© Jeremie Souteyrat / Greenpeace

Letzte Woche untersuchten drei Greenpeace-Strahlungsmessteams erneut die Straßen von Fukushima City und die schwer verstrahlte Gegend von Iitate, um die Gefahr der Kontamination zu dokumentieren und einzuschätzen.Wie in vielen früheren Untersuchungen, fanden wir gesunkene Strahlungswerte in manchen Gegenden, aber es gibt immer noch viele nukleare Hotspots in der stark bevölkerten Stadt Fukushima. Noch erschreckender sind die offiziellen Strahlenmess-Stationen der Regierung, die an vielen Orten der Stadt aufgetaucht sind.

Am Anfang diesen Monats bekundete die "Association for Citizens and Scientists Concerned About Internal Radiation Exposures" ihre Sorge, dass die japanische Regierung die Strahlungsmesswerte dieser offiziellen Strahlungsüberwachungsstationen manipuliert hätte.

Das kam uns bekannt vor, im März diesen Jahres stießen wir während der Durchführung von Strahlungschecks in den Vororten von Watari auf einen neu installierten offiziellen Strahlungsüberwachungsposten. Diese Station war in der Mitte eines kleinen Gebietes, das sorgfältig entgiftet wurde - alte, verstrahlte Erde wurde durch neue ersetzt - und zeigte daher ein verhältnismäßig niedriges Niveau der Verstrahlung an. Doch außerhalb dieser entgifteten Gegend, stiegen die Werte stark an und waren im ganzen Park hoch - abgesehen vom direkten Umfeld der Strahlungsmess-Station.

Wir haben bei diesem Besuch im März nur diese eine Mess-Station untersucht und hofften, dass der Bau einer neu installierten Station den Start einer neuen Initiative der Behörde bedeuten würde, mit der die dicht besiedelten Gegenden umfassend gesäubert und die Bevölkerung besser über die radioaktiven Risiken informiert würde. Doch diese Hoffnung hat sich als unbegründet herausgestellt.

Zwischen dem 16. und dem 19. Oktober hat Greenpeace 40 Messstationen in ganz Fukushima überprüft. Bei 75% waren die Strahlungsmesswerte nahe den Stationen niedriger als ihr unmittelbares Umfeld. Verschmutzungswerte 25 Meter von den Stationen entfernt waren bis zu sechsmal höher, als bei den Stationen selbst.

Die Behörden behaupten, sie würden mit den Messstationen keinesfalls eine Irreführung der Bevölkerung beabsichtigen, und dass alle Informationen über die Dekontaminierung um die Stationen herum veröffentlicht wurden. Dennoch vermitteln die Messstationen all jenen, die in der kontaminierten Gegend wohnen, dass das Niveau der Verstrahlung niedriger ist, als wenige Meter von der Station entfernt nachgewiesen werden kann.

Nicht nur das, auch die Dekontaminierungsarbeit bleibt sehr lückenhaft. Die Behörden haben sich um niedrig hängende Fruchtsträucher an manchen öffentlichen Parks und Schulen gekümmert, aber unsere Teams fanden heraus, dass nach wie vor viele Hotspots in der ganzen Stadt zu finden sind und dass wenig getan wurde um sie zu säubern.

Wir sahen nur ein paar wenige Säuberungsgruppen in der Woche, die wir dort waren. Andererseits sahen wir viele Säuberungsgruppen in der Region um Iitate. Das ist eine bergige Gegend mit viel Wald, und es ist sehr schwer, diese Gegend zu säubern. Selbst wenn es den Arbeitern gelingt Häuser und Arbeitsplätze zu reinigen, ist die Gefahr einer Rekontaminierung sehr hoch, jeder Wind, Regenguss oder Schneeschmelzwasser kann neue radioaktive Anreicherungen von den Bergen bringen. Alles was die Regierung den zerbrochenen Gemeinden von Iitate zurzeit gibt, ist falsche Hoffnung.

Während dieser Reise befragten wir sechs Bewohner von Iitate und sie alle haben ein ausgeprägtes Misstrauen gegen die offiziellen Informationen, sowie wenig Vertrauen in die Fähigkeiten der japanischen Regierung, das radioaktiven Verschmutzungsproblem zu lösen. Obwohl offensichtlich ist, dass die Menschen nichts lieber täten als in ihr altes Leben zurückzukehren, spüren viele, dass das Leben wie sie es kannten, vorbei ist. Sie streben nun eine Sperrung des Gebiets an und eine faire Entschädigung, sodass sie ein neues Leben beginnen können.

Wir haben auch mit lokalen Regierungsvertretern gesprochen, die sich beklagten, dass sie durch einen Mangel an Finanzierung, Arbeitskräften und einen Mangel an Führung und Engagement der nationalen Regierung gelähmt seien.

Das zeigt nicht nur erneut das unablässige Herunterspielen der Japanischen Regierung hinsichtlich der Ernsthaftigkeit als auch der Tragweite dieser Atomkatastrophe, sondern es spricht auch erneut für ihre Unfähigkeit, die Gesundheit und Sicherheit der Menschen über die Politik zu stellen. Die Regierung hat Finanzierungsmittel des Fukushima-Rekonstruktions-Budgets für Walfang ausgegeben, während Farmarbeiter weiterhin auf Untersuchungen ihrer Gesundheit verzichten müssen. Und jetzt verschwendet sie Ressourcen und Zeit, um leere Landgegenden zu dekontaminieren in einem unsinnigen Versuch evakuierte Regionen wieder zu besiedeln, während die Menschen in Fukushima City immer noch gefährdet sind.

Die Regierung behauptet nach wie vor, sie hätte alles unter Kontrolle, obwohl sie es offensichtlich nicht hat. Unglücklicherweise gibt es keinen einfachen Ausweg. Alles was sie tun kann, ist die Realität dieser Situation einzugestehen und ihr die nötige Aufmerksamkeit zu geben.

Nur dann kann sie der Bevölkerung die Informationen, die sie braucht um sich zu schützen, geben.

Nur dann kann sie jenen, deren Leben völlig aus der Bahn geworfen wurde, die notwendigen Entschädigungen zur Verfügung stellen, sodass sie sich mit dieser Tragödie abfinden und neu beginnen können.

Nur dann kann sie wirklich verstehen, dass Atomenergie ein Fluch und kein Segen für Japan war und die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen.