Ich war vor rund einem Jahr mal in Posznan (es war ähnlich kalt), um gemeinsam mit den polnischen KollegInnen das Rundherum für die Konferenz in Polen zu planen. Wir haben uns dabei auch das Messegelände zeigen lassen in dem die Konferenz stattfindet und waren sehr skeptisch, wie diese hier brauchbar ablaufen kann. Die Überraschung war dann durchaus groß: noch nie war ich auf einer UN-Konferenz die so gut gestaltet ist. Die Räume sind sehr gut, alles ist überschaubar, die Wege sind kurz etc. Damit ist aber schon alles Positive über die polnischen Gastgeber gesagt. Polen ist momentan das dreckigste Land in der EU. Gegenwärtig wird in Brüssel das europäische Klima- und Energiepaket verhandelt. Dieses Paket hat enormen Einfluss auf die Verhandlungen hier in Posznan. Wenn die EU ihre bisherigen Versprechen zurücknimmt wird es mehr als schwierig die großen Entwicklungs- und Schwellenländer mit an zu Bord bringen. Warum sollten sie auch? Die EU verspricht und verspricht und hält genau nichts. Jetzt gibt es einen Prozess der in Richtung einer Einlösung von Versprechen geht und schon wird wieder torpediert. Natürlich ist es nicht Polen alleine und ein „hiding behind Poland“ ist gerade Mode in der EU. Aber natürlich muss man Polen für seine besonders exponierte Rolle schärfstens kritisieren. Das haben wir gestern in der Konferenz gemacht. Die NGOs vergeben täglich das "fossil of the day", das ist eine Auszeichnung für besonders destruktives Verhalten in der Konferenz. Gestern hat es Polen bekommen. Übrigens das erste Mal, dass ein Gastgeber das erste Fossil bekommen hat. Grund war, dass der polnische Premier Donald Tusk in seiner Eröffnungsrede als Gastgeber die internationale Solidarität im Kampf gegen den Klimawandel betont hat doch Polen gegenwärtig aber das Land ist, welches sich am wenigsten solidarisch verhält. Heute erzählen wir dieselbe Geschichte, nur etwas mehr im Greenpeace-Stil vom Schornstein eines Kohlekraftwerkes in der Nähe von Posznan. Unsere KollegInnen sind in der Früh hinauf und harren bislang dort aus, was im polnischen Winter kein Spaß ist. Jedenfalls wundern sie sich sehr, dass da keine Windmühlen sind, weil mit den Wind, dem sie da gerade ausgeliefert sind, ließe sich schon einiges machen.

Polen war gestern dann noch einmal ein eher zweifelhafter Gastgeber. Am ersten Abend gibt es einen traditionellen Empfang des Gastgebers. Fast alle gehen da hin. In der Regel ist das eine nette Gelegenheit eine Kleinigkeit zu essen und mit ein paar Delegierten zu plaudern. Es war auch alles ganz nett, nur gab es kein einziges vegetarisches Gericht (neben Fleisch nur Fisch) und als kleines Gastgeschenk gab es eine Flasche Bier. Normalerweise geht ein Gastgeber diesen Empfang etwas kultursensibler an und stellt nicht das eigene Verständnis von Nahrung und Getränken über das aller anderen. Jedenfalls ist es rascher spannend geworden im polnischen Winter und alles blickt gebannt nach Brüssel und Warschau. Wird man in der EU und in Polen die Zeichen der Zeit erkennen und die einmalige Chance die wir nach den Wahlen in den USA haben durch ein solidarisches Klimapaket unterstützen oder wird man die eigenen Verschmutzungsinteressen über die aller anderen stellen? In diesem Sinne "nastrovje".