Bernd Schaudinnus am Strand von La Coruna.

Greenpeace Mitarbeiter Bernd Schaudinnus erinnert sich…

Am 13. November 2002 havarierte der Öltanker "Prestige" vor der Küste Nordspaniens und verursachte eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte Europas. Die Bilder davon gingen um die Welt und schwappten auch in mein Wohnzimmer. In den Nachrichten sah ich die Ölkatastrophe und dachte mir, wir sollten hinfahren und helfen.

Ich war damals als Assistent in der Akltionsabteilung bei Greenpeace in Österreich tätig. Am Folgetag der Katastrophe ging ich aufgeregt in unser Büro und schlug vor nach Spanien zu fahren, um den Menschen vor Ort und den Greenpeacekollegen zu helfen.

Nun ist es Greenpeace Tradition bei Unfällen ein "Rapid Response Team" loszuschicken. Aber gleich von Wien nach La Coruña in Spanien?

Ein weiter Weg und warum gerade wir?

Mein Argument war einfach. Wir hatten zu dieser Zeit unser "Landship", einen umgebauten LKW mit  Laboreinrichtung und Schlafplätzen für 6 Leute. Wir könnten also vor Ort die gesamte Küste der Costa da Morte, südlich von La Coruña, abfahren und die Folgen der Ölkatastrophe dokumentieren.

Am Nachmittag des gleichen Tages hatte ich ein Team zusammengestellt und wir starteten noch am selben Abend. Ohne Unterbrechung fuhren wir Tag und Nacht - insgesamt ca.2700 Kilometer. 3 Tage später kamen wir im Morgengrauen in La Coruña an und hatten gleich unser erstes Meeting mit den spanischen Kollegen.

Wenn das Wasser nach der Flut wieder abfließt, bleibt das Öl zurück.

© Greenpeace/Kurt Prinz

Wir fuhren viele Kilometer der Küste auf der Suche nach dem Öl ab. So unglaublich es auch klingen mag, das war gar nicht so einfach. An der Atlantikküste gibt es eine sehr starke Tide. Bei Flut nimmt das Wasser das Öl mit und schwemmt es auf den Sand. Wenn das Wasser wieder abfließt, bleibt das Öl zurück. Dieses schwere Öl wird von Ebbe und Flut mit dem Sand zusammengerollt. Diese Öl-Sand-Rollen wandern zurück ins Meer, wo sie als ökologische Zeitbomben liegen bleiben. Der Sandstrand ist hinterher völlig „sauber“. Kein Blatt, kein Ast, kein Plastik und kein Öl sind zu sehen. Alles wurde eingerollt und im Meer deponiert. Steine und Pflanzen allerdings waren völlig mit Öl bedeckt.

Ein erschreckendes Bild – ölverschmierte, verendete Seevögel. 250 000 Vögel starben an der Costa da Morte.

© Greenpeace/Kurt Prinz

Gemeinsam mit sehr vielen freiwilligen Helfern haben wir das Öl mit Schaufeln in Kübel verfrachtet. Dieses Öl stinkt unglaublich, ist zäh und sehr schwer. Die Gummistiefel blieben stecken. Eine mühsame und verzweifelte Arbeit. Aufgabe von Greenpeace  war es auch die Verantwortlichen auszumachen und an die Öffentlichkeit zu bringen. So hielten wir es in La Coruña. Wir brachten viele dieser Kübel voll Öl vor die Präfektur und malten damit ein Banner. Unser Protest galt auch der spanischen Exekutive, die den Menschen vor Ort nur sehr mangelhaft half.

Mehrere Tage lang dokumentierten wir die Umweltschäden entlang der Küste und halfen, wo wir konnten. Immer wieder bot sich uns das gleiche, erschreckende Bild - hunderte ölverschmierte, verendete Seevögel. Insgesamt waren es über 250 000 Vögel, die an der Costa da Morte gestorben sind!

Die Spätfolgen solcher Katastrophen sind schleichend und langwierig. Die wirklichen Verantwortlichen stehen auch nach 10 Jahren nicht vor dem Gericht!

Am  16. Oktober 2012!! begann ein Prozess gegen 4 Besatzungsmitglieder, die wirklichen schuldigen verstecken sich im Dschungel von Scheinfirmen und dubiosen Billigflaggen - noch heute.

© Greenpeace/Kurt Prinz