tiefgefrorenem Walfleisch sind auf einem Höchststand, obwohl die Fangquoten kleiner sind.

Die Lager mit tiefgefrorenem Walfleisch sind auf einem Höchststand, obwohl die Fangquoten kleiner sind.

Der Tokyo Two-Prozess, die Entschuldigungen der Fischereiagentur, sowie die Woge von Medienberichten, die das korrupte Walfangprogramm hinterfragten hatten Auswirkungen auf die öffentliche Meinung in Japan (vor allem hinsichtlich des vollkommenen Desinteresses, Walfleisch zu essen). Die Menschen fangen an zu sehen, dass Walfang keinem Zweck dient und Japan davon nicht profitiert. Für die Generation meines Vaters war Walfleisch überall: in Schulen, Supermärkten, und izakayas (Japanischen In-Lokalen). Heutzutage ist die Walfangindustrie kaum noch sichtbar und die Lager von tiefgefrorenem Fleisch sind auf einem Höchststand, obwohl die Fangquoten kleiner sind. Auch ernsthafte Marketingversuche, die Lagerware loszuwerden, sind gescheitert.

Letzte Woche hat Kazuo Yamamura, der CEO des Betreibers der Walfangflotte und Vorsitzender des Japanischen Walfang Verbands auch zugegeben, dass die Walfleisch Verkäufe im ersten Halbjahr 2010 um 30% zurückgegangen sind und den Verband – dem größten Befürworter von Walfleisch in Japan – gezwungen hat, seine Aktivitäten zurückzufahren. Die Situation ist klar: mit der Industrie geht es immer schneller bergab. Unsere Kampagne, den Verkauf von Walfleisch in Japan zu drücken, funktioniert.

Die Flotte ist angeschlagen, jedes Jahr fängt sie freiwillig weniger Wale, die sie nicht verkaufen oder sich nicht leisten kann zu lagern. Das gelagerte Fleisch und der fehlende Gewinn bedeutet, dass die Schiffe nicht mehr gewartet oder ausgetauscht werden können ohne noch mehr Förderungen aus Steuergeld zu bekommen. Die Regierung sollte kein Geld mehr an dieses Programm verschleudern, angesichts der Tatsache, dass die letzten Eingeständnisse sicher nur die Spitze des Eisbergs sind.

Mit all diesen Veränderungen, die hier zusammenkommen, bin ich zuversichtlich, dass wir das letzte Kapitel des japanischen Walfang-Programmes erleben. Wenn unsere Berufung erfolgreich ist und Toru’s und meine Verturteilung vom Obersten Gerichtshof am 24. Mai aufgehoben wird, werden wir zweifellos noch näher dran sein, dieses leidvolle Kapitel schließen zu können.

Danke für Ihre treue Unterstützung!