Zuletzt hab ich über die wahnsinnigen Angriffe auf Frauen in einem Pub durch Hindufundamentalisten geschrieben. Die Geschichte bewegt übrigens noch immer. Neue Details werden bekannt - etwa war für die Fundis besonders störend, dass die Frauen nicht nur Alkohol getrunken haben sondern dies teilweise auch mit muslimischen Männern. Auch behauptet die BJP (legaler Arm der Hindufaschisten im Parlament), dass das eine Verschwörung der anderen Parteien war um ihnen zu schaden.

Jedenfalls ist die Frage des Säkularismus versus religiösem Fundamentalismus die entscheidende innenpolitische Frage in Indien und der kommt man auch als Greenpeace nicht aus. Schwierig wird es dann, wenn eines unserer Kernaufgabengebiet - etwa der Kampf gegen den Klimawandel - betroffen ist.

Im Nordwesten Indiens gibt es eine Provinz namens Gujarat. Gujarat wird seit Jahren von Narenda Modi, einem Vertreter der BJP, regiert. Modi ist nicht nur ein Vertreter der BJP sondern deren übelste Gallionsfigur. Er gilt als persönlich verantwortlich für die schwersten Übergriffe gegen Moslems in Indien nach der Teilung. Im Jahr 2002 wurden in Gujarat im Anschluss an die Zerstörung einer symbolträchtigen Moschee und dem (wahrscheinlichen) Unfalltot einer Gruppe Hindus, in Pogromen mehr als 1.000 Menschen getötet und über 50.000 vertrieben. Die Polizei griff nicht ein und Modi wird von den relevanten Menschenrechtsgruppen zumindest für das Ausmaß der Katastrophe verantwortlich gemacht. Politisch hat es sich für ihn gerechnet. Heute ist er durch seine wirtschaftsfreundliche Politik der Darling der Industrie und Hoffnungsträger seiner Partei bei den kommenden Wahlen. Im Kern bleibt er aber ein Hindufaschist, der wahrscheinlich wieder Tausende Menschen sterben ließe, wenn es in sein Weltbild passt und ihm politisch nützt.

Wozu die ganze Erklärung? Modi macht die beste Förderpolitik für erneuerbare Energieträger und Gujarat ist am Weg zu einem grünen Vorzeigestaat in Indien zu werden. Vom dortigen jüngst verlauteten Ökostromgesetz könnte sich Österreich ein ordentliches Scherzel abschneiden. An sich ist es genau das was wir in Indien brauchen. Regionale Champions, die zeigen, dass die Zukunft nicht in Kohle und Atom, sondern in Wind und Sonne liegen. Trotzdem suchen wir weiter und bauen jetzt Druck auf andere relevante Politiker auf um diesen Champion zu bekommen. Auch wenn es für Greenpeace um die Umwelt geht, eine Allianz mit Modi, so gut seine Energiepolitik ist, geht einfach nicht. Auch Menschen gehören zur Umwelt und mit Schlächtern kann man nirgends eine nachhaltige Zukunft aufbauen. Ärgerlich ist es aber trotzdem.