Montag, 07. Dezember 2009

Bernhard Obermayr, Experte für internationale Klimapolitik berichtet von der Konferenz

 

Endlich sind wir da! Seit 2 Jahren dreht sich fast meine ganze politische Arbeit für Greenpeace rund um diesen Moment. Die Klimakonferenz in Kopenhagen hat begonnen. Ich sitz endlich im „Bella Center“ – so der Name des gewaltigen Konferenzzentrums von Kopenhagen und mit mir die Rekordzahl von 25.000 Delegierten, die in den nächsten 2 Wochen über die Zukunft des globalen Klimaschutz verhandeln. Am Ende der Konferenz sollten wir dann ein Abkommen haben, welches uns hilft den weltweiten Temperaturanstieg so weit unter zwei Grad zu halten als irgendwie möglich. Eigentlich ist es ein sehr trauriger und frustrierender Moment. Die Wissenschaft ist völlig klar – der Klimawandel findet statt, schreitet schneller voran als geglaubt und führt bereits zu massiven Verheerungen weltweit. Warum wir eigentlich noch verhandeln müssen dagegen etwas zu tun, ist schwer vorstellbar und eigentlich himmelschreiend.

Tja, leider ist die Welt wie sie ist und es dominieren sehr kurzfristige und kurzsichtige Interessen. Jedes Land schaut mal nur auf sich und versucht möglichst wenig selbst tun zu müssen. Ganz an vorderster Front dabei ist Österreich – dazu aber in den nächsten Tagen mehr.

Jedenfalls ist es trotzdem gut hier zu sein. Kopenhagen hat sich bereits als interessanter Tagungsort herausgestellt. Das Konferenzzentrum ist hervorragend designt. Von Design verstehen die Dänen was. In allen Toiletten – Männer wie Frauen – gibt es Wickeltische und alles ist behindertengerecht gestaltet (soweit ich das bisher seh). Hier wirken die gesellschaftlichen Traditionen in Skandinavien sehr positiv nach. Die Seminarräume sind alle nach ‚berühmten’ DänInnen benannt, die überwiegend nur einem eingeweihten Zirkel ein Begriff sein dürften. So wird etwa die große Erneuerin der Dänischen Keramik genauso gewürdigt wie eine Filmemacherin die mal für einen Kinderfilm den silbernen Bären bei der Berlinale gewonnen hat. Aber das macht es durchaus auch sympathisch hier zu sein.

Dafür ist alles unglaublich teuer. Für uns NGOlerInnen eine echte Herausforderungen – ein kleiner Teller Suppe mit Brot im sehr billigen, selbstverwalteten NGO-Zentrum kostet rund 5 Euro; im Lokal mindestens 10. Dementsprechend sind wir auch untergebracht. Eine Jugendherberge, die nur aus Betten und Klo besteht. Wir haben nicht einmal einen Kasten oder ein Nachtkasterl. Die rund um die Uhr arbeitenden OrganisationskollegInnen kaufen heute Kleiderhaken, damit wir wenigstens die Anzüge und Kleider aufhängen können, die in den nächsten beiden Wochen unsere Arbeitskleidung darstellen.

Bernhard Obermayr