Premiere. Erstmals war ich Saudi-Arabien dankbar. Und das für einen religiösen Vorstoß. Die Saudis haben mit der Unterstützung anderer islamischer Länder einen zusätzlichen freien Tag bei der diesjährigen Konferenz durchgesetzt, da gestern ein islamischer Feiertag war. Das erzeugte einiges an Konfusion, da ursprünglich der Dienstag für diesen Feiertag anvisiert war, plötzlich musste es aber der Montag sein. Angeblich wegen eines Berechnungsfehler mit einer Mondsichtung oder so ähnlich.

Jedenfalls waren 2 Tage (Sonntag und Montag) theoretisch frei. In der Praxis hat das bedeutet, je eine Stunde länger schlafen. Am Sonntag hatten wir den ganzen Tag Strategiebesprechungen. Zuerst Greenpeace intern und dann gemeinsam mit den anderen NGO-KollegInnen. Am Abend hab ich mich frühzeitig davon geschlichen und war erstmals für 2 Stunden allein ohne dabei geschlafen zu haben. Großartig! Ein Spaziergang durch das winterliche Poznan, mit einem kleinen Imbiss am lokalen Christkindlmarkt. Am Montag waren wir alle wieder den ganzen Tag im Konferenzzentrum. Freier Tag bedeutet, es gibt kein offizielles Programm, was die Arbeit für uns NGOlerInnen aber schwieriger macht, da wir weniger Informationen über den Stand der Dinge erhalten.

Trotzdem war es vergleichsweise angenehm und wir hatten auch einmal ein wenig Zeit für tiefere Diskussionen. Das interessante hier ist ja weniger die Paragraphenreiterei - wobei wir zum Glück auch einige Leute haben, die das besonders mögen und vor allem können - sondern zu sehen, wie die vielen unterschiedlichen Fäden einen ganzen Knäuel ergeben. Im Moment ist das recht schwierig zu erkennen, da fast jedes Einzelthema für sich blockiert scheint. Die großen Linien bleiben aber das Fehlen der USA bzw. das Warten auf Obama. Wir wissen es wird besser als mit Bush, was nicht überraschend wäre, aber wir wissen nicht, was das konkret heißen wird. Morgen soll John Kerry kommen, der uns vielleicht mehr verrät. Dazu warten wir darauf, dass sich die EU bemüßigt endlich Vorschläge zu machen. Doch dazu muss zuerst das Klimapaket diese Woche durch und keiner weiß, wie gut oder schlimm das werden wird. Optimistisch ist hier niemand.

Den "freien Tag" wollt ich nach 12 Stunden Diskussion mit einem Film beschließen. Greenpeace zeigte den neuen und sehr empfehlenswerten Film über das Klima: "Age of Stupid". Entgegen meiner Erwartungen gab es aber leider nichts zu Essen und die Bar schloss als ich kam. Also doch kein Film. Stattdessen hinein in die Stadt und bei der gestern nach Posnan übersiedelten Greenpeace "Climate Rescue Station" (Greenpeace International Blog) noch die verantwortlichen polnischen KollegInnen treffen. Da gab es dann endlich auch zu Essen und zu Trinken.

Die Greenpeace "Climate Rescue Station" in Poznan wird errichtet.