Jetzt hab ich wirklich zum ersten Mal das Ende einer Konferenz verschlafen. Am Freitagabend waren noch informelle Ministerverhandlungen im Gange und das offiziell anvisierte Ende der Konferenz war für Samstagmittag angesetzt. Wir haben die Nachtschichten eingeteilt und ich war gemeinsam mit meinem niederländischen Kollegen Joris für die letzte Schicht von 5 bis 8 Uhr in der Früh eingeteilt. Daher nach dem Nachtmahl sofort zurück ins Hotel und schlafen legen. Gegen 3 Uhr kam dann die SMS, dass alles vorbei sei und die Konferenz gerade beendet wurde. Das freut zwar kurzfristig, dass man nicht um 4 Uhr wieder aus den Federn muss, aber irgendwie ist es doch enttäuschend.

Versäumt hab ich offenbar nichts. Das spannendste war, so wurde mir mitgeteilt, dass sich der chinesische Delegierte zweimal zu Wort melden musste bis er dran kam und dabei ganz lustig mit seinem Schild gewackelt haben soll. Nichts im Vergleich zum dramatischen Show-down in Bali im letzten Jahr, mit Tränen, Buhkonzerten, Zusammenbrüchen, Einigung in letzter Sekunde etc. Bezeichnend war auch, dass die einzige Frage, die den ganzen Freitag hindurch interessierte, nicht mehr das Ergebnis sondern nur der Zeitpunkt des Endes der Konferenz war.

Gut, vom Ergebnis war von Anfang an nicht viel zu erwarten. Im Mittelpunkt standen prozedurale Fragen. Immerhin wurde ein Arbeitsplan für die Verhandlungen beschlossen und in einigen kleinen technischen Bereichen ging auch etwas weiter. Aber das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr der Umstand, dass die Wahl Obamas so etwas wie ein positives Momentum erzeugt hat. Die Stimmung war sehr gut und die Aussicht auf einen baldigen Durchbruch in den Klimaverhandlungen stand gut. Die EU, bzw. besser die Mitgliedsländer - die Kommission und das Parlament verhielten sich deutlich anständiger - haben dieses Momentum aber letztlich zerstört. Die Atmosphäre ist nun vergiftet und die Enttäuschung besonders auf Seiten der Entwicklungsländer ist riesengroß. Vor allem traut niemand mehr der EU. Jahrelangen Versprechen und Ankündigungen und wenn es drauf ankommt, wie beim Klimapaket, einen Rückzieher machen. Das ist keine vertrauensbildende Maßnahme. Jetzt blickt alles noch gebannter auf die USA und Obama ist nach dem Ausscheiden der EU leider der einzige Hoffnungsträger für die internationalen Klimaverhandlungen.

Statt Showdown gab es Samstag nur noch eine ausführliche Greenpeace interne Nachbesprechung. Die Nachbesprechung entwickelte sich aber sehr rasch in eine Vorbesprechung. Poznan war ein Zwischenschritt über den man gestolpert ist. Poznan hätte den Weg nach Kopenhagen ebnen sollen und hat ihn nun noch ein paar Schlaglöcher hinzugefügt. Aber wir werden in Kopenhagen 2009 ein Abkommen erreichen und wir werden im nächsten Jahr alle Kräfte bündeln und so richtig Dampf machen. Mit diesen Aussichten lässt sich das enttäuschende Ende deutlich leichter ertragen.

PS: Bin inzwischen am Flughafen und am Weg zurück nach Indien, von wo aus ich mich bald wieder via Blog melden werde.