Morgens um sieben sind wir nach der langen Nacht der Entscheidung ins Bett gefallen. Wenige Stunden später war den Menschen in Durban anzumerken, dass sie über einen Abschluss sehr froh sind. Denn auf den Schultern des gastgebenden Landes lastete eine große Verantwortung.

Es war sicher ein wichtiger Faktor, dass Südafrika, eines der Schwellenländer, die Internationale Klimakonferenz (COP17) ausgerichtet hat. Denn so mussten die Schwellenländer mit der neu geformten Allianz bestehend aus der EU, einer Gruppe afrikanischer Läner, kleinen Inselstaaten (Aosis), lateinamerikanischen Staaten (Alba) sowie einer Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LDC), Kompromisse eingehen.

So werden nun auch China, Brasilien, Südafrika und Indien verbindliche Ziele akzeptieren und umsetzen. Die indische Ministerin hatte im Abschlussplenum sehr viel über globale Gerechtigkeit beim Klimaschutz gesprochen. Dies wird ein zentrales Thema der Verhandlungen in den nächsten Jahren werden. Wie werden die Verpflichtungen, die Emissionen zu mindern, gerecht auf die Länder verteilt? Eines hat Durban klargemacht: China und Indien müssen im Zuge einer gerechten Klimaordnung Minderungsziele für sich akzeptieren.

Die Allianz hatte im Abschlussplenum für ein rechtlich verbindliches Abkommen und für einen strengeren Zeitraum argumentiert: Ein Weltklimaabkommen muss bis 2015 beschlossen und dann zügig umgesetzt werden. Und nicht wie jetzt erst ab 2020 gehandelt werden. Das ist zu spät, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken. Die Allianz sollte die Zeit jetzt nutzen, um die Beziehungen auszubauen und ein verbindliches Abkommen vorantreiben.

Europäisches Klimaschutzziel 2012 steigern!

Es bleibt abzuwarten, ob die USA dem Druck ihrer gewaltigen Öl- und Kohleindustrie widersteht, um beim Klimaschutz im eigenen Land voranzukommen. Auch in Deutschland und der EU muss die Klimapolitik neu aufgestellt werden. Die EU hat mit der dringenden Aufforderung, bereits jetzt die Klimaschutzziele zu steigern, eigentlich einen klaren Fahrplan vorgelegt: Sie muss auch ihr eigenes Klimaschutzziel steigern und bis 2020 die CO2-Emissionen um 40 Prozent verglichen mit 1990 reduzieren. Derzeit liegt das Ziel bei 20 Prozent.

Europa war nach Jahren endlich mal wieder bei einer Klimaschutzkonferenz relevant und hat zumindest bis zum Schluss gekämpft. Die schlechte Vorbereitung hat allerdings dazu geführt, dass nicht noch mehr für die Menschen Afrikas sowie Europas herausgeholt wurde. So war die Position der EU bis zur Klimakonferenz unklar, da sich die Mitgliedsstaaten nicht einig waren. Da hätte man viel früher an einem Strang ziehen müssen.

Importverbot für Atomstrom in Österreich

Europa könnte eine neue Vision gebrauchen. Klimaschutz und green economy könnten sie bieten. Auch die wirtschaftliche Kooperation mit den Schwellenländern muss grüner werden. So müssten Konzerne wie VW spritsparende Automodelle auf diesen boomenden Märkten anbieten. Die Europäische Kommission könnte nicht mehr laut über den Bau von 40 neuen Atomkraftwerken nachdenken. Dem Ausbau der Atomkraft sollte ein für allemal die wirtschaftliche Grundlage entzogen werden. Auch die österreichische Regierung könnte aktiv werden und ein Importverbot für Atomstrom erlassen.