Menschenwürdig Arbeitsbedingungen mit arbeitsrechtlichen Mindeststandards sind leider keine Selbstverständlichkeit. Bislang waren es vor allem Produkte aus sogenannten Entwicklungsländern wie Kaffee, Kakao und Schokolade oder Bananen, Orangensaft, Reis bis zu Schnittblumen im Winter, die zu unfairen Bedingungen hergestellt wurden. Dank dem fairen Handel können Konsumenten und Konsumentinnen seit einiger Zeit aus einer Vielfalt an fairen Produkten wählen. Produkte aus sogenannten Entwicklungsländern sind am FAIRTRADE-Gütesiegel erkennbar. Es garantiert faire Preise und faire Arbeitsbedingungen und verbietet Kinder- oder Zwangsarbeit.

In letzter Zeit häufen sich Berichte über unfaire Arbeitsbedingungen in Europa. Davon betroffen sind vor allem in der Landwirtschaft tätige Menschen.

So deckte etwa ein italienischer Journalist auf, dass in Süditalien illegale Einwanderer zu menschenunwürdigen Bedingungen auf den Feldern schuften müssen. Mehr dazu auf orf.at .

Der britische Guardian enthüllte, dass auf südspanischen Feldern ebenfalls illegale Arbeitssklaven beschäftigt werden.

Kürzlich wurde der Fall eines Knechtes in der Steiermark bekannt, der jahrelang für einen Hungerlohn Schwerstarbeit verrichten musste. Gemäß dem Anwalt, der den Knecht vertritt vermutlich kein Einzelfall.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach der Verantwortung. Gerne wird uns KonsumentInnen die Schuld in die Schuhe geschoben. Denn wir sind angeblich so gierig – mit unserer „Geiz ist Geil“-Mentalität zwingen wir die „armen“ Firmen dazu, immer billiger zu produzieren und das ganze Jahr über alle landwirtschaftlichen Produkte anzubieten.

Billig ist in Wirklichkeit diese Ausrede. Denn viele KonsumentInnen haben durch das immer gleiche Angebot verlernt, welches Gemüse jetzt Saison hat. Ich kenne keinen einzigen Supermarkt, der regionale Produkte bevorzugt, dies seinen KundInnen erklärt und ihnen Tipps gibt, wie sie diese am besten verarbeiten können? marktcheck.at informiert Monat für Monat darüber, welches Obst und Gemüse jetzt Saison hat.

Abgesehen davon ist nicht einzusehen, dass Unternehmen Gesetze mit Füßen treten und behaupten, nichts davon gewusst zu haben. Schön bebilderte Nachhaltigkeitsberichte (sogenannte Corporate Social Responsibilty-Reports) sind wertlos, solange Hersteller und Handel nicht über die Vorgänge in ihren Lieferketten Bescheid wissen (wollen).

Dass KonsumentInnen sind sehr wohl bereit sind, für Qualität mehr zu zahlen zeigen die steigenden Umsätze mit biologischen Produkten und Produkten aus fairem Handel. Von Unternehmen, die in aufwändigen Werbespots behaupten, verantwortungsvoll zu agieren, sollte man erwarten können, dass landwirtschaftliche Produkte aus Österreich, aber auch aus anderen Ländern in Europa, unter fairen Bedingungen hergestellt werden.