Heute ist in der "Medizin"-Rubrik vom "Standard" ein Artikel mit dem Titel "Sport für Faule" erschienen. Es wird das Körpertraining mit Elektrostimulation (EMS) vorgestellt. EMS wurde bisher vorwiegend aus medizinischen Gründen verwendet, etwa für Physiotherapie zur Regeneration nach Unfällen oder bei Erkrankungen (z. B. Rückenschmerzen) oder auch bei ProfisportlerInnen als Ergänzung nach Verletzungen, also durchaus sinnvolle Anwendungen.

EMS funktioniert so, dass über die Trainingsbekleidung eine Weste angelegt wird. An Beinen und Armen werden jeweils Manschetten befestigt. Sie sind über Stromkabeln mit einem Gerät verbunden. Man führt dann unter Anleitung eine Art Gymnastik durch, welche die Muskulatur anregen soll. Gemäß "Standard" hat die Fitnessstudio-Kette  "Body Street" nun auch Hobby- und FreizeitsportlerInnen im Visier. Das Unternehmen betreibt in Deutschland bereits mehrere Studios, eines in Vorarlberg ist bereits in Betrieb und in Salzburg und Wien (gemäß der Body Street-Website) in Planung.

Auf der Website des Unternehmens wird mit der "revolutionären Bodystreet-Methode" geworben, die "in 20 Minuten soviel erreichen kann wie mit 8 x 45 Minuten herkömmlichen Krafttraining" und zielt damit auf die große Gruppe der Vielbeschäftigten und Gestressten ab.

Ärgerlich daran sind mehrere Punkte:

  • Wenn daraus ein neuer Fitness-Trend geschaffen werden soll, dann würden nicht nur solche Studios aus dem Boden schießen wie die Schwammerl, sondern dann wird man solche Geräte auch für Zuhause an den Mann bzw. die Frau bringen wollen. Damit wäre unweigerlich ein höherer Stromverbrauch, also eine Mehrbelastung fürs Klima verbunden.
  • Nachdem man sich ja ohnehin in diesem Studio "anstrengt", entsteht die Illusion, dass man sich im Alltag nicht mehr bewegen muss, was zu Faulheit verleitet.
  • Den KonsumentInnen wird wieder einmal etwas teuer aufgeschwatzt, das sie einfach und preiswert selbst - und ohne teures Equipment - tun könnten.

Auf mich wirkt das ein wenig, als ob man damit den mittlerweile etwas ermüdeten Fitnessstudio-Trend neu beleben will. Fitnessstudios sind aus ökologischer Sicht ohnehin zu hinterfragen. Laufbänder, Stepper und Co verbrauchen üblicherweise Strom. Und der kommt in den seltensten Fällen aus erneuerbarer Energie. Greenpeace hat schon mehrfach den Strom-Mix der Energieversorger unter die Lupe genommen. Häufig wird, je nach Strombetreiber, billiger Atomstrom aus dem Ausland zugekauft.

Dass man vielleicht Ökostrom beziehen oder den Strom selbst herstellen könnte, etwa durch Photovoltaik-Panele auf dem Dach, haben bislang wohl die wenigsten Studiobetreiber in Erwägung gezogen. Noch viel schlauer wäre es natürlich, wenn die Geräte nicht Strom verbrauchen, sondern welchen produzieren würden. Man könnte beispielsweise diesen Strom dazu nutzen, um sein Handy oder seinen MP3-Player aufzufladen.

Es gibt jedoch auch eine einfache, zeitsparende und vor allem preiswerte Methode, um fit zu bleiben. Man braucht dazu nirgendwo hinfahren, sich nicht an Ort und Stelle abstrampeln und auch nicht an einem Gerät angeschlossen Turnübungen machen. Man könnte kurze Alltagswege unter 5 Kilometern zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Gleichzeitig entlastet man das Klima, weil man Treibhausgasemissionen einspart.

Bisher ist die Verkehrsinfrastruktur in Österreich leider vorwiegend auf das Autofahren ausgerichtet. So hat etwa eine VCÖ-Untersuchung im März 2010 gezeigt, dass von allen Landeshauptstädten in Österreich Bregenz die radfahrfreundlichste Stadt ist. Dort werden bereits 19 Prozent der Alltagswege mit dem Rad gefahren. Die niedrigsten Werte gab es in Wien, Linz und Eisenstadt mit vier bzw. fünf Prozent.

Mittel- und langfristig sollten Städte und Gemeinden für FußgängerInnen und RadfahrerInnen attraktiver gemacht werden. Das ist nicht nur klimafreundlich, reduziert den Feinstaub, spart Zeit, ist preiswert und gesund, sondern macht obendrein auch noch Spaß. Denn in einem schönen Umfeld gehen oder radeln ist lustiger als im Studio zu trainieren.

Claudia Sprinz, Greenpeace Konsumentensprecherin