Im Geschichtsbuch der schlechten Ideen hat sich das Konzept, Unternehmen das Recht zu geben das Internet zu zensurieren, einen Spitzenplatz der schlechtesten Ideen gesichert.

Genau diese Zensur-Chance wird Unternehmen geboten, wenn die zwei vor kurzem im U.S. Kongress eingereichten Gesetzesentwürfe zu einem Gesetz werden - dies sorgt momentan gerade für weltweite Unruhen - besonders unter AktivistInnen, die sich für die Redefreiheit stark machen.

In Solidarität mit großen Webseiten wie Wikipedia, Boing Boing und Reddit wird die Webseite von Greenpeace Österreich am 18.01.2012 für 12 Stunden schwarz werden, um gegen die zwei Gesetzesentwürfe im Speziellen, als auch gegen die generelle Idee der Internetzensur zu protestieren.

Falls Sie nicht wissen, was SOPA und PIPA sind, schlagen Sie nach und informieren Sie sich. Eigentlich als Bestrebung gegen Piraterie in der Film- und Musikindustrie gedacht und angepriesen, haben sie das Potential Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, auch Online-Aktivismus zu zensurieren.

Kurz zusammengefasst: diese Gesetzesentwürfe werden es Unternehmen möglich machen, effektiv jene Webseiten zu schließen, von denen sie glauben, dass sie deren Urheberrechte und Marken verletzen. Alles was sie dafür tun müssen ist eine Meldung an einen Serviceprovider zu tätigen (und nicht vor Gericht Beweise vorlegen, eine simple Meldung genügt), dass ihre Urheberrechte von einer bei diesem Provider untergebrachten Website verletzt worden sind. Der Provider bei dem greenpeace.at gemeldet ist, hätte demnach genau fünf Tage Zeit, unsere Webseite offline zu nehmen. Hat der Serviceprovider fälschlicherweise die Website offline genommen und läge gar keine Urheberrechts-Verletzung vor, ist er sogar vor einer rechtlichen Anklage gefeit.

Faktisch sagt das Gesetz, dass eine Urheberrechtsverletzung eine schwere Straftat darstellt. Unternehmen können sowohl Richter als auch Geschworene spielen, Schuld vermuten und verstoßen damit möglicherweise gegen Bürgerrechte, die Redefreiheit und Privatssphäre auf Kosten ihrer eigenen Interessen.

Sie können von Suchmaschinen und sozialen Netzwerken verlangen, dass diese die Zugriffe auf die beschuldigten Seiten sperren, und dass Zahlungsdienste und Werbende die Zusammenarbeit mit den Beschuldigten einstellen müssen.

Was hat das mit Online-Aktivismus zu tun?

Verletzungen des Urheberrechtes sind Teil der Rechnung, die hier präsentiert wird. Es ist eine offene Einladung für all jene Unternehmen, die ihre KritikerInnen zum Schweigen bringen wollen. Greenpeace hat einige der aktuellen Erfolge über geschickte Online-Judo-Moves vollzogen: Unsere Greenpeace-Parodie auf die teuerste VW-Werbung aller Zeiten, eine Kit-Kat-Werbung, die aufzeigt, wie sie für ihre Palmölproduktion den Regenwald abholzen oder eine ähnliche Apple.com Webseite, die sich für verbesserte Gesetze zum Elektronikabfall stark macht.
Das ergab jede Menge an Gerichtsverhandlung – und jede gab Greenpeace Recht, dass eine Parodie die freie Form der Meinungsäußerung sei!

Darum müssen wir uns gegen SOPA/PIPA wehren. Unsere Botschaft soll laut und sichtbar werden – wir lassen uns unsere freie Meinungsäußerung im Internet nicht nehmen. Das Internet darf nicht von  Unternehmen zensuriert werden! Unterzeichnen Sie die Petition genau jetzt!

Den Originaltext von Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International finden Sie hier.