Die Arctic Sunrise in Griechenland © Philip Reynaers / Greenpeace

Wenn jemand die Kollegin neben dir lauthals anschreit. Wenn seine Augen dabei aus seinem hochroten Kopf hervorzuspringen drohen und du dir Sorgen machst, dass er gleich einen Herzinfarkt bekommt, dann musst du die Sprache nicht verstehen, um zu begreifen, dass einiges an Emotion in der Luft liegt. Und das ist freundlich ausgedrückt. So ist es mir letzten Samstag bei einer Konferenz über die Gegenwart und Zukunft der Fischerei auf den Kykladen hier in Griechenland ergangen. Die Ruhe, die meine griechische Kollegin Angela Lazou in diesem brodelnden Raum behalten hat, war bewundernswert. Die Leute, die auf der Konferenz ihrer Wut freien Laufen gelassen haben, waren Vertreter verschiedener zerstörerischer Fischereimethoden, die in den Kykladen praktiziert werden: Grundschleppnetz-, Ringwaden- und Strandwadenfischer. Letzteres ist eine Fischereimethode, die seit zwei Jahren wegen ihrer hohen Zerstörungskraft an Griechenlands Stränden verboten ist.

Der bulgarische Fischer übergibt die Laterne an die griechischen Kollegen © Philip Reynaers/Greenpeace

Diese Leute schienen bereit zu sein, so weit wie nötig zu gehen, um Veränderung zu verhindern. Sie leugneten die Notwendigkeit der Veränderung ("es gibt ausreichend Fisch im Meer"), sie warfen uns acht Stunden lang verbale Aggressionen und unwahre Vorwürfe an den Kopf und machten deutlich, dass wir nach ihrem Dafürhalten nicht auf ihrer Insel willkommen sind. Dieser Ausbruch war bei unserer Ankunft in Griechenland nicht absehbar. Ganz im Gegenteil. Als wir auf der ersten Insel, Andros, ankamen, wurden wir von einer Flottille mit Fischerbooten, Segelbooten und Schlauchbooten begrüßt. Zwei griechische Fischer kamen an Bord der Arctic Sunrise und trafen sich mit dem bulgarischen Fischer, der uns aus Varna begleitet hat. Als Zeichen der Solidarität zwischen den europäischen kleinen Küstenfischern und für die wachsende Bewegung europäischer Kleinfischer, überreichte der bulgarische Fischer eine Laterne an sie. Er hat sie von dem rumänischen Fischer erhalten, der einige Tage zuvor mit uns nach Bulgarien gekommen war. Die Laterne reist mit der Arctic Sunrise, um zwischen den Fischern von Land zu Land weiter gegeben zu werden. Sie wird am Ende der Tour europäischen Entscheidungsträgern überreicht, um ihnen den Weg zu einer neuen, progressiven EU-Fischereipolitik zu leuchten.

Während der Konferenz am Samstag haben nur wenige Fischer zu Gunsten der nachhaltigen Kleinfischerei und der Notwendigkeit der Bewältigung der destruktiven Auswirkungen der industriellen Fischerei gesprochen. Aber mehrere Fischer kamen vor und nach der Konferenz zu uns, gratulierten uns zu unserer Arbeit, sprachen ihre Solidarität aus und dankten für unser Kommen und unsere Unterstützung. Die meisten der Kleinfischer waren zu besorgt, um in der Öffentlichkeit zu sprechen. Sie sind nicht gut organisiert, haben kaum politische Kontakte und Unterstützung - anders als die Hand voll lautstarker zerstörerischer Fischer, die während der Konferenz gegen den ‚wind of change‘ gebellt haben.

Die Bewegung der kleingewerblichen Fischer in Europa für nachhaltige Fischerei wird immer größer.

© Philip Reynaers / Greenpeace

Man kann versuchen die Transformation zu stoppen, indem man ihre Notwendigkeit leugnet, verbale Aggressionen lanciert oder andere bedroht. Es gibt jedoch eine wachsende Bewegung europäischer nachhaltiger Kleinfischer die Veränderung wollen. In ihrer "Gemeinsamen Erklärung der handwerklichen, umweltschonenden Fischer und Schalentierfischer in Europa", die auf dem ersten Europäischen Kongress handwerklicher Fischer im November letzten Jahres verabschiedet wurde, haben sie ihre Situation und was mit der neuen europäischen Fischereipolitik verändert werden muss, deutlich gemacht. Diese europäische Bewegung wird mit der wachsenden Anzahl der der Fischer gestärkt, die während der laufenden Schiffstour der Arctic Sunrise zur Unterstützung der europäischen Kleinfischer die Deklaration unterzeichnen.

Die Bremser können versuchen, das Schiff daran zu hindern den Hafen zu verlassen - aber die Segel sind gesetzt. Diejenigen Vorreiter, die jetzt an Board kommen, werden den Weg in die Zukunft der europäischen Fischerei mitgestalten.

Die Arctic Sunrise und ihre Crew ist derzeit entlang der europäischen Küsten unterwegs um kleingewerbliche Fischer zu unterstützen und mit Politikern und der Fischereiindustrie in Dialog zu treten - für eine nachhaltige gemeinsame Fischereipolitik.