Segeln auf dem Amazonas, wo alles so ist wie immer und doch alles ganz anders...

Seit fast drei Monaten bin ich jetzt schon mit an Bord der neuen Rainbow Warrior und seitdem hat sich einiges getan. Im Moment aber segeln (ja, wirklich segeln) wir auf dem Amazonas und wie zuvor werden Wachen gehalten und die Brücke bleibt 24 Stunden am Tag besetzt und doch sind die Aufgaben ganz andere.

Wo vorher nur einmal am Tag gekreuzt wurde (um gegen den Wind zu segeln wird aufgekreuzt) kann es jetzt schon im Minutentakt passieren, dass wir kreuzen müssen, da der Amazonas zwar ein breiter Fluss ist, aber von Seglern doch ziemliches Können abverlangt. Dazu ist das gesamte Deckteam - dem auch ich angehöre - eingeteilt. Die Wachen, die normalerweise unter Deck nach dem Rechten sehen, sind hier hauptsächlich damit beschäftigt schwimmende Baumstämme zu finden, die hier die größte Gefahr für ein Segelboot wie die Rainbow Warrior darstellen und sie versenken könnten. Aber auch Ausschau nach Piraten wird gehalten, die in den letzten Jahren auch diese Gewässer unsicher machen.

Auf der Rainbow Warrior produzieren wir normalerweise unser Trinkwasser selbst - aus dem uns umgebenden Salzwasser. Hier - im größten Frischwasserspeicher der Erde müssen wir eisern unser Trinkwasser sparen, was bei über vierzig Mann an Bord nicht ganz einfach ist. Aber aus dem Amazonas Frischwasser können unsere Salzwassergeräte einfach kein Trinkwasser herstellen. So wurden schlichtweg die Duschen abgestellt und einmal täglich die Deckdusche aktiviert. Dazu wird ein Duschkopf am Helideck montiert und zwei Hydranten aufgestellt, die Amazonaswasser in Richtung der Segler und Gäste an Bord sprühen...

Und trotz allem sind schon jetzt, zu Ende dieser so speziellen Amazonastour unvergessliche Erlebnisse und unbeschreibliche Vorkommnisse in unserer Erinnerung:

Vor wenigen Tagen hatten wir von nicht weniger als 30 Flussbooten Besuch, besetzt mit Vertretern aus über 300 Stämmen aus der Region und zum Ankern an unser Schiff gebunden. Wir wurden so zu einer schwimmenden Plattform für die erstmals stattfindende Tagung aller Stämme, um gegen das neue Waldgesetz (Forestcode) in Brasilien vor zu gehen. Sehr beeindruckend für die hauptsächlich junge Mannschaft: auch die Stammesvertreter waren häufig um die 25-30 Jahre alt – vielleicht sind uns diese Leute doch schon einen Schritt weiter voraus als gedacht.

Und zum anderen sieht man nicht oft Menschen die etwas diskutieren, das nicht nur ihr Leben sondern vielmehr ihr Überleben in Zukunft beeinflussen wird.

Heute hatten wir die Möglichkeit eine Schule der umliegenden Dörfer mitten im Amazonas zu besuchen und auch dort ein wenig mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Menschen, die alles was sie zum Leben brauchen in kleinen Mengen aus dem Urwald holen. Der “Kern des Waldes” eine Frucht aus der eine Art Mousse gekocht wird, ist die wichtigste Quelle für Eiweiß und Eisen und von den Holzfällern akut bedroht.

Das dritte große Zusammentreffen zwischen Crew und den Ortsansässigen steht uns morgen noch bevor: Eines der Dörfer hat die Mannschaft der neuen Rainbow Warrior zum Fußball Match gefordert. Ein Mix aus 18 Nationen dieser Welt gegen eine täglich trainierende brasilianische Mannschaft – beim letzten Match (Amazonas Tour der Arctic Sunrise 2009) war das Ende ziemlich bitter hat man uns gesagt... Ob wir es besser können bleibt abzuwarten….