Frau Akiyo Suzuki muss seit der Fukushima Katastrophe getrennt von ihrem Mann und der ältesten Tochter leben.

Die Fehler des Systems werden uns durch die schrecklichen Auswirkungen auf Menschen nach einer Atomkatastrophe vor Augen führt.

Fast zwei Jahre nach der Katastrophe von Fukushima ist das Leben von hunderttausenden Menschen in Japan noch immer zerstört. Durch die Katastrophe wurde ihr Leben auf den Kopf gestellt. Sie wurden von ihrem Zuhause vertrieben, sie haben ihre Arbeit verloren, Familien wurden zerrissen und ganze Gemeinden mussten wegen der radioaktiven Verstrahlung verlassen werden.

Bis heute sind die Menschen in der Region nicht ausreichend und angemessen entschädigt worden.

Viele können noch immer nicht nach Hause zurückkehren oder sich ein neues Zuhause woanders aufbauen. Stellen Sie sich vor, so in der Schwebe zu hängen, so zwischen Vergangenheit und der Zukunft stecken zu bleiben.

Wie kann so etwas passieren?

Die Schuld daran trägt das unfaire System, das die Atomindustrie davor schützt, für seine Fehler zu bezahlen. Dieses System nennt sich nukleare Haftung. Haftung? Für die Menschen in Fukushima bedeutet das Wort nichts als blanke Ironie.

Besonders die Atomindustrie, von der massive Sicherheitsrisiken für Mensch und Umwelt ausgeht, muss die Verantwortung übernehmen und für seine Schäden bezahlen, so wie auch Ölunternehmen für Ölkatastrophen zahlen müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Atomindustrie wird geschützt. Vor Jahrzehnten haben Regierungen dies veranlasst um den Betreibern von Atomkraftwerken beim Start zu helfen. Doch die Haftungsregime bedeuten für die Atomindustrie einen Freifahrtschein für Spekulationen mit der Sicherheit.

Greenpeace hat die Fehler dieses unfairen Systems in einem neuen Bericht untersucht, Fukushima Fallout: Nuclear business makes people pay and suffer.

Unabhängige Experten haben die derzeitige Situation in Fukushima untersucht und mit internationalen Haftpflicht-Konventionen verglichen. Das Ergebnis ist frustrierend: Alle gültigen Vereinbarungen nehmen die Atomindustrie aus ihrer Verantwortung und zwingen die Folgekosten eines atomaren Unfalls der Bevölkerung auf.

Bei einem Unfall verlangt dieses System von dem Atomkraftwerksbetreiber nur einen äußerst geringen Anteil der gesamten Kosten. Selbst in Japan, wo Betreiber eigentlich den ganzen Schaden bezahlen müssen, hat TEPCO, der Betreiber des Atomkraftwerks Fukushima schlichtweg nicht genug Geld, um mehr als nur einen kleinen Anteil zu bezahlen. Das marode Unternehmen wurde verstaatlicht, die Kosten dafür wurden von der Bevölkerung übernommen.

Und es kommt noch schlimmer. Die Haftungskonventionen kennen keine Verantwortung für Unternehmen, die Materialien für Atomkraftwerke liefern. Die weltweit größten Reaktor-Lieferanten, wie GE (General Electric), Hitachi und Toshiba, haben für die Atomkatastrophe in Fukushima keinen Yen an die Opfer bezahlt.

Der Unterschied zwischen den Kosten, die die Atomindustrie übernimmt, und jenen, die von der Bevölkerung geschultert werden, ist enorm. In den meisten Ländern, die Atomkraftwerke betreiben, müssen die Atomkraftwerksbetreiber für 350 Millionen bis1,5 Milliarden Euro aufkommen. Dieser Betrag ist geradezu winzig im Vergleich zu den realen Kosten einer Katastrophe.

So werden die Folgekosten des nuklearen Unfalls von Fukushima nach derzeitigen Berechnungen mit bis zu 250 Milliarden Dollar beziffert. Die geschätzten Kosten der Tschernobylkatastrophe 1986 liegen zwischen 55 Milliarden und 270 Milliarden Euro.

Die japanische Regierung musste TEPCO nationalisieren, da es nicht einmal in der Lage war die ersten Kosten unmittelbar nach dem Unfall abzudecken. Die wichtisten Lieferanten von TEPCO GE, Hitachi und Toshiba haben die Reaktoren nach einem fehlerhaften Konstruktionsplan gebaut. Doch sie werden geschützt. Von ihnen kommt keine Entschädigung.

Letztendlich zahlt die japanische Bevölkerung den Großteil der Kosten der Katastrophe.

Doch dieses Problem betrifft nicht nur Japan. Wenn es heute in einem der 436 Reaktoren weltweit zu einer Atomkatastrophe käme, wäre es genau das gleiche: Steuerzahler müssten den Großteil der Kosten bezahlen.

Es ist an der Zeit, dass dieses mangelhafte System verändert wird. Es ist ganz einfach: Die Unternehmen, die für das Risiko verantwortlich sind, müssen für ihre Fehler bezahlen, nicht die Menschen, die darunter leiden.

Greenpeace International hat eine Kampagne gestartet um dieses System zu ändern. Der Fukushima Fallout Report ist erst der Anfang.

Wir brauchen Ihre Hilfe.

Unterschreiben Sie die Petition. Lassen sie die Regierungen wissen, dass die gesamte Atomindustrie für Schäden, die sie verursacht, zur Verantwortung gezogen werden muss.

Rianne Teule, Energy Campaigner at Greenpeace International