Todmüde beginnen für mich die UN-Klimaverhandlungen im Polnischen Posznan. Waren recht wilde letzte Tage. Pünktlich zu den Terroranschlägen in Bombay hab ich Indien verlassen - hab am Flughafen in Bangalore noch die ersten Bilder gesehen - um dann 14 Stunden später in Wien einzutreffen. Ein Tag in Wien, um Kleidung für Klimaverhandlungen zu checken (Sackos, Hemden, Krawatten… lauter Zeugs was ich in Indien eher nicht brauch), ein paar Gespräche führen und ein paar Gläser trinkbaren Wein genießen. Dann weiter mit dem Nachtzug nach Polen. Um 4h früh in Katowice umsteigen und 1 ½ h in der nächtlichen Kälte auf den Anschlusszug warten. Das angenehme an den Verhandlungen im winterlichen Posznan ist definitiv, dass niemand neidisch drauf ist, dass man hinfährt oder versteckte Urlaubspläne vermutet. Da war Bali letztes Jahr ganz was anderes. Kaum in Posznan beginnt ein Sitzungsmarathon. Die KollegInnen aus aller Welt müssen auf den aktuellen Stand gebracht werden, NewcomerInnen gebrieft und überhaupt die heurige Arbeitsteilung ausgemacht werden.

Teil der Arbeitsteilung ist, dass jede Nacht mindestens ein Greenpeacer in das "editorial board" von ECO muss. ECO ist die tägliche Zeitung der NGOs in den Verhandlungen und ist sehr einflussreich. Alle - nämlich wirklich alle - Delegierten lesen ECO und es ist unser wichtigstes Kommunikationstool in den Verhandlungen. Ist natürlich für ein internes Publikum bestimmt aber sicher auch darüber hinaus interessant. Das tägliche ECO findest du unter: http://www.climatenetwork.org/eco/

Kann manchmal ein bisschen dauern bis es online gestellt ist, da ECO machen eine Nachtarbeit ist. Und letzte Nacht kam ich zum Handkuss. Ich kam um 10h abends in das Hotel in dem das ECO Büro untergebracht ist und dann begann die Torture. Die erste Nacht ist natürlich besonders, zum Beispiel waren die Computer noch nicht installiert und Internet musste erst gecheckt werden, etc. So kamen wir erst nach Mitternacht zu unserer eigentlichen Arbeit, das Lesen und redigieren von Artikeln. Leider war deren Qualität großteils zumindest diskutabel. So mussten wir noch ein paar Stunden in die Überarbeitung investieren bevor das erste Posznan-ECO endlich kopiert werden konnte. Schnell zurück ins Hotel und kurz schlafen, bevor der erste wirkliche Tag in der Konferenz beginnt. Jedenfalls wurde ECO 1 bei meinem Eintreffen im Konferenzzentrum bereits eifrig gelesen. Dafür lohnt es sich die Konferenz todmüde zu beginnen.