Es ist höchste Zeit, die für Bienen tödlichen Pestizide zu verbannen

Biene auf Blume

Viele unserer Lebensmittel sind auf Bestäubung durch Bienen und andere Insekten angewiesen. Doch die Verwendung von Pestiziden riskiert zunehmend die Zukunft der Bienen und unserer Landwirtschaft.

Der von Greenpeace veröffentlichte wissenschaftliche Report Bye bye Biene? betont die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung gesunder Bienenpopulationen und zeigt, dass die negativen Auswirkungen dieser Pestizide auf Bienen die angenommen Vorteile bei Weitem überwiegen.

Dadurch wird klar, wie wichtig ein rasches Verbot dieser Bienenkiller nun ist. Ein Verbot wäre der erste wichtige Schritt zum Schutz der Bienenkolonien und eine Absicherung der Bestäubung durch Insekten - dem wichtigsten Werkzeug der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion in Europa.

Unser Report Bye bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa zeigen, dass die weltweite Abnahme der Bienenpopulationen durch Krankheiten und Parasiten, sowie den Klimawandel, insbesondere jedoch auf industrielle, landwirtschaftliche Praktiken zurückzuführen ist.

Wissenschaftliche Befunde beleuchten die tödlichen Folgen von Neonicotinoiden, einer höchstgiftigen Gruppe von Pestiziden, mit fatalen Auswirkungen auf Bienen. Neben den akuten Vergiftungen, die zum sofortigen Tod der Bienen führen, gibt es zahlreiche subletale Effekte. Diese beinhalten physische Beeinträchtigungen, Störungen bei der Nahrungssuche, ein gestörtes Fütterungsverhalten und neurotoxische Auswirkungen auf Lernprozesse.

Desweiteren wird die Fähigkeit der Bienen, Krankheiten und Parasiten zu vermeiden, scheinbar unmittelbar durch den Einfluss von Neonikotinoiden, beeinträchtigt - mit katastrophalen Konsequenzen auf ihre Gesundheit und ihre Überlebenschancen. Da rund ein Drittel der europäischen Lebensmittel durch Insekten bestäubt wird, würde ein Einbruch in der Bienenpopulation die gesamte Landwirtschaft gefährden, mit schlimmen Folgen für unsere Lebensmittelsicherheit.

Die negativen Auswirkungen der tödlichen Pestizide übersteigen bei weitem den erwarteten Nutzen. Unsere Bienen und wilden Bestäuber sind zu wertvoll, um ihrem Massensterben weiterhin einfach zuzusehen. EU Mitgliedsstaaten dürfen nicht länger abwarten, sondern müssen diese Pestizide sofort verbieten.

Greenpeace hat sieben Bienen-Killer Pestizide identifizieren können, die aufgrund ihrer extrem hohen Giftigkeit, subletalen und/oder systemischen Auswirkungen auf Bienen von unseren Feldern gehören. Dazu zählen Bayers Imidacloprid und Clothianidin, Syngentas Thiamethoxam, BASFs Fipronil und Chlorpyifos, Cypermethrin und Deltamethrin, die von weiteren Agrochemischen Unternehmen hergestellt werden. Diese Unternehmen erwirtschaften einen enormen Profit mit diesen weitverbreiteten Bienengiften.

Die Veröffentlichung unseres Reports Bye bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa markieren den Beginn einer europaweiten Greenpeace Kampagne zum Schutz der Bienen.

Greenpeace fordert von den politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in ganz Europa:

  • als ersten Schritt eine Unterstützung des von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen teilweisen Verbots von drei Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide.
  • einen europaweiten Aktionsplan, um alle für Bienen und andere wichtige Bestäuber gefährlichen Pestizide vollständig zu verbieten
  • Umverteilung der Förderungen weg von chemieintensiver industrieller Landwirtschaft, hin zu ökologischer Landwirtschaft

Ökologische Landwirtschaft ermöglicht den Anbau von Lebensmitteln ohne Insekten schädigende Chemikalien und verwendet stattdessen umweltfreundliche Langzeitmethoden zur Schädlingsvermeidung.

Die Steigerung der Artenvielfalt, die Einbeziehung nutzenbringender Insekten, Fruchtfolge, und die Einführung von lokal bestehenden "low input" Technologien, formen ökologische Anbaumöglichkeiten, die alle dazu beitragen, die Vegetation weniger anfällig für Schädlingsinvasionen zu machen.

Dieser alternative Ansatz der ökologische Landwirtschaft stellt eine Langzeitlösung für die Erhaltung der Bienen und der Nahrungsmittelsicherheit in Europa dar.

Matthias Wüthrich ist Kampaigner für nachhaltige Landwirtschaft und Leiter des europäischen Bienen Projekts bei Greenpeace.